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Imap-Postfächer von Webhostern und Mail-Diensten
Imap ist nicht Imap

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POP3 ist jedem Nutzer der elektronischen Post ein Begriff, doch Imap kennen nur wenige. Wir zeigen Ihnen, wie die E-Mail-Dienstleister und Webhoster Imap interpretieren und ihren Kunden anbieten.

Ende des Schattendaseins

Imap-Postfächer von Webhostern und Mail-Diensten

Imap ist nicht gleich Imap so oder ähnlich könnte man als Fazit dieses Tests die Implementierungen des Mail-Protokolls Imap umschreiben, das in den vergangenen Wochen und Monaten von vielen Webhostern als innovative Neuentdeckung propagiert wurde. Dabei existiert das Internet Message Access Protocol, kurz Imap, bereits seit 1986 und hätte schon längst das antiquierte Pendant Post Office Protocol (POP) ablösen sollen. Imap führte jedoch ein Schattendasein, bis auch die großen Massenhoster dessen Vorteile erkannt hatten. Je länger es gedauert hat, bis die Anbieter die Vorteile von Imap erkannten, desto mehr wird das Mail-Protokoll als Neuheit vermarktet. Einer der Vorreiter in Sachen Imap ist der Münchener Webhoster Domainfactory. Der Dienstleister hat den Trend zu Imap und dessen Vorteile früh wahrgenommen und bietet bereits seit Juli 2003 seinen Kunden entsprechende professionelle Postfächer an.

Mittlerweile haben auch zahlreiche weitere Anbieter Mail-Postfächer mit Imap-Unterstützung im Portfolio. Internet Professionell nimmt die Imap-Features von fünf Webhostern sowie zwei Mail-Diensten unter die Lupe und untersucht, was deren Implementierungen taugen. So müssen sich neben den Webhostern 1&1, All-inkl, Domainfactory, Hosteurope als auch die beiden Mail-Dienstleister GMX sowie Web.de unseren Tests stellen. Zum Testen verwenden wir den Mail-Client Thunderbird. Das Open-Source-Programm aus dem Mozilla-Projekt ist frei verfügbar und erfreut sich steigender Beliebtheit.


Langsamer Siegeszug

Imap-Postfächer von Webhostern und Mail-Diensten

Das Post Office Protocol hätte auf Grund seiner mangelnden Funktionen schon längst ersetzt werden sollen. Die Ursachen für das bis dato anhaltende strenge Festhalten an POP sind unklar: Entgegen der weit verbreiteten Meinung verbraucht Imap nicht unbedingt mehr Ressourcen als POP. So ist bei Imap beispielsweise der gezielte Zugriff auf Teile einer Nachricht möglich.

Zweifelsohne benötigt Imap auf dem Server mehr Platz, auch die stetig aufrecht gehaltene Client-Server-Verbindung erfordert entsprechend leistungsfähige Mail-Server. Dennoch spricht im direkten Vergleich zwischen beiden Protokollen nur wenig für den Einsatz des älteren POP. Umso unverständlicher ist es, dass die großen Webhoster bis auf wenige Ausnahmen Imap über lange Zeit konsequent ignoriert haben.


Auf die Größe kommt es an

Imap-Postfächer von Webhostern und Mail-Diensten

Bezüglich der Größenbeschränkung der Mailboxen empfiehlt es sich allemal, das Kleingedruckte zu lesen. So darf beim Webhoster 1&1 jedes Postfach 1 GByte groß sein. Doch wenn ein Webhosting-Paket beispielsweise 150 Postfächer enthält, erhalten Sie keine 150 GByte Mailbox-Speicher. Die Gesamtgröße ist bei 1&1 pro WebhostingPaket auf 25 GByte beschränkt. Selbst bei einem kleineren Unternehmen stößt man hier schnell an seine Grenzen, und ein weiteres Paket ist fällig.

Auf Nachfrage teilte uns 1&1 mit, dass die Begrenzung im wesentlichen Missbrauch verhindern soll. Erfahrungsgemäß nutzen deren Kunden im Schnitt nicht mehr als zehn Postfächer. Kunden haben also die Qual der Wahl, entweder viele Mailboxen mit weniger Speicher zu nutzen oder bei großem Speicherbedarf entsprechend weniger Mailboxen. Leider kann die Maximalgröße einer Imap-Mailbox nicht wie bei Domainfactory festgelegt werden. Selbst bei Business-Anwendungen hält man bei 1&1 das Limit von 25 GByte im Produktiveinsatz für irrelevant.

Einerseits ist diese Geschäftspolitik von 1&1 durchaus nachvollziehbar, denn das zu erwartende Datenvolumen und der Datentransfer sind enorm. Andererseits ist vielleicht die Aufnahme eines speziellen Angebots für Mail-Server eine denkbare Alternative. Denn so würde der Speicherplatz nur noch durch die auf dem Server zur Verfügung stehende Kapazität beschränkt werden und Web- und Mail-Server könnten sauber voneinander getrennt werden. Ein Beispiel ist der Webhoster Domainfactory, der auf Nachfrage dedizierte Mail-Server anbietet.


1&1

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Der Webhoster 1&1 ist ein alter Hase im Geschäft des Massenhostings. Natürlich wurde auch hier der Imap-Zug nicht verpasst. Jedoch steigt man nicht ohne Bedingungen ein, zum Beispiel die Größenbeschränkung, auf die weiter oben schon eingegangen wurde.

Der gut gestaltete und übersichtliche Webmailer II bietet das, was die Mail-Dienstleister vermissen lassen: Unterverzeichnisse. So lassen sich die E-Mails nicht nur einsortieren, sondern zusätzlich themenbezogen in den Verzeichnisbäumen strukturieren. Aber auch hier fehlt die Zugriffsverwaltung, so dass bestimmte Verzeichnisse nicht von mehreren Anwendern genutzt werden können. Der Import der im Webmailer erstellten Verzeichnisstruktur läuft ab wie bei Web.de. Um alle Verzeichnisse sehen zu können, müssen diese erst abonniert werden. Immerhin werden aber die mit Thunderbird eingerichteten Order korrekt übertragen, und auch das Umsortieren der Mails bereitet im Test keine Probleme.

Dafür bietet 1&1 aber bereits ab 0,99 Euro pro Monat ein Domain-Paket mit Imap-Unterstützung an und versieht auch alle Hosting-Pakete mit diesem Feature.


All-inkl

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Im Webmailer von All-inkl.de ist es nicht möglich, Verzeichnisse online zu erstellen oder explizit auf einzelne Ordner eines Imap-Postfachs zuzugreifen. Dafür können aber mit Thunderbird neue Verzeichnisse angelegt und Mails verschoben werden. Trotz der Tatsache, dass die Mail nicht im Posteingang liegt, findet der Webmailer die Nachrichten und ermöglicht auch den Zugriff darauf. Lediglich Unterverzeichnisse können nicht erzeugt werden.


Domainfactory

Imap-Postfächer von Webhostern und Mail-Diensten

Der einzige Webhoster im Test, der einen Unterschied zwischen POP3- und Imap-Postfächern macht, ist Domainfactory. Dies ermöglicht eine saubere Trennung der Anwendung der Postfächer.

So toll dieses Feature im ersten Moment auch klingt: Leider ist die Gesamtgröße aller Postfächer bei einem Virtual-Standard-Server auf 150 MByte beschränkt. Sie können zwar die Maximalgröße der einzelnen Imap-Postfächer festlegen und dies gehört auch zum Imap-Standard, 150 MByte sind aber sogar noch weniger als bei 1&1 und könnten durchaus zum Flaschenhals werden. Vor allem wer die Vorteile von Imap konsequent nutzt und seine Nachrichten auf dem Server belässt, wird mit 150 MByte nicht weit kommen.

Leider macht auch der Webmailer selbst Horde einen eher unübersichtlichen Eindruck und es bedarf einer gewissen Gewöhnungszeit. Dessen ungeachtet glänzt er durch seinen guten Funktionsumfang. Das Erstellen von Verzeichnissen und Unterverzeichnissen ist selbstredend möglich. Die Mittel, um Verzeichnisse freizugeben, fehlen jedoch genauso wie bei jedem anderen Webhoster in diesem Test.

Das Erstellen von Verzeichnissen in Thunderbird ist nur als Unterordner des Posteingangs möglich. Dafür werden aber Unterverzeichnisse ebenfalls erstellt, und auch das Verschieben der E-Mails klappt.
Webhosting-Pakete mit Imap-Support stehen ab der Kategorie My Home L zur Verfügung und starten somit preislich bei 2,99 Euro pro Monat. Mit 25 MByte Speicherplatz lassen sich die Vorteile von Imap damit allerdings nur sehr eingeschränkt nutzen.


GMX

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Eines vorweg: Imap ist bei GMX nur in den kostenpflichtigen Paketen GMX Promail für 2,99 Euro oder GMX Topmail für 4,99 Euro pro Monat verfügbar. Bei GMX Freemail fehlt die Imap-Unterstützung aber nicht komplett, denn Verzeichnisse lassen sich im Administrationsbereich durchaus anlegen die dahinter stehende Technik entspricht den kostenpflichtigen Paketen. Da aber lediglich ein POP3-Zugang zur Verfügung gestellt wir
d, kann auch nur der Ordner »Posteingang« abgerufen werden. Daher ist der Zugriff auf andere Verzeichnisse nur über die GMX-Oberfläche möglich.

Die Oberfläche von GMX gestaltet sich hingegen wie gewohnt übersichtlich. Im Bereich der Ordnerverwaltung können bequem neue Verzeichnisse angelegt werden. Dabei gilt es die einstellbare Vorhaltezeit unbedingt zu beachten. Denn E-Mails, die älter als drei Monate sind, werden in der Standardeinstellung nicht gelöscht und somit in den Papierkorb gelegt, sondern komplett aus dem Postfach entfernt. Die Möglichkeit, verschachtelte Verzeichnisstrukturen anzulegen, fehlt hingegen.

Weniger schmerzhaft ist die fehlende Verwaltung von Zugriffsrechten und Benutzergruppen, da ein Mail-Account bei GMX in der Regel von nur einer Person genutzt werden kann. Dafür stellt GMX im höchsten Tarif bis zu 10 GByte Speicherplatz für die E-Mails und Dateien zur Verfügung diese Datenmenge dürfte in den meisten Fällen ausreichen.


Hosteurope

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Während andere Webhoster häufig auf Eigenentwicklungen für ihre Webmailer setzen, nutzt Hosteurope die Open-Source-Software Squirrelmail. Dies hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Einserseits ist Squirrelmail in Hinblick auf den Support des Imap-Protokolls Spitzenklasse und somit in jedem Fall einen Einsatz wert. Andererseits ist die Oberfläche von Squirrelmail von der Optik und der Bedienung ein wenig holprig und somit als gewöhnungsbedürftig zu bezeichnen.

Hosteurope bietet die Möglichkeit, Verzeichnisse zu erstellen und auch Unterverzeichnisse anzulegen. Außerdem wäre mit Squirrelmail durchaus die Möglichkeit gegeben, freigegebene Verzeichnisse in das eigene Postfach einzubeziehen. Dies scheitert jedoch daran, dass man kein Verzeichnis freigeben beziehungsweise mit Leserechten versehen kann. Bei Zugriff mit einem Client wie Thunderbird werden alle erstellten Verzeichnisse korrekt übernommen und auch die verschachtelten Strukturen berücksichtigt. Mit dem Client erstellte Verzeichnisse werden wiederum im Imap-Postfach eingerichtet, und auch das Verschieben von E-Mails klappt problemlos.

Schon ab dem Paket Minisite M für 0,99 Euro pro Monat gehört Imap zur Feature-Liste, genauso wie Imap/TLS, also die verschlüsselte Imap-Kommunikation. Bei diesem Angebot bekommen Sie 2,5 GByte E-Mail-Speicher mit fünf Adressen.


Web.de

Imap-Postfächer von Webhostern und Mail-Diensten

Anders als GMX bietet Web.de sowohl für den kostenpflichtigen Web.de Club als auch für den kostenlosen Freemail-Account Imap-Unterstützung an. Möchten Sie hier also die Vorteile von Imap nutzen, so brauchen Sie nicht einmal monatlich Geld ausgeben.

Einen Haken gibt es jedoch: Im Freemail-Account ist die Größe des Postfachs auf zwölf MByte begrenzt. Das Club-Postfach besitzt keinerlei Beschränkung. Um Imap also nicht nur zu nutzen, sondern davon auch zu profitieren, empfiehlt sich dann auch in jedem Fall ein Club-Account. Denn zwölf MByte reichen in der Regel gerade einmal für rund 1000 E-Mails solange nicht die eine oder andere Mail mit einem mehreren hundert KByte großen Anhang darunter ist. Jedoch sollte an dieser Stelle auch erwähnt werden, dass Web.de mit seinem kostenlosen Freemail-Postfach eindeutig Privatkunden im Visier hat, für die der Speicherplatz in der Regel problemlos ausreicht.

Selbstverständlich können Sie auch bei Web.de neue Verzeichnisse erstellen und diese sogar sehr komfortabel umbenennen oder löschen. Bei einem Test mit Thunderbird stellte sich jedoch heraus, dass die Verzeichnisse nicht korrekt abgeglichen werden. Unterverzeichnisse, wie sie zum Beispiel standardmäßig im Verzeichnis »Posteingang« bestehen da wären »Freunde & Bekannte« oder »Auktionsarchiv« zu nennen , sind im Client nicht sichtbar. Zumindest das Verzeichnis »Auktionsarchiv« ließ sich durch Abonnieren in Thunderbird sichtbar machen. Dies ist leider bei Web.de nicht voreingestellt. Das Erstellen neuer Verzeichnisse über Thunderbird ist dessen ungeachtet problemlos möglich. Und obwohl Unterverzeichnisse schon von Haus aus existieren, können Sie selbst keine verschachtelten Strukturen erzeugen.

Ebenfalls vereinzelt Probleme zeigen sich, wenn man abwechselnd Mails über einen Mail-Client wie Thunderbird sowie über die Freemail-Oberfläche bearbeitet: Die Oberfläche zeigt so in Einzelfällen falsche Empfangsdaten für Mails an.

Da auch Web.de-Accounts für nur einen Benutzer ausgelegt sind, ist die Zugriffsverwaltung für Verzeichnisse oder Benutzergruppen genauso wenig möglich wie bei GMX.


Fazit

Imap-Postfächer von Webhostern und Mail-Diensten

Erfreulicherweise haben die Webhoster und Mail-Dienste nach langen Jahre des Wartens die Vorteile von Imap entdeckt und springen ebenfalls auf den Zug auf. Jedoch weisen die einzelnen Implementierungen teilweise noch erhebliche Nachteile auf. So ist zum Beispiel ein kaum zu gebrauchender Webmailer mehr als unpraktisch, wenn man des Öfteren unterwegs ist und halbwegs bequem auf seine E-Mails zugreifen will. Und auch bei Speicherplatzangeboten unter einem GByte ist die sinnvolle Nutzung von Imap oft bereits in Frage gestellt.

Bei der Entscheidung für oder gegen einen Anbieter von Imap-Postfächern sollten Sie sich im Vorfeld auf jeden Fall darüber im Klaren sein, wie und wo Sie Ihr Postfach nutzen möchten. Bekommen Sie große Mails oder viele kleine? Denn davon hängt ab, ob Sie viel Speicherplatz benötigen oder die Möglichkeit, Unterverzeichnisse zu erstellen.

Bleibt zu hoffen, dass der Marktdruck sein Übriges tut und die Anbieter sich an Features und Speicherplatz überbieten. Sobald sich der Nutzen von Imap herumgesprochen hat, werden die Anbieter sicher noch an den Angeboten feilen.