Tablet-PC als Desktop-Ersatz
Vielleicht servieren Tablet PCs die beste Lösung

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Freunde des Keyboards mögen protestieren, doch andere würden durchaus ein Gerät begrüßen, das sie auch im Stehen bedienen können, meint Guy Kewney.

Tablet oder Subnotebook

Tablet-PC als Desktop-Ersatz

Anlässlich des 130. Jahrestages seiner Firmengründung lieferte Toshiba einen winzigen Computer aus, der buchstäblich nur halb so groß ist wie ein normales Notebook: den Libretto. Ich hasse es. In Japan ist dieses Kleinformat äußerst erfolgreich, es ist nicht der erste Libretto von Toshiba, der dort gut verkauft wird. Japanern ist das kleine Keyboard also willkommen. Ich kann ihnen nicht erklären, warum, aber ganz bestimmt ist es nicht akzeptabel für mich. Wenn Sie mich fragen, ein Keyboard sollte Keyboardgröße besitzen. Oder Thumbboard Größe, wie beispielsweise bei der Psion 3er Serie.

Am folgenden Tag spielte ich mit dem neuen Motion Sub-Tablet PC herum. Sie werden wahrscheinlich einwenden, dass der Motion im Vergleich weitaus weniger spektakulär ist. Der neue Libretto hat beispielsweise ein High-Definition Display, 1280 x 768 pixel und ist zum Betrachten von Widescreen DVDs geeignet. Und er hat brauchbare Zusätze: ein unten angeklipstes DVD Laufwerk. Im Gegensatz dazu hat der Motion 600 x 800 pixel was fast schon ein Witz ist in einer Welt, die XGA Lösungen als grundlegende Basics betrachtet.


Zu ungeduldig, um handschriftlich übers Papier zu kriechen.

Tablet-PC als Desktop-Ersatz

Die zwei Mini PCs nebeneinandergestellt, ist es keine Frage, für welchen ich mich entscheiden würde. Beide haben das gleiche Format aber völlig verschiedene Benutzerfreundlichkeit. Nun, ich schreibe nicht gerne mit einem Stift. Ich bin ein Keyboard Junkie. Ernsthaft, ich kann kaum in Schreibschrift schreiben. Ich bin ein viel zu ungeduldiger Mensch, um handschriftlich übers Papier zu kriechen, zumal wenn ein Qwerty Keyboard mir zu Diensten sein kann. Damit tippe ich 100 Wörter in der Minute oder sogar mehr, wenn mich ein paar Schreibfehler nicht kümmern.

Noch schlimmer ist: Wenn ich doch mal mit der Hand schreibe, kann ich es nicht lesen. Der Computer kann es auch nicht lesen; meine Experimente mit Stift-Input waren die schlechtesten von allen mir bekannten diesbezüglichen Versuchen. Ein Beispiel: es ist a la olo ioh nie sohreiloen gelernt….., ach, vergessen Sie´s.


Wenn ich den neuen Libretto im Stehen ausprobieren müsste, würde ich alt aussehen.

Tablet-PC als Desktop-Ersatz

Trotzdem, lieber wäre mir der Motion Tablet PC. Zunächst einmal müsste ich nicht auf ein Qwerty Keyboard verzichten. Ich würde mir ein kleines, leichtes Bluetooth Klappkeyboard zulegen. Die Designer des Motion haben einen Weg gefunden, damit man sein Tablet im Stehen ohne Keyboard verwenden kann. Ich jedoch müsste einen Tisch und einen Stuhl finden, das wäre alles, was ich brauche. Wenn ich im Gegensatz dazu den neuen Libretto im Stehen ausprobieren müsste, würde ich alt aussehen. Und im Sitzen ginge es mir damit auch nicht besser.

Wir stehen an der Schwelle zu einem großen Wandel in der PC Welt: Die Zeit ist gekommen, Tablet PCs ernst zu nehmen. Das verlangt von uns, dass wir uns einigen schwierigen Fragen stellen. Die schwierigste von allen ist, ob wir Situationen aktiv vermeiden, in denen wir unsere Computer im Stehen benutzen müssten.


Wollen wir Computer im Stehen benutzen?

Tablet-PC als Desktop-Ersatz

Die Existenz von Pocket PCs und Palm PDAs zeigt uns, dass wir darauf wahrscheinlich mit klarem Ja antworten müssen. Die ersten Palms mit Stift lösten einen Boom aus. Heute wird die Geschichte der Palms negativ interpretiert. Die Verkaufszahlen steigen nicht mehr, und solche, die noch verkauft werden, werden zusammen mit GPS Geräten gebraucht.
Mein Interpretation ist nicht, dass die Leute keine Stifteingabe mögen. Nichtsdestotrotz denke ich, dass die Leute etwas, das kein Telefon ist, nicht mögen. Wir brauchen es, voneinander zu hören und das Telefon macht dies möglich. Wenn wir die Wahl hätten, zwischen einem Spielzeug, egal wie großartig es ist, und etwas, um nach Hause zu telefonieren, würden wir uns für das Telefon entscheiden.

Bis jetzt haben wir nur die Wahl zwischen etwas großem und schweren und etwas im Taschenformat. Doch nimmt man etwas von der Größe beispielsweise des Libretto oder Oqo und macht einen Tablet PC daraus, dann gelten neue Spielregeln. Plötzlich stellt man fest, dass man jetzt ganz normale PC Software verwenden kann. Und man kann den Tablet PC auf dem einen Arm halten während man mit der anderen Hand auf ihm schreiben kann.


Der Tablet ist nicht viel teurer als ein Notebook.

Tablet-PC als Desktop-Ersatz

Noch etwas hat sich verändert: Die Haltung von Microsoft. Das letzte mal, als ich über Tablet PCs geschrieben habe, habe ich Bill Gates für seine Aussage gegeißelt, dass er großer Fan dieses Formats sei, gleichzeitig sich aber selbst Lügen strafte, da er jene, die es benutzen, dadurch abstrafte, dass er dem Tablet OS einen gewaltigen Vorsprung einräumte. Heutzutage ist der Preis der Tablet Edition von XP immer noch höher als das normale XP PC Softwarepaket. Ich denke immer noch, dass das ein schlechter Schachzug ist. Aber wenigstens ist der Unterschied geringer geworden; Einige PC Hersteller sprechen von einem Rahmen von etwa 15 $ (knapp 13 Euro) für die Extras. Das bedeutet, dass man einen Tablet PC für etwa 100 $ mehr bekommt, als man für ein entsprechendes Notebook ausgeben würde.

Also, wer kauft Tablet PCs dann? Zuallererst Schulen. Traditionell haben sie kein großes Budget, aber auch keine besonderen ästhetischen Ansprüche. Zwar sind ganz normale Displays völlig ausreichend, schwere, unförmige Geräte sind auch OK und Akkulaufzeit interessiert nicht, der springende Punkt aber sind die jugendlichen Benutzer. Bei ihnen sammeln die Tablet PCs Punkte. Tippen ist nicht einfach für Grundschüler; sie würden das Schreiben auf einem Tablet viel natürlicher finden. Zudem stellen solche Tablets eine Chance für Legastheniker dar, die sonst auf der Strecke bleiben würden.

Außerdem haben schon einige Leute mit den kleinen Screens auf Pocket PCs gerungen und sie gehasst: Autorettungsdienste, Beschäftigte in Herstellungsbetrieben, Lieferwagenfahrer und so weiter. Für manche von ihnen ist der Power Prozessor eines Pocket PCs ausreichend, anderen jedoch würde ein nur halb so großer Tablet PC wahrscheinlich genügen, um auf Leistungsanwendungen im Außendienst zugreifen zu können. Die Zeit ist gekommen, um das alles noch mal zu überdenken. Ich bin nicht hundertprozentig begeistert von Tablet Computing, aber plötzlich verfolge ich das Thema mit mehr Interesse.