Professionelle Festplattenrettung
Daten aus zerstörten Festplatten holen

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Wenn die Festplatte nur noch Schrott ist, oder wenn Wasser aus dem Gehäuse tropft, dann schlägt die Stunde der professionellen Datenretter.

Das Labor

Professionelle Festplattenrettung

Verschmorte Anschlüsse, gecrashte Leseköpfe, zerquetschte Plattengehäuse das ist der Alltag im Labor von Kroll Ontrack im Tüftlermekka Böblingen (Eigenwerbung Baden-Württemberg: »Wir können alles außer Hochdeutsch«). Monatlich gehen hier rund 1000 Anfragen von Besitzern lebloser Festplatten ein. Die gute Nachricht: Die weitaus meisten Harddisks geben wegen Elektronik- oder Datenfehlern auf. Läuft die Platte noch, ist also nicht mausetot, hilft in der Regel schon die richtige Rettungssoftware. Das Diagnoseprogramm DataAdvisor (kostenlos bei www.ontrack.de) gibt schon erste Hinweise auf die Fehlerquellen, denen man dann mit einem ganzen Arsenal an Tools zu Leibe rücken kann. Funktioniert das nicht, kann Ontrack auf der nächsten Stufe per Internet-Verbindung auf die widerspenstige Platte zugreifen und versuchen, ihr ihre Inhalte wieder zu entlocken.
Erst wenn das alles nichts mehr fruchtet, heißt es Päckchen packen und das gute Stück nach Böblingen schicken. Hier im Zentrallabor mit Reinraumtechnik und einem riesigen Ersatzteillager landen nur die härtesten Fälle: Brandopfer, elektronische Totalausfälle, mechanische Defekte wie zerstörte Lager und gecrashte Leseköpfe.

Info:
Fast 50 Mitarbeiter stellen bei Kroll Ontrack Inhalte auch noch von den kaputtesten Festplatten wieder her.


Verbrannte PCs

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Die besondere Faszination dieses Themas wird erst im Gespräch mit Geschäftsführer Peter Böhrent klar. Denn die Daten krallen sich richtig in die Festplatten, und selbst in schlimmsten Fällen wie Brand- oder Wasserschäden ist es für die Profis meistens kein Problem, wieder an sie heranzukommen. Merke: Festplatten gehen relativ häufig kaputt, doch die auf ihnen gespeicherten Informationen sind echte Überlebenskünstler und nur in äußerst seltenen Extremfällen wirklich unwiederbringlich verloren.
Einfach ist die Rettung aber nicht, und deshalb ist Ontrack auch entsprechend ausgestattet. Die Errichtung des Labors und dessen Ausstattung hat immerhin über eine Million Euro gekostet. Die dort angestellten Spezialisten sind Ingenieure der Elektrotechnik oder der technischen Informatik. Danach werden sie noch in einer zweijährigen Zusatzausbildung in Deutschland und den USA zu Datenrettungsingenieuren weitergebildet.

Bild:
Der Super-GAU: ein Brand im Homeoffice. Hier scheint alles verloren zu sein. Zusätzlich zum eigentlichen Brand wird die ganze Anlage von der Feuerwehr beim Löschvorgang noch unter Wasser gesetzt. Kaum zu glauben, dass Daten dieses Inferno tatsächlich überleben können.


Reparatur

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Sie machen nicht bei Festplatten halt. Daten kann man von allen Speichermedien wieder auslesen. Ob nun Bandlaufwerke oder Flashspeicher, die in Digitalkameras in verschiedener Form zum Einsatz kommen alles ist möglich. Wie es die Böblinger Rettungskünstler aber ganz genau anstellen, bleibt im Dunkeln, denn sie lassen sich nicht gern in die Karten schauen. Speziellen Nachfragen begegnet man mit dem Deckmantel der Betriebsgeheimisse. Auf jeden Fall kommt nach der rein mechanischen Reparatur der Geräte noch eigens entwickelte Software zum Einsatz, die aus den Millionen von Einsen und Nullen wieder lesbare Inhalte erzeugt.

Bild:
Bei diesem Schaden kommt die hohe Kunst der Reanimation zum Einsatz, denn die verschmorte und getauchte Platte muss in ihre Einzelteile zerlegt werden. Ein Techniker baut die Magnetscheiben im Inneren der Festplatte aus, um sie dann Bit für Bit auszulesen.


Der Praxistest

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im Praxistest kann Kroll Ontrack seine Versprechungen voll einlösen: Als Festplattenfehler erzeugten wir einen Kurzschluss beim Einbau in ein externes Gehäuse. Er ging durch die ganze Elektronik und zerstörte selbst den Spindelmotor. Die geopferte Harddisk, eine 100 GByte Western Digital, war bis obenhin mit Bildern, Texten, Filmen und Tabellen gefüllt. Als Nächstes meldeten wir bei Kroll Ontrack, dass wir eine kaputte Festplatte haben, die einfach nicht mehr läuft, füllten die Auftragsformulare aus und schickten sie ein. Nach zwei Tagen meldete sich ein Mitarbeiter aus der Technik und schon kurze Zeit später war im Maileingang eine Textdatei, die eine Liste aller rettbaren Daten enthielt. Gründlich überprüften wir die Auflistung und siehe da alles war komplett. Sogar die versteckten Systemdateien waren zu finden. Wir gaben das O.k. für die Wiederherstellung und wählten als Auslieferungsmedium eine Leihfestplatte.
Nach nur zwei weiteren Tagen stand der Kurier vor der Tür im Gepäck die Leihgabe mitsamt Daten und das kaputte Teil. Die Kosten, die für diesen Vorgang entstanden wären, beliefen sich auf knapp 1000 Euro.


Interview

Professionelle Festplattenrettung

AVDC: Welche Fälle sind so hoffnungslos, dass auch Kroll Ontrack keine Daten mehr retten kann?
Peter Böhret: Immer dann, wenn die magnetische Information auf dem Datenträger physikalisch zerstört wurde, können auch wir nichts mehr tun. Diese Sonderfälle sind aber für den Laien schwer festzustellen. Wir bieten deshalb einen Diagnosedienst an. Dieser enthält nicht nur ein »Ja, es gibt was zu retten« oder »Nein, es geht nicht«. Wir machen eine Liste aller Daten, die wir noch retten können, und übergeben diese an den Auftraggeber. Dann kann er immer noch entscheiden.

AVDC: Wie löscht man eine Festplatte, damit niemand mehr die Daten auslesen kann?
Peter Böhret: Hierzu gibt es zwei Verfahren. Wenn die Festplatte in Ordnung ist, wird jeder Sektor mit einer Spezialsoftware, etwa Data Eraser von Kroll Ontrack, mit einem Bitmuster (1 bis 99 Mal) überschrieben. Ist die Festplatte physikalisch beschädigt, hilft nur noch die magnetische Löschung mit einem großen Elektromagneten. Hier wird dann jede Magnetscheibe einzeln gelöscht.

AVDC: Was sind die häufigsten Schäden bei Festplatten? Sind Tendenzen erkennbar?
Peter Böhret: Ja, gewisse Häufungen sind zu erkennen. Bei den Festplatten in Notebooks sind oft die Lese- und Schreibköpfe defekt, die Firmware im Allgemeinen ist oft beschädigt. Besonders eklatant sind Lagerschäden bei externen USB-Drives. Diese werden, da sie im Dauerbetrieb eingesetzt werden, zu heiß. Hier hat sich die Anzahl dieser Schäden von 2004 auf 2005 mehr als verdoppelt.

AVDC: Gibt es Modelle, die auffällig oft kaputt gehen?
Peter Böhret: Es gibt immer wieder Serien, die für manche Schadensbilder anfälliger sind. Da wir aber sehr eng mit den Festplattenherstellern zusammenarbeiten, geben wir hier keine Details bekannt. Diese Zusammenarbeit hat aber auch Vorteile für den Kunden, denn wenn wir eine Festplatte öffnen und dabei das Garantielabel zwangsläufig zerstören, kleben wir nach getaner Arbeit ein neues Siegel auf. Sollte sich die Platte noch innerhalb der Gewährleistung befinden, wird dies von allen Herstellern akzeptiert und die Platte ausgetauscht.


Interview Teil II

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AVDC: Kommt es vor, dass die Polizei Platten wiederherstellen lässt?
Peter Böhret: Ja, wir arbeiten regelmäßig für die Polizei oder für die Kripo, denn die jeweiligen Dienststellen haben nicht das entsprechende Know-how und keine Reinraumtechnologie. Da die Dienststellen aber meist nicht über die nötigen finanziellen Mittel verfügen, bekommen sie von uns die reinen Rohdaten. Sie setzen sie dann mit der Spezialsoftware wieder zusammen. Sie sind
auf die Ermittlung spezialisiert, wir auf die Datenrettung.

AVDC: Was kostet denn so eine Aktion?
Peter Böhret: Das ist von Fall zu Fall verschieden. Die Art der Beschädigung und das verwendete Betriebssystem sind ausschlaggebend. Am günstigsten in der Wiederherstellung sind ATA- oder Serial-ATA-Platten mit Windows XP (nicht Server), hier kann selbst eine 200-GByte-Platte im günstigen Fall bei 1000 Euro liegen. Bei Mac-Festplatten muss schon mit 2000 Euro gerechnet werden.

AVDC: Was sollte man in keinem Fall bei einem Schadensfall tun?
Peter Böhret: Besonders gefährlich sind Brand- und Wasserschäden. Da die Festplatten heutzutage nicht mehr luftdicht verschlossen sind, nützt es nichts, eine nasse Festplatte zu trocknen, denn es können sich noch Wassertropfen auf der Oberfläche des Platters befinden. Läuft die Platte dann an, schlägt der Lesekopf auf den Tropfen. Dies ist für ihn wie eine Betonwand und er wird zerstört. Das Gleiche gilt für Rußpartikel. Allgemein gilt, dass die Platte auf keinen Fall geöffnet werden darf, hiermit kann man den Schaden nur vergrößern.

Bild: Mit diesen nur Millimeter großen Leseköpfen werden die Daten von den Festplatten ausgelesen. Sie rasen nur Micronen von der Oberfläche entfernt über die Magnetscheiben; dabei lesen und schreiben sie Daten. Fällt die Festplatte auf den Boden, sind sie die Ersten, die kaputt gehen.


Die kuriosesten Fälle

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1. Cooler Trick
Ein Kunde bringt eine Festplatte in einem tropfenden Plastikbeutel zu Kroll Ontrack. Er erzählt, er habe in einem Internet-Forum gelesen, dass eine defekte Festplatte repariert werden könne, indem man sie für einige Stunden bei minus 18 Grad ins Gefrierfach legt.

2. Frühjahrsputz
Ein anderer Kunde hat beim Aufräumen seines Systems genau die Dateiordner gelöscht, die er eigentlich behalten wollte. Am Ende der Putzaktion leerte er noch fein säuberlich den »Papierkorb« und startete dann die Defragmentierung der Festplatte.

3. Vorsicht Kinder!
Verwundert und nicht ohne eine gewisse Beunruhigung blickte der Besitzer eines Notebooks beim Versuch, das System hochzufahren, auf einen Bluescreen. Eine Woche später gab sein Neffe, der zu Besuch gewesen war, kleinlaut zu, dass er das sensible Gerät als Punchingball missbraucht hatte. Er sei frustriert gewesen, weil das System zu langsam war.

4. Absturz im Hochgebirge
Der polnische Forscher Krystof Wielicki ließ seine Kamera fallen bei einer Expedition im Himalaya in etwa 6000 Metern Höhe. Mit den Bruchstücken, einschließlich der beschädigten Speicherkarte, wandte er sich an Kroll Ontrack.

5. Blitz-Attacke
Der Mitarbeiter einer Medizintechnikfirma hatte in mehrtägiger Arbeit 1200 Rechnungseinträge in das System eingegeben. Als plötzlich die Trafostation neben dem Gebäude von einem Blitz getroffen wurde, kam es zum Stromausfall und komplettem Datenverlust.

6. Das Babyvirus
Ein Ehepaar hatte hunderte von Babyfotos der ersten drei Lebensmonate ihres Nachwuchses auf dem PC gespeichert, der von einem Virus heimgesucht wurde. Der Computerhersteller empfahl, das Betriebssystem neu zu installieren. Leider haben die Eltern vergessen, die Daten vorher extern zu sichern.

7. Konstruktionsfehler
Während des Baus eines großen Bürogebäudes wurde das Notebook, auf dem die Konstruktionspläne gespeichert waren, von einem herabfallenden Stahlträger getroffen.

8. Ärger runtergespült
Der Benutzer eines Notebooks war so verärgert über das ständig defekte Gerät, dass er es in die Toilette beförderte und mehrmals die Spülung betätigte. In einem ähnlichen Fall war das Notebook vom Benutzer aus dem Fenster geworfen worden.

9. Road Movie
Filmreif ist auch der Fall einer Frau, die ihr Notebook auf dem Autodach vergessen hatte. Beim Ausparken schlitterte das Gerät vom Autodach auf die Straße und wurde zudem beim Wenden auch noch vom Auto der vergesslichen Dame überrollt.

10. Luftnummer
Ein Kunde suchte Kroll Ontrack auf und behauptete, sein schwer beschädigtes Notebook sei auf der Landebahn von einem Flugzeug überrollt worden. Die Datenretter im Labor rätseln noch heute, wie so etwas passieren konnte.

Bild:
Auch diese so extrem empfindlichen und winzigen Teile können mit der nötigen Übung und dem richtigen Equipment ausgetauscht werden. Ganz wichtig ist aber auch die richtige Umgebung, denn für diesen Drahtseilakt ist das fast staubfreie Reinraumlabor notwendig.