Apple wechselt zu Intel
Macht Chipwechsel Apples Verkaufszahlen madig?

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Obwohl Intel CPUs in Macs prima laufen werden, hat Gordon Laing Bedenken bezüglich des Zeitpunkts der Ankündigung.

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Vergessen Sie Meldungen über die HP Fusion mit Compaq, über Carlys Rücktritt oder über 64bit Prozessor Roadmaps. Die Nachricht, dass Apple tatsächlich die Mac Prozessoren durch Intel Prozessoren ersetzen wird, hat für mehr Kommentare und Spekulationen in Kolumnen gesorgt, als es die meisten anderen IT Nachrichten, an die ich mich erinnern kann, vermocht hatten. Warum auch nicht? Schließlich muss die Umarmung nicht etwa bloßes Händeschütteln von Steve Jobs und Intel Chef Paul Otellini auf dem Podium der jährlichen Apple Entwicklungskonferenz vor den Augen tausender Mac Programmierer fanatische Apple Jünger bis ins Mark erschüttert haben. Fast hätte ich erwartet, dass einer der beiden Firmenoberhäupter oder auch beide mit Giftpfeilen beschossen werden, um diesem unsinnigen Treiben ein Ende zu bereiten.

?Schon hört man das weinerliche Gejammer: Warum nur, Steve??


Schon hört man das weinerliche Gejammer: Warum nur, Steve?

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Der Marktanteil von Macintosh mag gering sein, doch die Begeisterung der Mac Jünger ist unermesslich. Sprechen Sie mit irgendwelchen Mac Enthusiasten und er wird darauf bestehen, dass die Mac Technologie die weitaus Überlegenere der beiden ist, sowohl was das Betriebssystem als auch was die Hardware angeht. Er wird behaupten, dass das OS stark und stabil sei und dabei weitaus eleganter und einfacher zu bedienen als Windows, bei obendrein schnellerer Hardware.

Apples Werbemaschinerie trommelte für diese Gläubigen in Fußnoten, die darauf abzielten zu beweisen, dass ein Mac auf der Basis eines PowerPC Prozessors einem auf Intel Pentium Technologie basierenden PC den Rang abläuft ähem, zumindest bezüglich mancher Aufgaben. Ja, der PowerPC Prozessor war das Herzstück dessen, was in den Augen vieler lautstark bekennender Anhänger den Mac zu etwas Großartigem machte. Und jetzt erfahren sie, dass dieses Herz herausgerissen werden soll, um anschließend durch etwas ersetzt zu werden, was immer für den Feind stand. Schon hört man das weinerliche Gejammer: Warum nur, Steve?

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Mac Jünger müssen sich keine Sorgen machen.

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Jobs hat bloßgelegt, was alle stillschweigend unter den Tisch hatten fallen lassen: Der PowerPC Prozessor war weit ins Hintertreffen geraten. Zwei Jahre zuvor versprach Jobs persönlich, mit einem 3 GHz Mac Desktop herauszukommen, ein Produkt, das bis heute auf seine Verwirklichung wartet. Noch ausschlaggebender, wo bleibt ein G5 Powerbook, das mit den aktuellen Centrino Laptops konkurrieren kann? Weiter führt Jobs aus, dass Apple großartige Produkte visioniert, aber nicht weiß, wie man diese Produkte mit der derzeitigen PowerPC Roadmap verwirklichen soll.

Durch den Wechsel zu Intel muss sich Apple nun an eine Firma ankuscheln, die sich Desktop- und Mobilprozessoren verschrieben hat, statt im Schlepptau einer zu sein, die sich vom Glamour und von den Gewinnmargen auf dem Gebiet der Chips für Spielkonsolen vom Kurs hat ablenken lassen. Der Aspekt der Mobilität ist ausschlaggebend für Apple, mehr als die Hälfte aller verkauften Macs sind Laptops und Intel ist momentan Marktführer in der Mobiltechnologie.


Tatsächlich unterscheidet sich das Innenleben eines modernen Mac Computers nicht wesentlich von dem eines PCs

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Doch die Prediger brauchen sich keine Sorgen zu machen: Der Mac wird nicht mehr von seiner Individualität einbüßen, als beim Wechsel von SCSI Laufwerken und proprietären Schnittstellen zu ATA Laufwerken, USB, PCI und AGP Technologien. Tatsächlich unterscheidet sich mal abgesehen vom PowerPC Prozessor und seiner Chipzusammenstellung das Innenleben eines modernen Macs nicht wesentlich von dem eines PCs.

Was den Mac zu etwas Besonderem macht, ist sein Betriebssystem und die Tatsache, dass es haargenau auf die Hardware abgestimmt ist, auf der es laufen soll. Das wird sich durch den Wechsel zu Intel Prozessoren nicht ändern. Also sind das doch rundum gute Nachrichten, oder? Die Desktop Macs der Zukunft sollten schneller werden und Powerbooks werden sich über eine mobile Plattform im Weltklasseformat freuen dürfen. Alles, was man jetzt noch tun muss, ist, auf den Herbst 2006 zu warten, wo die ersten dieser Modelle auf den Markt kommen sollen. Problematisch ist nur, was macht man in der Zwischenzeit? Wofür würden Sie sich entscheiden? Für ein altes Modell oder für warten?


Menschen sind naturgemäß vorsichtig, wenn es darum geht heute in etwas zu investieren, was vielleicht morgen schon durch ein technisch weit überlegenes Produkt ersetzt wird.

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Apple mag geltend machen, dass der Übergang zur Intel Technologie nicht vor Ende des Jahres 2007 abgeschlossen sein wird und dass sie bis dahin noch einige großartige PowerPC Produkte herausbringen werden, doch würden Sie sich entscheiden für eine Plattform, die dazu bestimmt ist, ausgetauscht zu werden? Während solcher Übergangsperioden wird immer die Forderung laut, die alte Produktlinie weiter zu unterstützen. Apple verfüge zudem über Entwicklungswerkzeuge, die sich mühelos sowohl an PowerPCs als auch an Intel Macs anpassten. Doch Menschen sind naturgemäß vorsichtig, wenn es darum geht heute in etwas zu investieren, was vielleicht morgen schon durch ein technisch weit überlegenes Produkt ersetzt wird.

Aus diesem Grund sprechen Beobachter von einem Phänomen, das ?Osborne Effekt? genannt wird. Damals, im Jahr 1981, brachte Adam Osborne den ersten transportablen Computer auf den Markt, den Osborne 1. Er mag an die 12 Kilogramm gewogen haben, doch er demonstrierte bis dahin beispiellose Beweglichkeit. Osborne rechnete damit, dass er etwa 10 000 dieser Computer verkaufen könnte, doch bald schon korrigierte er diese Zahl monatlich.


Apples Wechsel zu Intel Prozessoren war die richtige Entscheidung, war es aber klug, damit ein Jahr vorher schon herauszuplatzen?

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Bald darauf jedoch gelangten Berichte über eine Weiterentwicklung des Modells an die Öffentlichkeit, lange bevor es überhaupt erhältlich war. Die Händler, in freudiger Erwartung, stoppten den Ankauf des alten Osborne Modells und der daraus resultierende unverkaufte Lagerbestand trug zum Bankrott der Firma bei. Apples Wechsel zu Intel Prozessoren war die richtige Entscheidung, war es aber klug, damit ein Jahr vorher schon herauszuplatzen?

Eines steht fest: Mac Computer werden wunderbar mit den Intel Prozessoren laufen. Jobs offenbarte, dass jede Ausgabe von OSX sogar mit beiden Plattformen, PowerPC und Intel, kompatibel gemacht wurde, als Teil eines ?Nur für den Fall?-Szenarios ein Programm, das im Stillen seit fünf Jahren schon bei Apple läuft. In der Tat war seine Bühnenpräsentation Überzeugungsarbeit dafür, einen Mac zu benutzen, der mit einem 3.6 GHz Pentium 4 Prozessor läuft.

Schlussendlich, mal abgesehen von ein paar stimmgewaltigen Enthusiasten, wen schert es, welcher Prozessor in einem Mac steckt? Entscheidend ist, dass das OSX Betriebssystem reibungslos läuft auf schnellen Desktops und Laptops mit langer Akkulaufzeit. Und eben die soll Intel beisteuern.

Der Wechsel von PowerPC zu Intel ist eine großartige Nachricht für die Mac Gemeinde. Die entscheidende Frage, die auf Apple zukommt, ist aber, wie sich das alles auf die Verkaufszahlen auswirken wird, in dem einen Jahr vor Auslieferung der ersten neuen Modelle. Würde mich nicht wundern, wenn dieses Datum noch einmal korrigiert würde und die ersten Intel Macs gerade rechtzeitig zu Weihnachten herauskämen.