IT-Markt im Würgegriff
Microsoft: Und morgen die ganze Welt

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Microsoft ist überall – und wagt sich noch tiefer in den Software-Bereich für verschiedenste Anwendungen, in die Services und in das Hardware-Geschäft. Sollte uns das “Überall” des Softwarekrösus Sorgen machen?

Microsoft in allen Lebensbereichen?

IT-Markt im Würgegriff

Heute Morgen sprach im Radio ein Talkmaster von einem Mann, der “so reich wie Bill Gates” wäre. Im Zug von Greenwich benutzten mehrere Leute ihre Laptops – alle mit einem kleinen Windows Zeichen auf dem Gehäuse. Eine Frau kritzelte auf einen Dell Axim PDA – auch mit Windows-Logo. Als ich dann mein Büro erreichte, habe ich mich in ein Netzwerk voller Zugangsrechte für Windows Server eingeloggt und Microsoft Word aufgerufen. Danach habe ich mehrere Nachrichtenquellen durchgeschaut, und darunter war auch eine Geschichte über MSN… alles Microsoft oder was?

Das Ausmaß von Interaktion mit Microsoft in vielen Lebensbereichen ist nicht untypisch und lässt viele vermuten, dass der Große Grüne Riese etwas übermächtig wird. Auf die übliche subtile Art und Weise ließ Steve Ballmer von Microsoft neulich auf einer Konferenz verlauten, dass das Unternehmen tiefere Vorstöße in verschiedene Softwarebereiche beabsichtige, zum Beispiel Business Intelligence, Dokumentenmanagement, Sicherheit und Managed Services.

Dies könnte sehr wohl Wut unter den Regulierungsbehörden der EU, des FTC und SEC sowie den sonstigen gegen Microsoft gerichteten Kräften entfachen. Ich habe ja ein heiteres Gemüt – obwohl nun nicht gerade, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass Microsoft das Potential hat, eine noch stärkere IT-Macht zu werden. Jeder, der der Firma abspricht, in diesen Bereichen eine gewichtige Rolle spielen zu können, kennt ihre Geschichte nicht.

Loser-Applikationen übernehmen den Markt – hier die Beispiele
Vor gar nicht allzu langer Zeit – 1990 – gab es Leute, die dachten, dass Microsoft von IBM’s OS/2 im Bereich der Desktop-Betriebssysteme zerquetscht würde.

Als Windows 3.0 zu einer Standard-PC-Beigabe wurde, gab es einen Aufschrei, dass der Desktop zu einem Gebrauchsgut für den Konsumenten geworden sei aber Microsoft niemals den Server in den Griff bekommen würde. Dann fegte NT NetWare ins Reich des Vergessens.

Obwohl Microsoft seine Aufholjagden von ungünstigen Startpositionen aus veranstaltete, hat die Firma auch WordPerfect, dBase, 1-2-3 und Harvard Graphics bei den Büro-Anwendungen auf die Plätze verwiesen. Exchange war ein Nichts als Lotus Notes boomte, aber es hat aufgeholt. SQL Server sind weiter auf stark auf dem Vormarsch. Andere Produkte sind “Schläfer”, bei denen man aber anfängt, sie sehr ernst zu nehmen: Operations Manager, BizTalk Server und Content Management Server.


Von der schlechten Startposition in die Führungsrolle

IT-Markt im Würgegriff

Sogar außerhalb des geschäftlichen Bereichs liegt Microsoft gegenüber den Spezialisten gut im Rennen und bei den Spielen kommt die Xbox mächtig in Schwung. Im Hardwarebereich hat sich Microsoft eine Nische von wachsendem Wert geschaffen, wobei sie Stück für Stück ein riesiges Geschäftsfeld mit PC-Mäusen auf der Basis des Microsoft Produktbündels aufgebaut haben und jetzt noch einen hübschen Marktanteil bei den Tastaturen erworben hat. Fast unbemerkt bietet Microsoft drahtlose Base Stations und Adapterkarten an, ebenso wie Media Stations für das Fernsehen und den Internet Zugang.

Kann man sagen, dass der Fortschritt von Microsoft häufig von einem schlechten Start gekennzeichnet ist? Word war am Anfang ziemlich scheußlich und dies traf auch auf den SQL Server, Windows selbst und Windows Mobile in seinen frühen Formen zu. Was die Firma auszeichnet, ist die Fähigkeit, Fehler zuzugeben, Altlasten über Bord zu werfen und weiter zu machen. MSN war ursprünglich als proprietäres Netzwerk konzipiert, aber Microsoft war bereit, sehr viel für Forschung und Entwicklung auszugeben, als das Unternehmen feststellte, dass das Web die Richtung war, die eingeschlagen werden musste.

Es ist zu einer richtigen IT-Weisheit geworden, dass – gibt man Microsoft drei Versuche – die Firma die meisten Märkte knacken kann. Ausnahmen wie Intuit bei der Software für Finanz- Management haben aufgrund ihrer Seltenheit Berühmtheit erlangt. Und, wie man bei Visios Diagramm-Tools sehen kann: Wo Microsoft nicht vertreten ist, können sie sich den Markt kaufen.


Und jetzt noch der Business-Bereich?

IT-Markt im Würgegriff

Bei den Dienstleistungen ist ihnen durch “Avanade” schon ein beträchtliches Interesse sicher. Bei ERP hat sich das Unternehmen Glaubwürdigkeit auf dem mittelständischen Markt erworben und schon mal in den Bereichen rund um SAP herumgeschnüffelt. Microsofts BI- und Workflow-Tools werden sogar in Produkte eingebaut.

Aber wir brauchen keine Angst zu haben. Die Technologie verändert sich so schnell, dass kaum Aussichten bestehen, dass Microsoft jemals die Welt ganz erobern wird. Sobald das Unternehmen einen Markt für sich gewinnt, tut sich ein anderer auf – etwa beim ID-Management, der Authentifizierung, den Sensor Networks, den denkenden Kleidungsstücken (“wearable computing”) und in Tausenden anderer Bereiche. Microsoft will das zwar alles haben – aber das bedeutet nicht, dass es das auch bekommt.