Suchmaschinen-Konkurrenz
Google-Monopol unter Druck

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Mit 80 Prozent Marktanteil dominiert Google den Suchmaschinen-Markt. Was das für eine gefährliche Abhängigkeit ist, merkt man erst, wenn der Online-Dienst einmal ausfällt.

Google dominiert

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Google ist überall: im Duden (»googeln«), als Geldmaschine an der Börse und im Internet sowieso. Mehr als 80 Prozent aller deutschen Suchanfragen laufen über die kalifornische Suchmaschine, wie zum Beispiel aktuelle Statistiken von Webhits.de belegen. Google ruht sich auf solchen Zahlen nicht aus, es findet neuerdings auch Produkte aus Katalogen, Textstellen aus Büchern und Definitionen aus Lexika. Man wächst und gedeiht, belegt Rang 904 auf der Forbes-Liste der weltgrößten Firmen. Die Gründer Larry Page und Sergey Brin begnügen sich in diesem Jahr mit 1 Dollar Gehalt, Milliardäre sind sie ohnehin längst.
So viel Erfolg macht misstrauisch. »In einer Dominanz, wie Google sie derzeit hat, liegt eine große Gefahr für den freien Informationszugang«, schreiben Grietje Bettin und Silke Stokar in ihrer Broschüre »Suchmaschinen Das Tor zum Netz« (www.gruene-fraktion.de/cms/publikationen/dokbin/63/63265.pdf). Bei Google und anderen kommerziellen Seitenfindern sei kaum zu durchschauen, wie die Reihenfolge der Ergebnisse zustande komme, monieren die beiden Grünen-Politiker. Die Nutzer verlassen sich dennoch auf die Rangfolge: »Ergebnisse, die es nicht unter die ersten zwanzig schaffen, existieren für den Großteil der Nutzerinnen und Nutzer nicht.«


Alternativen gesucht

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Wolfgang Sander-Beuermann, Projektleiter des Suchmaschinenlabors an der Universität Hannover, stimmt den beiden zu. »Der Quasi-Monopolist bestimmt, welche Informationen verfügbar gemacht werden und in welcher Reihenfolge und damit Bewertung die Ergebnisse einer Recherche angezeigt werden. Gerade Letzteres ist von außerordentlich hohem kommerziellen Interesse.« Sander-Beuermann sucht beständig nach Alternativen zum Google-Monopol in seiner zweiten Funktion als Geschäftsführer des Suchmaschinen-Fördervereins SuMa-eV (www.suma-ev.de), dem unter anderem Wissenschaftler wie der MP3-Erfinder Karlheinz Brandenburg angehören. »Unser Ziel ist der Aufbau einer dezentralen und kooperativen Suchmaschinenstruktur in Deutschland«, sagt Sander-Beuermann. Diese müsse allein 300 Millionen deutsche Webseiten erfassen, von denen Google bislang nur 60 bis 70 Prozent berücksichtige. Grundlagen für freie Suchmaschinen könnten beispielsweise die Open-Source-Projekte Nutch (www.nutch.org) und Aspseek (www.aspseek.org) sein.


Problem Datenschutz

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Kritik muss sich Google auch wegen seines laxen Umgangs mit dem Thema Datenschutz gefallen lassen. Der kostenlose Mail-Service Gmail durchsucht E-Mails automatisch auf werberelevante Begriffe Datenschützer sehen darin einen Verstoß gegen das deutsche Fernmeldegeheimnis. In den USA wurde Google vor zwei Jahren für den Big Brother Award nominiert, unter anderem deshalb, weil die Cookies bis ins Jahr 2038 gespeichert bleiben und Google Benutzerdaten sammelt zum Beispiel IP-Adresse, Suchbegriffe, Suchdatum und Browserkonfiguration. Der Trend geht zur personalisierten Suche mit Bezug zu Vorlieben und zum Wohnort des Benutzers. Je individueller eine Anfrage ausfällt, desto mehr Geld lässt sich mit darauf zugeschnittenen Werbeanzeigen verdienen. Grietje Bettin und Silke Stokar fordern deshalb die Betreiber von Suchmaschinen auf, exakt offen zu legen, wie sie die Benutzerdaten nutzen und drohen mit gesetzgeberischen Maßnahmen: »Es kann auch darüber nachgedacht werden, in Anlehnung an Paragraph 6 des Teledienste-Gesetzes klare Regulierungen zu Pflichtangaben bei Suchmaschinen zu entwickeln.«


Google vor Gericht

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Reichlich Ärger hatte Google in diesem Jahr bereits mit der Justiz. In den USA verklagten mehrere Werbekunden die Suchmaschine und andere Internet-Unternehmen auf Schadensersatz. Angeblich hatten die Anbieter überhöhte Anzeigenpreise verlangt, obwohl sie von manipulierten Klickraten wussten. Auch die französische Agence France-Presse (AFP) zerrte Google im März vor den Kadi. Das News-Portal soll ohne Genehmigung Texte und Bilder der Nachrichtenagentur veröffentlicht haben. Das verklagte Unternehmen kündigte an, die Meldungen zu entfernen.

Markenpiraterie
Kurz zuvor musste Google bereits eine Niederlage vor dem Berufungsgericht von Versailles hinnehmen: Das Unternehmen wurde wegen Markenpiraterie verurteilt, weil eine Suche nach diversen geschützten Begriffen nicht nur die Website des Markeninhabers aufstöberte, sondern auch gleich passende Werbebanner der Konkurrenz.
Ein rauer Wind weht Google generell aus Frankreich entgegen, was auch am französischen Unbehagen über die als dominant empfundene US-Kultur liegen mag. Die Suchmaschine plant, im Laufe der nächsten zehn Jahre 15 Millionen Bücher aus englischen und US-amerikanischen Bibliotheken zu digitalisieren. Eine Horrorvorstellung für die patriotischen Franzosen: Während die Internet-Recherchen an Universitäten dadurch stark zunehmen dürften, würden dennoch kaum französische Bücher gefunden. Jacques Chirac will dem Problem auf EU-Ebene begegnen und die Einrichtung einer europäischen Netzbibliothek forcieren.


Die Konkurrenz

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So ärgerlich politische und juristische Rückschläge für Google auch sein mögen ernsthafte Gefahr droht dem Unternehmen vorrangig durch die Konkurrenz in Gestalt von Yahoo und Microsoft. Yahoo verleibte sich in den letzten Jahren Suchspezialisten wie Overture und Inktomi ein, um schließlich im Februar 2004 dem langjährigen Partner Google zu kündigen. Seither nutzt Yahoo eigene Suchtechnologien, die sich qualitativ durchaus mit Google messen können. Deutlich gefährlicher dürfte indes der Monopol-Experte Microsoft werden. Seit Februar arbeitet die MSN-Suche mit eigenen Suchrobotern. Wie Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, etwa der Browserkrieg mit Netscape, dürfte Microsoft versuchen, seine Suchtechnologie eng mit der nächsten Windows-Version Longhorn zu verzahnen. Nicht zufällig hat nach Yahoo und Google nun auch Microsoft eine Desktop-Version seiner MSN-Suche vorgestellt: Ein neuer Massenmarkt wartet auf seine Eroberung.


Staatliche Zensur

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Durch überlegene Technologie und neue Funktionen hält Google die Konkurrenten bislang in Schach. Jedoch wird immer mehr auch Kritik an der Qualität der Ergebnisse laut. Mithilfe so genannter Linkfarmen schaffen es zwielichtige Anbieter auf Spitzenplätze in den Ergebnislisten. Unzählige Seiten verlinken auf das Hauptangebot nicht selten eine Dialer-verseuchte Seite.
In Deutschland hat sich Google durch diverse Zensurmaßnahmen Kritik zugezogen. Schon im Jahr 2002 nahm die Suchmaschine rund hundert Seiten aus ihrem Index. Das Unternehmen versicherte damals, dass es sich um Einzelfälle handele, insbesondere um Seiten, die nationale Gesetze verletzten. Die Zensur werde nicht präventiv durchgeführt, man reagiere nur auf Anregungen einzelner Benutzer oder staatlicher Stellen.

Grietje Bettin und Silke Stokar (Bild), beide Bundestagsabgeordnete der Grünen, sehen eine Gefahr für den freien Informationszugang im Google-Monopol ~Suchmaschinen sind das Tor zum WWW.


Google zensiert

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Damit ist jetzt Schluss: Im Februar beschlossen Google und andere Suchmaschinengrößen wie AOL, Lycos, MSN und T-Online die Gründung einer freiwilligen Selbstzensur unter dem Dach der FSM (Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Anbi
eter, www.fsm.de). »Ziel der FSM-Suchmaschinen ist die Verbesserung des Verbraucherschutzes sowie des Kinder- und Jugendschutzes im Internet«, heißt es in der zugehörigen Pressemeldung. Die Folgen dürften vor allem Betreibern von Erotik- und Pornoseiten schlaflose Nachte bereiten: Setzt die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) eine Internet-Seite auf den Index jugendgefährdender Medien, wird sie in den Ergebnislisten nicht mehr angezeigt. Wer weiterhin unzensiert suchen möchte, nutzt entweder alternative kleine Suchmaschinen oder die internationalen Varianten der Branchengrößen, die weiterhin alle Seiten ausspucken. Bei Google muss der Anwender dazu an die Adresse www.google.com das Kürzel /ncr anhängen, um die Weiterleitung auf die deutsche Seite zu umgehen.

Bild: Apple-Boss Steve Jobs als Vorbild: Die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin begnügen sich in diesem Jahr mit 1 Dollar Gehalt. Milliardäre sind sie dank Google sowieso.


Fazit & Links

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Anders als das Microsoft-Monopol bei Office-Paketen oder Betriebssystemen steht das »Googlepol« auf tönernen Füßen. Nichts fällt dem Surfer leichter, als von jetzt auf heute eine andere Suchmaschine zu nutzen. Ungleich mehr Aufwand erfordert etwa der Umstieg von Windows auf Linux. Google muss also in weitaus höherem Maße als Microsoft Leistung erbringen, um sich am Markt zu behaupten zumindest solange sich seine Technologie noch nicht als Standard für Suchvorgänge auf elektronischen Medien aller Art durchgesetzt hat. Bislang ist Google aber eher selbst in Gefahr, als dass es eine Gefahr darstellen würde.

Weblinks
Die folgenden Websites informieren über search-engines und listen Alternativen zu Google auf:

www.at-web.de ist Suchmaschinenverzeichnis und zugleich ein Diskussionsforum für alles, was im weitesten Sinne mit Suchmaschinen zu tun hat.

www.sucharchiv.com listet knapp 5000 Suchmaschinen, Archive und Portale.

www.suchfibel.de gibt Tipps zur effizienten Suche und führt zahlreiche deutsche und internationale Suchmaschinen auf.

www.suchlexikon.de führt ein ausführliches Verzeichnis allgemeiner und fachspezifischer Suchmaschinen.

www.ub.uni-konstanz.de/dt-suchm.htm verzeichnet deutschsprachige Suchmaschinen, zusammengestellt von der Bibliothek der Uni Konstanz.

Oft ist es übrigens klüger, gar keine allgemeine Engine zu bemühen. Wer zum Beispiel etwas aus Bibliotheken oder bestimmten Branchen sucht, ist mit entsprechenden Spezialverzeichnissen besser bedient.