Behindert das Gesetz Spyware-Beseitigung?
Nur ein sicheres Betriebssystem kann Adware wirklich bezwingen

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Viele User möchten, dass ihre Anti-Spyware-Systeme auch Adware stoppen, aber die Gesetzeslage ist hier sehr problematisch – oder besser gesagt: nicht existent. Dürfen fremde Programme “einfach so” gelöscht werden?

Behindert das Gesetz Spyware-Beseitigung?

Im Juni zirkulierte ein bizarres Gerücht im Web. Es hieß, dass Microsoft Verhandlungen zur Übernahme von Claria führe, der Adware-Firma, die früher als Gator bekannt war (wir berichteten).

Warum bizarr? Die Software von Gator wird allgemein verabscheut. User installieren sie, ohne es zu bemerken, meist als Teil eines anderen Software-Downloads, und dann landen sie in der PC-Hölle, wo sie mit Pop-Ups, Pop-Unders und anzeigenüberladenen Suchseiten bombardiert werden.

Sucht man in Google nach “Gator entfernen”, wird man mit mehr als einer Viertelmillion Hits belohnt. Sollte Microsoft Claria wirklich übernehmen, wäre das eine PR-Katastrophe. Das hat Microsoft wohl erkannt und die Gespräche abgebrochen. Es wäre aber auch eine kuriose Kurskorrektur, wenn das Anti-Spyware-Tool von Microsoft zufällig Claria-Produkte entdeckte und entfernte – obwohl man die Firma übernehmen wollte.


Kurskorrektur beim Spyware-Entfernen – zu Lasten der User

Behindert das Gesetz Spyware-Beseitigung?

Zumindest löschte das Microsoft-Tool mal die Claria-Produkte, und hier beginnt die wirkliche Story: Microsoft hat kürzlich sein Anti-Spyware-Tool geändert. Die Software von Claria wird weiterhin entdeckt, aber nicht mehr standardmäßig in die Quarantäne verbannt. Satt dessen wird dem User empfohlen, nichts zu tun. Das gleiche Downgrade wurde für mehrere andere Produkte vorgenommen, die allgemein als Spyware gelten. Der offensichtliche Schluss ist, dass Microsoft den Schutz seiner Kunden vor Spyware nicht mehr ernst nimmt.

Dieser offensichtliche Schluss ist falsch. Das wahre Problem liegt darin, dass Anti-Spyware-Produkte rechtlich problematisch sind. Ein Virus ist ein Virus, aber bei Spyware ist das nicht so einfach. Claria beschwert sich auf seiner Website über “fehlerhafte Anti-Spyware-Programme, die sich nicht um die grundlegenden Prinzipien der Transparenz und des Kundeneinverständnisses scheren”. Das ist für Spyware-Opfer nicht angenehm, aber es könnte vor Gericht ein Argument sein.


“Behavioural marketing” – Spyware forscht Konsumgewohnheiten aus

Behindert das Gesetz Spyware-Beseitigung?

Die Spezialität von Claria ist etwas, das die Firma “verhaltensgesteuertes Marketing” nennt. Es wird registriert, welche Sites ein User benutzt, und er bekommt Werbung zugesandt, die seinen Interessen entspricht.

Die Meinungen darüber, ob das wünschenswert ist oder nicht, gehen wegen der Datenschutzimplikationen weit auseinander, aber es handelt sich um die natürliche Evolution von etwas wie den Kontextanzeigen bei Google. Man mag es mögen oder hassen, aber Claria bietet einen Service an.

Es ist schwer zu begründen, wie Microsoft oder irgendein anderer Anbieter Software entwickeln könnten, die vorsätzlich die Produkte einer anderen Firma deaktiviert, solange es keine rechtliche Grundlage dafür gibt. Und die existiert nicht. Es ist leider nahezu unmöglich, eine Gesetzgebung zu skizzieren, die die Exzesse von Adware und Spyware in die Grenzen weist, ohne gleichzeitig der normalen Computer-Nutzug in die Quere zu geraten.

Es ist die traurige Wahrheit, dass Anti-Spyware-Programme nicht ausreichen, um die User zu schützen. Eine Antwort besteht darin nachzudenken, bevor man klickt, aber niemand hat es verdient, dass sein Computer verwüstet wird oder persönliche Informationen versendet werden, nur weil man in einer irreführenden Dialogbox falsch geklickt hat.


Spyware einfach löschen? Rechtlich und technisch bedenklich

Behindert das Gesetz Spyware-Beseitigung?

Die realistischere Lösung ist ein sicheres Betriebssystem. Ich werde auf Microsoft nicht wegen seiner Anti-Spyware einprügeln, die trotz der oben genannten Probleme bei der Überwachung von Systemveränderungen und der Information der User mit Warnungs-Dialogboxen eine gute Arbeit leistet. Die aktuelle Version ist für Privatnutzer, aber eine Business-Version mit Verwaltungsfunktionen wird bald folgen.

Ich werde Microsoft aber um die Ohren hauen, dass Windows XP ein Betriebssystem ist, das geradezu darauf besteht, dass man lokale Systemverwalter-Rechte hat, so dass Spyware freies Feld hat.

Bei seiner Tech-Ed-Konferenz hat Microsoft diesen Monat erklärt, wie Longhorn oder “Vista” – die nächste Version von Windows – alles wieder in Ordnung bringt, indem es sowohl für User als auch Anwendungen das Konzept des niedrigsten Rechtes anwendet.

Beim nächsten Mal wird alles besser – oder?
Vielleicht klappt das ja, aber im Moment zahlen die Anwender einen hohen Preis für die Fehler, die damals 2001 gemacht wurden, als Microsoft Windows XP auf den Markt brachte.

Große Diskussion auf IT Frontal:
Wird am Ende alles besser mit Longhorn alias Windows Vista? Können Gesetze das Löschen von Spyware unterstützen oder führt dies zu Software-Chaos?

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