Kapital und Know-how auf Rundreise
Teufelskreis oder Glücksrad?

IT-ManagementIT-ProjekteJobsKarriereNetzwerk-ManagementNetzwerkeOutsourcing

“Money makes the world go round”: Ein Songtext, der zum Klischee wurde, passt zunehmend zur heutigen Situation der globalen IT-Industrie. Ein Blick der britischen Zeitschrift Computing auf die Globalisierung in der IT konterkariert die Sorgen der Globalisierungsgegner.

Kapital und Know-how auf Rundreise

In derselben Woche, als Barclays und British Gas ihre Pläne bekannt gaben, mehrere hundert Arbeitsplätze nach Indien zu migirieren, war offiziellen Zahlen zu entnehmen, dass Großbritanniens IT-Branche mehr Investoren aus dem Ausland anzieht als jede andere Industrie. Einige der ausländischen Firmen, die in Großbritannien Geld investieren – und damit Jobs schaffen -, sind indische Firmen. Damit schließt sich der Geldkreislauf wieder. Andere Länder sind noch nicht so weit, doch Inder investieren auch in Deutschland oder Dänemark.

IT-Fähigkeiten: Konstant bleibt nur die Veränderung
Wie wäre es mit noch einem Klischee? Es heißt: Das Einzige, was konstant bleibt, ist die Veränderung. Mit Sicherheit weiß jeder, der etwas mit der IT zu tun hat, dass dies stimmt. Doch was sich immer mehr ändert, ist die Veränderung selbst. IT-Experten haben sich inzwischen daran gewöhnt, was das Outsourcing für sie bedeutet: dass sie früher oder später, statt nur für die Nutzer eines Unternehmens irgendeiner Branche Service zu leisten, plötzlich nur noch für einen IT-Anbieter arbeiten.

Einige Outsourcer haben es außerdem noch mit einer ganz neuen Art von Konkurrenten zu tun: Beteiligungsunternehmen, im Finanzsektor auch als “private equity” bekannt, in schlimmeren Fällen als “Hedgefonds” (genannt “die Heuschrecken”) unterwegs. Diese wollen in eine IT-Organisation investieren, um sie dann profitabel zu machen und später eventuell wieder zu veräußern – oder eine gute Rendite zu liefern. So sieht sich dann plötzlich manch ein IT-Profi als Angestellter einer Finanzgesellschaft.

IT-Job fürs Leben? Pustekuchen!
Und noch ein letztes Klischee: Einen “Job fürs Leben”. Den gibt es nicht mehr. Eine Generation von Arbeitnehmern hat akzeptiert, dass Karrieren heutzutage einen Wechsel von einer Firma zur anderen implizieren – entweder auf eigenen Wunsch, oder weil sie entlassen werden, oder wiederum im Zuge eines Outsourcings “gehen” – während sich an ihrer Qualifikation nichts ändert. In Zukunft wird es allerdings nicht mehr ausreichen, wenn Fachkenntnisse sich auf nur einen Arbeitsbereich beschränken, da heute immer mehr Jobs mit bestimmten Qualifikationen ins Ausland ausgelagert werden – wo man oft für weniger Geld eine bessere Qualität bekommt. Der IT-Manager der nächsten Generation wird sich damit abfinden müssen, dass sich das Konzept des Fachmanns mit Spezialwissen, der er ein Leben lang bleibt, überlebt hat und er vielmehr seine Kompetenzen ständig erweitern muss, um mit der Nachfrage nach hochqualifizierten lokal verfügbaren Arbeitskräften Schritt halten zu können.

Reichtum oder Wissen – alles geht einmal um die Welt
Die Jobs von Barclays and British Gas gehen also ins Ausland, schaffen dort Reichtum, der wiederum in Großbritannien investiert wird, wo neue Jobs mit neuen Qualifikationen entstehen – bis diese dann ihrerseits “auf die Reise gehen?. Dieser Kreislauf ist teuflisch und tröstlich zugleich – und muss nun einmal gemeistert werden. Den gleichen Kreisel sehen wir in Deutschland – nur noch ein bisschen langsamer, und mehr auf China als auf Indien bezogen. Damit sind die Deutschen den Amerikanern übrigens ähnlicher als sie es selbst zugeben wollen – denn die Chinesen investieren in beiden Ländern ganz ordentlich.

Der weltweite Kreislauf wird unter anderem dafür sorgen, dass die Arbeit in der IT-Branche nie zum Klischee wird – höchstens eine Herausforderung.