Computertechnik in Autos
Bluetooth steuert auf Ärger zu

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Die Probleme von Bluetooth-fähigen Autos belegen, weshalb Interoperabilitäts-Prüfungen von essentieller Bedeutung sind. Wie bei WLANs passt auch bei Bluetooth-Systemen nicht immer alles zusammen.

Computertechnik in Autos

In dem Artikel “Vom Schreibtisch zum Armaturenbrett” geht es um das Thema IT und Automobile, beides Themen, die mir sehr am Herzen liegen. Der Autor geht davon aus, dass die Manager von Fuhrparks sich darauf vorbereiten müssen, dass wahrscheinlich High-Tech-Geräte wie PDAs und MP3 schon in der nächsten Zukunft als standardmäßige Ausstattung in Autos installiert sein werden.

Leider habe ich schlechte Nachrichten für den Autoren und seine Leser: Diese Situation ist bereits eingetroffen, und die daraus entstehenden Probleme sind in jeder Hinsicht so furchtbar, wie man es erwarten konnte.

Kürzlich bekam ich eine E-Mail von einem genervten Leser eines Computer-Magazins, der sich gerade einen schicken Seat Altea gekauft hatte, zum Teil, weil er mit einer Bluetooth-Einrichtung für Handys versehen ist, so dass man beim Telefonieren beide Hände frei hat. Das Konzept sieht so aus, dass man mit seinem Bluetooth-fähigen Handy in das Auto einsteigt und dass automatisch eine Verbindung zum Audio-System hergestellt wird, das in das Auto eingebaut ist. Man benutzt die auf das Lenkrad montierte Telefonsteuerung, und das Adressbuch wird automatisch auf der LCD-Anzeige auf dem Armaturenbrett angezeigt.

Das klingt als Idee großartig, da man nicht mehr zur örtlichen Autowerkstatt fahren muss, um sich eine teure Freisprechanlage installieren zu lassen, und man nicht mehr daran gebunden ist, immer dasselbe Handy zu verwenden, solange man den wagen besitzt.

Bluetooth – kein Standard für Datenübertragung
Ich nehme an, dass jeder Bluetooth-Nutzer ahnen kann, was als nächstes geschah. Das Handset, ein i-Mate-JAM-Smartphone, weigerte sich, eine Verbindung zum System herzustellen. Weitere Nachforschungen ergaben, dass Seat eine Liste mit einem Dutzend kompatibler Handys hat, und das Modell des Lesers war natürlich nicht darunter. In Wahrheit boten nur acht der aufgelisteten Handys volle Funktionalität an – der Rest hatte lediglich Audio-Funktionen.

Noch schlimmer ist, dass der Leser nicht einmal ein separates Bluetooth-Headset nutzen kann, denn jedes Mal, wenn er in den Wagen steigt, versucht das Handy erfolglos, eine Verbindung zu dem eingebauten System herzustellen. Ich hatte nicht den Mut zu fragen, was passiert, wenn er zusammen mit Freunden in das Auto steigt, wenn diese ebenfalls Bluetooth-Geräte dabei haben. Oder was geschieht, wenn jemand mit einem kompatiblen Handy im Stau im Wagen nebenan sitzt.

Hat Seat keinen Schalter eingebaut, mit dem das Bluetooth-Radio ausgeschaltet werden kann? Es ist überflüssig zu erwähnen, dass der Leser versucht hat, vom Kundendienst von Seat Klarheit zu bekommen – die Antwort war langanhaltendes Schweigen. Bluetooth ist eine jener Technologien, von denen jeder schon gehört hat, aber wenige können die dabei auftauchenden Probleme lösen

Zertifizierung für nix?
Leider ist das im IT-Bereich ein weitverbreitetes Phänomen. Bei den Wireless-LAN-Anbietern scheint die Wi-Fi-Zertifizierung denselben Weg zu gehen: Das Logo wird einfach weggeworfen, um schnell Produkte mit erweiterten Funktionalitäten auf den Markt bringen zu können.

Aber zumindest gab es bei Wi-Fi konzertierte Bemühungen für Interoperabilitäts-Prüfungen. Das hat sichergestellt, dass die meisten Wi-Fi-Geräte problemlos miteinander kommunizieren können. Die Lektion für andere Hersteller ist folgende: Wer Technologien wie Bluetooth integriert, um Kaufanreize zu schaffen, sollten auch etwas Geld dafür ausgeben, dass diese Systeme ordentlich funktionieren.