Radio übers Internet empfangen
Tausende Webradios streamen Musik

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Internet-Anschluss und Soundkarte sorgen via Webradio für kostenlosen und legalen Musikgenuss. Geeignete Software befördert die Hits zudem auf die Platte.

Legale Downloads

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Vor 25 Jahren hockten Millionen von Teenagern vor ihrem Kassettenrekorder und waren bereit zuzuschlagen: Es galt, den Finger genau dann herunterzudrücken, wenn Thomas Gottschalk oder einer seiner Kollegen bei »Schlager der Woche«, »Pop nach Acht« oder anderen beliebten Sendungen mit der Ansage fertig war. War dann die Reaktionszeit kurz genug, kam Freude auf wieder einen Schatz auf Kassette gebannt.
Der gute alte Mitschnitt des Radioprogramms ist bislang rechtlich in Ordnung im Gegensatz zu Tauschbörsen. Denn hier fehlt das Anbieten von Songs, was bei den Peer2Peer-Systemen Teil des Konzepts ist: Jeder der saugt, bietet gleichzeitig auch Musik zum Download an. Dieser Teilaspekt wird vom gängigen Recht als illegale Verbreitung betrachtet. Die Aufzeichnung für den rein privaten Gebrauch ist dagegen legitim. Denn dafür hat man gemeinhin bereits gezahlt: GEZ-Gebühren, Abgaben auf Rohlinge und Brenner sorgen dafür, dass Künstler, Musikverlage und öffentlich-rechtliche Sendeanstalten nicht umsonst arbeiten müssen.

Bild: Kylie Minogue bringt im Webradio zwar Ihre Backen nicht zur Geltung, dafür lenkt nichts von der Musik ab.


Webradio

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Der legale Mitschnitt existiert auch heute noch, nur in zeitgemäßer Form. Das Tape hat ausgedient, stattdessen dient der PC als Rekorder. Und der ist nicht nur moderner, sondern vereinfacht den ganzen Vorgang auch noch. Dabei gibt es zwei unterschiedliche Varianten des Empfangs: Internet-Radio und herkömmlichen Rundfunk.
Beim Webradio kommt Musik direkt aus dem Internet. Die Stationen senden parallel oder ergänzend zu ihrem On-Air-Programm im Web. Viele sind aber auch in der Hand von Enthusiasten, denen es Spaß macht, ihre Musik anderen Menschen näher zu bringen. So gibt es für wirklich jedes Musikgenre eine ganze Reihe von Sendern. 24 Stunden Banjo-Jazz am Tag gewünscht? Kein Problem. Auf Ü30-Feten wieder auf den Geschmack gekommen? »Back to the eighties« sogar dafür gibt es Internet-Radiosender.

Phonostar Player
Das Freewareprogramm kann einiges mehr als nur Audioströme auf Festplatte bannen. Der größte Vorteil gegenüber anderen Tools ist die redaktionelle Aufbereitung von Informationen über ausgestrahltes Material. Der Hörer bekommt beispielsweise mitgeteilt, wann ein interessantes Hörspiel oder ein seltener Live-Mitschnitt einer bestimmten Rockband zu empfangen sind. Ärgerlich, aber konzeptbedingt fehlt eine Funktion, die den Mitschnitt gleich in korrekt betitelte Dateien teilen könnte. Die dazu nötige Info kann das Programm aus den Streams nicht extrahieren. Direktes Grabben von MP3-Strömen geht leider auch nicht.

Bild:
Im Radio eher selten zu hören, dafür im Web zahlreich zu finden: Stars wie David Bowie sind immer noch angesagt. Kostenloses Internet-Radio liefert die Hits von früher genauso wie aktuelle Songs.


Aufzeichnen

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Solche Webradios arbeiten mit einer Technik, die sich Streaming nennt. Dabei senden sie nicht wie beim Download eine einzelne Datei, sondern einen stetigen Datenstrom. Zusätzlich zur Musik enthält er bei vielen der Sender auch Informationen zum Titel oder zum Interpreten. Automatisches Benennen ist damit problemlos möglich.
Der Stream lässt sich auf zwei Arten in eine Datei umwandeln. Beim so genannten Grabben oder Rippen fängt ein spezielles Programm den Datenstrom ab und sichert ihn in unveränderter Form auf Festplatte. Das klappt aber nur mit einem Stream im MP3-Format, da es im Gegensatz zu WMA oder Real Audio keinen Kopierschutz unterstützt.
Für guten Sound brauchts eine Station,
die in genügend hoher Datenrate sendet. 128 kBit/s sind bei MP3 die unterste Grenze annehmbarer Musikqualität. Auf der Hi-Fi-Anlage klingt Musik erst ab 192 kBit/s richtig gut. Bei Sprache wie etwa Hörspielen darf es auch ein Tick weniger sein. Hier geht es ja mehr um Verständlichkeit als um erstklassigen Sound. Weniger als 96 kBit/s tun aber auch hier den Ohren weh.

ClipInc
Das kostenlose ClipInc von Tobit ist besonders praktisch. Es zeichnet Radio- oder Musikfernsehprogramme auf und setzt dabei auf durch das Internet ausgetauschte Schnittmarken und Titelinformationen. Hervorzuheben sind die einfache Bedienung sowie die nahtlose Integration in Windows. Das Programm kommt mit wenigen Knöpfen aus und verfügt über eine wirklich professionell wirkende Oberfläche. Praktisch ist der AutoGrab-Modus, der die Aufzeichnung auf bestimmte Kategorien
von Musik oder Sprache einschränkt.


Kopierschutz

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Der Kopierschutz der Formate WMA oder Real Audio verbietet die Verwendung von Programmen, die diese Streams entschlüsseln und direkt als Dateien auf die Platte rippen. Denn das Umgehen von jeglichen Kopierschutzmechanismen ist strafbar. Es geht aber doch, und zwar legal: Schlaue Programme verwenden den Original-Player der betreffenden Formate also Microsofts Media Player oder den Real Player und greifen entweder listenreich die digitalen Daten ab, bevor die Soundkarte sie zu hörbaren Schwingungen macht, oder nehmen das analoge Ausgabesignal sofort wieder über den Eingang der Karte auf. Die letzte Variante verursacht allerdings einen Qualitätsverlust durch die zweimalige Wandelung zwischen Analog- und Digitalsignal.

Air2Mp3
Bis vor kurzem noch war die Benutzung dieses Programms kostenlos. Anfang 2005 aber wurde die Bereitstellung der Titelinformationen in ein Abonnement umgewandelt, das eine Laufzeit von drei oder zwölf Monaten hat. Dafür gibts im Prinzip auch keine bessere Software. Im Gegensatz zum kostenlosen Konkurrenten ClipInc ist Air2Mp3 durch das verspielt wirkende Interface ein wenig schwieriger zu bedienen. Der einzige echte Vorteil: Das Tool unterstützt deutlich mehr Radiosender.


Software

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Welche Programme es gibt und wo sie zu finden sind, erfährt man ebenfalls im Internet. Tatsächlich ist die Auswahl für Hörer groß. Verzeichnisse wie www.shoutcast.com oder www.launchcast.com sortieren vor. Sie ermöglichen die Suche nach persönlichen Vorlieben wie Genre oder Herkunft. Der Phonostar Player bringt für das Problem der immensen Vielfalt gleich die passende Lösung mit: Eine Redaktion stellt ausgewählte interessante Online-Radiostationen vor und gibt sogar Programmtipps. Die Timer-Funktion schaltet dann den Phonostar Player zeitgerecht »on air«.

Podcasting auf dem Vormarsch
Manche Mitschnittprogramme für Internet-Radio beherrschen eine noch relativ neue Musikquelle: Podcasting. Der Name ist eine Synthese aus den Bestandteilen »iPod« und »Broadcasting«, also »Rundfunk«. Dabei werden mit der Technik von Weblogs Audiodaten bereitgestellt. Auch hier wird ein so genanntes RSS-Feed eingesetzt. Das ist eine spezielle XML-Datei, in der bei Weblogs und anderen Infoquellen die Nachrichten oder Beiträge eingebettet sind.
Beim Podcasting sind anstelle der Audiodaten die Verweise zur Downloadquelle zu finden. Die Technik ist beispielsweise auch zum Betrieb einer Art Privatradiostation geeignet. Um selbst Produziertes über den digitalen Äther zu schicken, müssen geeignete Programme dieses vorher in ein komprimiertes Format umwandeln. Fertige MP3-Musikstücke bergen wieder die Gefahr der Strafverfolgung in sich. Das Podcasting stellt in diesem Fall nämlich wieder die Verbreitung urheberrechtlich
geschützten Materials dar.
www.podcast.de liefert gute Infos zur neuen Technik.


Radio rippen

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Das gute alte Radio gelangt über den Anschluss der Soundkarte in den Rechner. Zur Aufnahme genügt grundsätzlich ein einfaches Programm mit Recording-Funktion. Sollen einzelne Stücke auf Platte oder CD wandern, unterscheidet sich dabei die Arbeitsweise auch nicht großartig von der gewohnten: Aufnahmeknopf drücken, rechtzeitig wieder auf Stopp, erneut auf Aufnahme und so weiter.
Der eigentliche Clou ergibt sich erst bei speziellen Programmen. Diese holen sich parallel zum Tonsignal zusätzliche Infos wie etwa Titel- und Zeitinformationen aus dem Internet. Damit das funktioniert, muss die Software wissen, welcher Radiosender gerade eingestellt ist. Sie steuert dann den Sender an und weiß sofort, um welches Programm es sich handelt. Kommt der Ton über die Soundkarte, ist der Anwender gefragt.
Informationen über das aktuell gespielte Programm kommen entweder von einer Redaktion, die diese Daten liefert, oder die Anwender selbst stellen sie der Allgemeinheit zur Verfügung. Definiert jemand zwischen zwei Songs eine Schnittmarke und legt den Titel fest, speist das Programm anschließend diese Information ins Internet ein.

Station Ripper
Schon in der kostenlosen Freeware-Ausgabe nimmt dieses Tool mehrere Streams gleichzeitig auf, allerdings nur Shoutcast-kompatible Audioströme. Sofern die Internet-Verbindung mitspielt, zeichnet die Vollversion bis zu 600 verschiedene Streams gleichzeitig auf. Die Formate WMA und Real Audio bleiben leider außen vor. Das ist schade, denn viele normale Radiostationen senden mit dieser Technik ihr Programm übers Internet.
Dafür ist die Suche nach interessanten neuen Sendern gut gelöst: Der integrierte Minibrowser zeigt nicht nur die Empfehlungen der Programm-Homepage, sondern auch Programmtipps von Hörer zu Hörer.
Station Ripper verarbeitet bereits Podcast-Sendungen und fügt die fertig gestellten Dateien auf Wunsch automaisch einer iTunes-Bibliothek hinzu.


Musikarchiv

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Ähnlich wie beim Timeshift-Konzept von Harddiskrekordern koppeln die Programme die Aufnahme von der Wiedergabe ab. Das erfordert zwar eine größere Menge freier Festplattenkapazität, lässt dafür aber beispielsweise ein Reinhören in die Titel zu, die in der letzten Stunde gelaufen sind. Zudem macht erst das Timeshift-Konzept die Verbreitung von Titelinfos möglich. Ansonsten müssten beim Anfang eines Songs in Echtzeit dessen Daten zur Verfügung stehen und quer übers Internet das Signal kommen: »Achtung, jetzt Aufnahme von Titel XYZ!« Durch den Zeitversatz erfolgt die erste Titelinformation vielleicht erst fünf Minuten, nachdem die letzte Note des Musikstückes verklungen ist. Die Infos stehen danach allen anderen Hörern des aktuellen Radiosenders zur Verfügung, und die eigene Aufzeichnung wird automatisch nach und nach mit Schnittmarken ergänzt.
ClipInc von Tobit kennt sogar noch einen besonderen Automatikmodus. Anhand von Musikstilen extrahiert es alle passenden Stücke aus dem aktuellen Programm. Korrekt benannt legt es sie in komprimierter Form auf die Platte. So ist es ganz leicht, beispielsweise alle Hardrock-Songs aus dem laufen Programm zu filtern. Die Software kommt sogar spielend mit der Titelrotation zurecht: Kommt ein bereits abgelegter Song nochmals, wird er einfach übersprungen.
Vollkommen legal wächst auf diese Weise das Musikarchiv um alte und neue Hits. Wer bei WOM und Co. seine Musik nicht findet, der wird auf jeden Fall im Web fündig.

Nur komprimiert macht Sinn
Soll Musik auf die Festplatte kommen, ist das Wave-Format die schlechteste Lösung, da der Speicherbedarf zu hoch ist. Ogg Vorbis oder MP3 bringen je nach Qualitätsstufe rund acht- bis zwölfmal mehr Musik auf demselben Speicherplatz unter.
Während die dazu notwendigen Programmbibliotheken bei Ogg Vorbis frei erhältlich sind, muss ein Software-Autor, der MP3-Technik mitliefert, Lizenzgebühren zahlen. Falls also das Programm, das MP3s komprimieren kann, nicht über den Ladentisch wandert, sondern als kostenlose Freeware online angeboten wird, wäre der Programmierer schnell arm weshalb die Unterstützung für MP3s niemals direkt in den nichtkommerziellen Tools enthalten ist. Es gibt stattdessen mit den beiden Encodern Lame und BladeEnc zwei separat erhältliche freie MP3-Codecs.