Die Zukunft des Fernsehens
HDTV schafft 1920 x 1080 Pixel

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Wenn es nach den Medienmoguln in den USA und Japan geht, wird Fernsehen bald nur noch digital ausgestrahlt. In Spitzenqualität und mit Surround-Sound. Das klingt gar nicht übel, aber bei ARD und ZDF tut sich gar nichts.

Höhere Qualität

Die Zukunft des Fernsehens

München, 9. Juni 2006, 18 Uhr. Die deutsche Nationalmannschaft startet ihre Mission »Fußballweltmeister im eigenen Land«, und fast ganz Deutschland sieht Langweilfernsehen wie vor 30 Jahren. Nur Premiere-Abonnenten bekommen alle Spiele und alle Tore im digitalen HDTV-Format nach Hause geliefert. Die Abkürzung steht für High Definition TV. Und damit ist man schon ganz nah dran am Spielfeld. Der Ball rollt sozusagen durchs Wohnzimmer.

Die Öffentlichen senden nicht in HDTV
Was aber machen ARD und ZDF? Die können oder wollen nicht im neuen Hochglanz-TV senden. In den USA und in Japan sieht es da ganz anders aus: Dort werden sämtliche 64 Spiele der Fußball-WM 2006 im neuen Format unverschlüsselt ausgestrahlt. Schon längst ist in diesen Ländern das digitale Qualitätsfernsehen Wirklichkeit. So erleben derzeit rund vier Millionen US-amerikanische Haushalte ihr Programm in HDTV. In Japan sind es gar sechs Millionen TV-Anschlüsse, die damit Filme und Events empfangen. Die letzte Fußball-WM 2002 in Japan und Südkorea wurde übrigens auch schon in weiten Teilen der Erde so ausgestrahlt ausgenommen in Deutschland.
Mehr Details, mehr Schärfe, mehr Fernsehen mit HDTV soll sich ein neues Übertragungsverfahren durchsetzen, das den jahrzehntealten PAL-Standard ablösen wird. Die wesentlichen Unterschiede sind Bild- und Tonqualität sowie das Darstellungsformat.


Auflösungsmodi

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Die Bildqualität wird unter anderem von der Auflösung des TV-Bildes bestimmt. Diese beträgt bei PAL umgerechnet 720 x 576 Pixel, also 720 senkrechte Linien und 576 waagerechte Zeilen, was rund 415 000 Bildpunkten entspricht. Bei HDTV hingegen werden Bewegtbilder mit bis zu 1920 x 1080 Bildpunkten dargestellt. Das sind über zwei Millionen Pixel, also fünf Mal so viele wie mit PAL. Die Folge: superscharfe, farbechte, plastische Bilder, die alles bisher Gesehene in den Schatten stellen.
Man unterscheidet dabei zwischen zwei Auflösungsmodi, die sich 720p und 1080i nennen. Dabei entspricht 720p einer senkrechten Auflösung von 720 Pixeln, und das im Vollbildverfahren (»progressive«) mit 1280 x 720 Bildpunkten. Das zweite Format 1080i löst mit 1080 vertikalen und 1920 horizontalen Bildpunkten auf, allerdings im Zeilensprungverfahren (»interlaced«).
Die Schmalbandvariante 720p bevorzugen zurzeit vor allem die Anbieter von Programminhalten, da die notwendige Bandbreite auf Satellitenseite teuer und nicht beliebig vorhanden ist. Außerdem zeigt sich bei Tests, die sowohl mit 720p als auch mit 1080i hergestellte Inhalte untersuchten, dass 1080i erst bei einer Monitorgröße ab 60 Zoll besser aussieht als 720p. Zudem können spezielle Bildprozessoren wie der DCDi Faroudja, der beispielsweise in Toshiba-Geräten eingesetzt wird, 720er-Bilder problemlos in eine 1080er-Auflösung umwandeln und zwar ohne nennenswerten Qualitätsverlust.

HDTV bereitet den Stars Probleme
Denn bei dieser Technik sieht man einfach alles. Für manche Leinwandgrößen kann das ganz schön unvorteilhaft enden so wurde Cameron Diaz, 32, vom US-amerikanischen Internet-Programmführer »OnHD.TV« zu der Leinwandgröße gewählt, deren Hautunreinheiten dank HDTV am unangenehmsten auffallen. Andere Preisträger: Brad Pitt (»schreckliches Hautproblem«) und Renée Zellweger (»Rosazea«). Makellos sind dagegen angeblich Anna Kournikova und Charlize Theron.


Dolby Digital 5.1

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Ein weiterer Pluspunkt von HDTV ist die Vertonung der bewegten Bilder in Dolby Digital 5.1. Das sorgt neben den tollen Bildern auch für den richtigen Sound. Außerdem unterscheiden sich High Definition und PAL im Darstellungsformat: Während Inhalte auf PAL-Basis vorzugsweise im klassischen 4:3-Format kommen, sind HDTV-Bilder nur im Seitenverhältnis 16:9 zu sehen.

Projekt D2-Mac
Europa, das alte, macht es sich wieder einmal schwer. Zwar beschloss die EU-Kommission bereits am 27. April 1989, den neuen Standard einzuführen. Über 500 Millionen Euro flossen damals in das Projekt D2-Mac. Doch der Fehler an dem Vorhaben war die Übertragungsart: Man setzte auf analoge anstatt auf digitale Technik. Folge: Versenkte Fördermittel und kein hochauflösendes Digital-TV.
Dass es in Euroland doch noch geklappt hat, ist vor allem einer Hand voll Belgier zu danken: Seit dem 1. 1. 2004 sendet der TV-Sender Euro 1080 auf zwei Kanälen digitales HDTV-Fernsehen und das in höchstmöglicher Auflösung im 1080i-Format via Satellit und Kabel, also mit 1920 x 1080 Bildpunkten. Auf dem Kanal HD1 zeigt Euro 1080 Spielfilme, Sport- und Musikevents, Shows und mehr. Allerdings handelt es sich beim Programm noch um mehr Masse als Klasse.
Daneben planen mehrere europäische Sender, in die Technik zu investieren. So will die BBC bis 2010 alle Inhalte in HD anbieten. Sky in Großbritannien und M6, TPS sowie TF1 in Frankreich wollen schon 2005 oder 2006 auf Digitalqualität umsteigen.


High-Definition-Standard

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Und was läuft bei uns? ARD und ZDF senden zwar bereits seit einigen Jahren digitales Fernsehen, setzen dabei aber auf das herkömmliche PAL-Fernsehsignal, das bisher unverschlüsselt via Satellit (DVB-S), Kabel (DVB-C) und Antenne (DVB-T) übertragen wird. Außerdem wollen die Öffentlich-Rechtlichen bis zur Fußball-WM 2006 immer mehr 16:9-Inhalte ausstrahlen. Damit soll bis zum Großereignis eine breite Akzeptanz für das Breitwandformat geschaffen werden, um dann möglichst viele Spiele im 16:9-Format übertragen zu können. ARD und ZDF betrachten dies als Wegbereiter für HD-Fernsehen, das ja ausschließlich im Breitwandformat ausgestrahlt wird.

Pro7 und Sat1 technisch vorn
Was derzeit technisch möglich ist und von Pro7 und Sat.1 schon gezeigt wurde, nennt sich Simulcast und erlaubt das gleichzeitige Versenden digitaler Inhalte im PAL- und im HDTV-Format. Zu bewundern war dies beispielsweise im April dieses Jahres mit dem unverschlüsselten Kinoknüller »Men in Black II«, den Pro7 via Satellit zur besten Sendezeit ausstrahlte.
Momentan plant Premiere als einziger deutschsprachiger TV-Sender, den High-Definition-Standard noch in diesem Jahr einzuführen. Im Gespräch sind ab November 2005 drei Kanäle, die Sport-Events, Spielfilme und Dokumentationen in Höchstauflösung zeigen wollen. Dabei kommen neue Sat-Dekoder von Philips, Umax und Pace zum Einsatz. Diese Geräte unterstützen sämtliche Techniken wie HDMI, HDCP, MPEG 2 und MPEG 4. Mit der aktuellen D-Box lässt sich übrigens kein HDTV empfangen.


Hardware

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Am günstigsten kommt man an diese Inhalte, wenn bereits ein schneller PC (mindestens 3 GHz) mit großer Festplatte vorhanden ist. Dazu ein hochauflösender Monitor (mit mindestens 1280 x 1024 Pixeln) inklusive DVI- oder HDMI-Eingang und digitaler Fernsehkarte für den Satellitenempfang. Einen praktischen Nebeneffekt hat das Ganze auch: Die Sendungen lassen sich direkt am Computer aufnehmen und später auf DVD brennen.
Da beginnt es allerdings auch schon teuer zu werden. Denn die wenigen verfügbaren und geeigneten DVD-Brenner sind nicht wirklich billig. So kostet beispielsweise der HD-DVD von NEC rund 500 Euro. Außerdem sind derzeit zwei Formate verfügbar, die nicht kompatibel zueinander sind: HD-DVD und Bluray. Beide konkurrieren heftig miteinander, so dass eine Anschaffung in dieser Richtung derzeit nicht sinnvoll ist.

LCD-TV & Plasmafernseher
Tief in den Geldbeutel greifen wird man auch beim Ausgabegerät fürs Wohnzimmer müssen: Die Spannbreite reicht vom 69-Zentimeter-LCD-Fernseher von ViewSonic für 1000 Euro bis hin zum großformatigen Plasma-TV mit 106 Zentimetern Bilddiagonale, für den man locker 9000 Euro
oder mehr berappt. Und wer es ganz kinomäßig mag, kann sich selbstverständlich auch gleich einen Videoprojektor zulegen. Sanyo hat solch einen Beamer im Programm, aber auch BenQ mit dem brandneuen PE7700 für 2800 Euro. Allerdings werden die Preise für zukunftstaugliche Geräte in nächster Zeit deutlich sinken.
Der Dekoder sollte 720p und 1080i beherrschen sowie mit DVI- oder HDCI-Anschlüssen ausgestattet sein. Zudem ist es wichtig, dass er über einen Schacht verfügt, der die Smartcard aufnimmt, die sich um die Entschlüsselung der Inhalte kümmert. So ist beispielsweise der HDTV-taugliche Dekoder Quali-TV QS-1080 IR nur mit einer fest eingebauten Karte versehen, die das Irdeto-Verschlüsselungssystem nutzt. Premiere-Abonnenten hätten mit dem Gerät im wahrsten Sinne des Wortes schlechte Karten, da Premiere weiterhin auf Nagravision setzen wird.


Hindernisse

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Der Haken an der Sache: Derzeit lassen sich digitale Inhalte kaum in bester Bildqualität empfangen. Der Grund dafür: Nur wenige TV-Geräte und Projektoren lösen mit echten 1920 x 1080 Bildpunkten auf. Zwar beherrschen viele HDTV-Geräte die 720p-Variante, aber bei der waagerechten Auflösung müssen sie sehr oft auf die 1280 Bildpunkte rauf- oder runterrechnen, weil der Monitor mit einer anderen physikalischen Auflösung arbeitet.
Je nach Bildprozessor, der diese Aufgabe übernimmt, fällt das Ergebnis besser oder schlechter aus.

HDTV braucht große Bandbreite
Aber auch die Übertragungstechniken stellen eine Grenze dar: So sind die TV-Satelliten derzeit noch mit vielen analogen Programmen derart ausgelastet, dass High-Definition-Fernsehen mit seinem Heißhunger nach Bandbreite kaum Platz findet, speziell im MPEG-2-Format. Das soll sich allerdings rasch ändern, sobald im Zuge der Umstellung von analog auf digital wieder Sendefrequenzen frei werden.
Eine Übertragung via Kabel oder Antenne (DVB-C beziehungsweise DVB-T) kommt wegen der geringen Bandbreite beider Übertragungsmedien kaum in Betracht. Viele Insolvenzen in den USA zeigen, dass HDTV via Kabel unprofitabel ist und keine Zukunft hat.
Der dritte Hemmschuh sind die riesigen Investitionen, die auf die Sendeanstalten zukommen. So sind unter anderem spezielle Kameras, digitale Tonaufnahmegeräte, digitale Schnitt- und Sendeanlagen notwendig, um in HDTV produzieren und ausstrahlen zu können. Das erklärt auch die aktuellen Pläne von ARD und ZDF: vorerst nicht umzusteigen und sich dafür auf digitales Fernsehen im PAL-Format zu konzentrieren.


Lizenzrechte

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Ein weiteres Hindernis für digitale Inhalte in Höchstauflösung könnten auch die vorgesehenen Komprimierungsverfahren werden. Derzeit wird hauptsächlich der Videostandard MPEG 2 verwendet, den auch DVD-Filme einsetzen, der aber riesige Datenmengen verursacht (20 MBit pro Sekunde und mehr). Viele Anbieter würden aus Kostengründen am liebsten ihre Bewegtbilder im H.264-kodierten MPEG-4-Format ausstrahlen. Diese sind den MPEG-2-Videos qualitativ ebenbürtig und erfordern erheblich weniger Bandbreite. Der Bezahlsender Premiere hat dazu eine klare Meinung: HDTV wird es ab November in Deutschland nur geben, wenn auch in MPEG 4 ausgestrahlt werden kann. Aus diesem Grund beherrscht der Dekoder von Premiere neben MPEG 2 bereits MPEG 4 auf H.264-Basis.

Fußball mit Kopierschutz
Als echte Spaßbremse könnte sich überdies der geplante Kopierschutz erweisen. So verfahren die Lizenzgeber aus Hollywood oder Rechteverwerter für Sport-Events nach dem Motto: »Entweder sendest du mit Kopierschutz, oder es gibt keine Bilder.« Und der Gelackmeierte ist letztlich der Abonnent, der für sein Geld nur zweitklassigen Content geliefert bekommt, wie das beispielsweise bei HD1 aus Belgien der Fall ist.
Um die Lizenzrechte schützen zu können, muss jedes HDTV-taugliche Geräte ob LCD-TV oder Dekoder mit einer der beiden digitalen Schnittstellen HDMI oder DVI ausgestattet sein. Denn beide Videoanschlüsse unterstützen den Kopierschutz HDCP. Der soll digitale Kopien verhindern, vor denen sich die Filmstudios so fürchten. Außerdem fordern Warner, Disney & Co., dass alle analogen Anschlüsse am Dekoder abgeschaltet werden. Denn der Kopierschutz könnte ja über die analoge Schnittstelle leicht umgangen werden, fürchten die Filmbosse. Dass diese Forderung den EICTA-Bestimmungen bezüglich der HD-ready-Norm widerspricht, die unter anderem einen analogen YUV-Anschluss vorsieht, scheint einigen Anbietern von Programminhalten egal zu sein.


HD ready

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Dem Logo »HD ready« sei Dank erkundigen sich immer mehr Kunden nach HDTV. Das sorgt für neue Geräte, fallende Preise und eines Tages auch für passende Inhalte, die in Höchstauflösung ins Haus kommen. Solange es aber nur HD1 aus Belgien gibt, ein paar vereinzelte Filme auf Pro7 und Sat.1 im Simulcast-Verfahren und drei geplante Kanäle im Bezahlfernsehen Premiere, kann die Empfehlung nur lauten: Warten! Denn außer dem geringeren Platzbedarf eines LCD-Fernsehers gibt es derzeit kaum einen triftigen Grund, zwei bis dreitausend harte Euro für Digital-TV-Equipment auszugeben.
Deutschland ist Niemandsland, was die Zukunft des Fernsehens betrifft. Hart, aber wahr. ARD und ZDF weigern sich standhaft, in naher Zukunft auf die neue Technik zu setzen, da ihrer Meinung nach der Ertrag den Aufwand nicht rechtfertigt. Daher setzen sie lieber erst mal auf DVB-T das ist zwar auch digital, aber immer noch in PAL.
Ansonsten ist vorerst nur Premiere in Sichtweite, das bei uns HDTV-Inhalte ausstrahlen will auf drei Kanälen und verschlüsselt. Ob man für dieses schmale Angebot gleich die komplette Fernsehausstattung wechseln mag, sollte gut überlegt sein. Allerdings hofft die Industrie auf neue Absatzmärkte, was uns neue Geräte und damit fallende Preise bescheren wird. Hoffentlich noch rechtzeitig bis zur WM 2006.

Entscheidendes Logo
Wer einen HDTV-Fernseher will, der sollte beim Kauf unbedingt auf das HS-ready-Logo achten. Nur Geräte, die dieses Zeichen tragen, erfüllen die technischen Mindestanforderungen.