Gekonnt programmieren statt “vollstopfen”
Warum Plug-Ins Auslaufmodelle sein könnten

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Die reichhaltigen Online-Anwendungen von Google – ohne Flash oder Java erstellt – haben sich als eine Inspiration für die Branche erwiesen.

Gekonnt programmieren statt “vollstopfen”

Die Aktien für Google haben schon vorletzte Woche die 300 Dollar überstiegen und die Bewertung auf dem Aktienmarkt überragt jetzt die von jeglichem anderen Medienunternehmen.

Teilweise ist dies einfach dem Wahnsinn des Marktes zuzuschreiben, aber Google kann für jedes Unternehmen mit einem Internetauftritt ein Lehrstück darstellen. Der Erfolg beruht auf der Tatsache, dass Google sich in erster Linie auf die Erfahrungen der Nutzer konzentriert.

Wie also können andere Unternehmen sich etwas von den Google-Tugenden abkupfern? Da hängt schon mehr dran als die bloße Technologie. Ein Faktor ist die Art und Weise, wie die Google-Anwendungen den Web-Browser ausnutzen, um ein besseres Nutzerinterface anzubieten – und das ohne die Notwendigkeit, auf solche Plug-Ins wie Macromedia Flash oder Java-Applets zurückgreifen zu müssen.

Ajax ist nicht nur der Name eines Putzmittels
Anfang diesen Jahres hat Jesse James Garrett, Direktor der kleinen Consulting-Firma Adaptive Path, einen Artikel mit der Überschrift “Ajax: A new approach to web applications” veröffentlicht. Beeindruckt von der geschmeidigen Arbeitsweise von Google Maps und Google Suggest hat Garrett den Begriff Ajax geprägt, der für “Asynchronous JavaScript plus XML” steht.

Ajax stellt keine neue Technologie dar, macht aber das erneute Interesse daran deutlich, was eigentlich bewerkstelligt werden kann, wenn man nur mit einem Web-Browser und seinem Support für das Skripting ausgerüstet ist – kombiniert mit der programmtechnischen Steuerung beim Aufbau von Webseiten.

Ajax adressiert die unangenehmsten Eigenschaften von Web-Anwendungen. Die Seiten “flashen” nicht mehr bunt herum, die Leistung ist besser, und die Nutzer erhalten die interaktiven Funktionen eher in einer Form, wie sie bei Desktop-Anwendungen zu beobachten sind. Hinter den Kulissen manipuliert ein Gewirr von JavaScripts die Seite.

Der asynchrone Teil kommt von einer Funktion, die von Microsoft für den Internet Explorer 5.0 erfunden wurde. Dies ist ein XMLHttpRequest Objekt, das es gestattet, XML Daten von einer Webseite im Hintergrund abzurufen. Die Seite verschwindet oder blockiert nicht, sondern aktualisiert sich nur je nach Notwendigkeit, wenn eine neue Rückmeldung eingetroffen ist. Die starke Konzentration auf JavaScript bedeutet, dass der größte Teil der Anwendung lokal läuft, was sie schneller und reaktionsfähiger macht.

Der Nachteil von Ajax ist seine Komplexität und Inkompatibilität. Große Mengen von Client-seitigem JavaScript bedeuten, dass die Entwickler auf Differenzen bei der Browser Implementierung stoßen. Die einzige Abhilfe dafür ist, unterschiedlichen Code für unterschiedliche Browser zu schreiben. Außerdem ist JavaScript keine angenehme Sprache für komplexe Anwendungen.

Allerdings können diese Probleme zum größten Teil mittels Frameworks gelöst werden, die die “Klempnerarbeit” für Sie erledigen. Es gibt bereits zahlreiche OpenSource Ajax-Frameworks, einschließlich reinem JavaScript, Java, PHP und DotNet. Kommerzielle Anbieter folgen auf dem Fuße. Sun, IBM und Apple haben innerhalb ihrer Webauftritte Seiten, in denen sie beschreiben, wie man “Ajaxt”; Microsoft will sogar ein Cross-Plattform Ajax-Framework entwickeln.

Hohe Entwicklungskosten, besseres Ergebnis
Die Ergebnisse von Google treten den Beweis an, dass es die Kosten für Entwicklung und sogar Kompatibilität durchaus wert sind, wenn man dann Web-Anwendungen liefern kann, die für den Nutzer besser funktionieren. Das bedeutet nicht zwangsweise die Verwendung von Ajax, obwohl es schon ein weiterer Hinweis darauf ist, dass pfiffigere und ergiebigere Clients der Schlüssel zur nächsten Generation von Internet-Anwendungen sind.

Komplexes JavaScript hat sich als unpraktisch erwiesen, aber die Browser-Entwicklung wurde durch Produkte wie Mozillas Firefox und Apples Safari neu belebt. Sogar ein Internet Explorer Team hat sich aus Schamgefühl genötigt gesehen, angesichts der Bemühungen seiner Konkurrenten aktiv zu werden.

Vielleicht ist der Browser letztendlich der beste “Rich Client”. (mk)