Microsoft greift Blackberry an
Wenn Microsofts “Push”-Technik zur “Drängeltechnik” wird

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Microsoft hat sich Zeit gelassen, den Marktführer für mobile E-Maildienste RIM herauszufordern, aber das Unternehmen kann durchaus Pluspunkte aufweisen.

Microsoft greift Blackberry an

Microsofts Ankündigung, ihrem auf Exchange basierenden mobilen Mailsystem die “Direct-Push”-Technologie hinzuzufügen, ist in der Branche sehr gut aufgenommen worden. Jedoch ist der Jubel nicht einhellig und es gibt Behauptungen, dass es sich nicht wirklich um eine Push-Technologie handeln wird – aber diese Meinung ist im Moment noch reine Spekulation.

Es gibt durchaus gute Gründe für die Annahme, dass es ein ganz kleines bisschen zu spät ist, Abtrünnige von den BlackBerrys des Erzrivalen RIM für sich zu gewinnen – ebenso Anbieter für andere Alternativen.

RIM – Marktführer durch Pionierarbeit
Mit drei Millionen BlackBerry-Nutzern weltweit ist RIM der klare Marktführer bei der mobilen E-Mail; eine Position, die sich die Firma mehr oder weniger durch Pionierarbeit beim Push-Konzept erworben hat. Dabei lokalisieren und senden die Server Mitteilungen an die Client-Geräte und nicht umgekehrt. Dies kommt gut an bei Nutzern, die ihre Geräte nicht synchronisieren oder spezielle Vorkehrungen treffen müssen, um ihre Emails zu empfangen, wenn sie auf Reisen sind.

Nachdem Microsoft nicht gerade eine durchschlagende Wirkung mit seinen halbherzigen Versuchen erzielt hat, diese Variante zu imitieren, ist das Unternehmen schließlich soweit, ein Produkt auf den Markt zu bringen. Allerdings – Microsoft’s Server ist nicht der einzige Spieler am Pokertisch. Die Unternehmen, die auf Lotus Notes/Domino, Novell’s GroupWise oder Open-Source Systemen laufen, werden sich höchstwahrscheinlich nicht umstellen, da sie bereits mit anderen Möglichkeiten Messages an mobile Nutzer per Push-Methode senden können. Eine andere Sorge der Kunden ist die Abhängigkeit von der letzten Version der Exchange Software.

Obwohl der Exchange Server 2003 sich besser verkauft haben mag, wie alle anderen Versionen zusammen (laut Microsoft) gibt es noch immer tausende von Firmen, die glücklich und zufrieden mit Exchange 2000 arbeiten oder sogar mit der Version 5.5. Wie viele von diesen Unternehmen werden sich wohl dem Umsturz aussetzen wollen, ein Upgrade durchzuführen, nur um ein paar mobile Nutzer zufrieden zu stellen ? Und dann gibt es da noch das Problemchen mit dem Device Support, weil – wie bei so vielen Microsoft Vorstößen – Windows die einzige unterstützte Plattform ist.

Das ist kein Problem für Desktops, aber sehr wohl für Handhelds und Mobiltelefone. Wenn es diesen hinzugefügt wird, dann ist das Direct-Push-System abhängig von dem “Messaging- and Security Feature Pack für Windows Mobile 5.0” – welches nicht vor Oktober verfügbar sein wird.

Microsoft – Riesenmarktanteil bei Mail-Servern
Natürlich besitzt Microsoft bereits einen Riesenbatzen des Markts für E-Mail Server in Unternehmen, wobei Schätzungen zufolge ein Viertel aller Mail-Nutzer in irgendeiner Form an ein Exchange System angebunden sind.

Darüber hinaus – wenn man die Direct-Push Technologie in Exchange selbst einbaut – gibt es keine Notwendigkeit für Middleware mehr, die von den meisten Alternativen benötigt wird, was sowohl die Kosten als auch den Verwaltungsaufwand verringern würde. Auch gibt es noch andere Vorteile – so zum Beispiel die bessere Handhabung von Dateianhängen und die Möglichkeit, Mitteilungen von verloren gegangenen oder gestohlenen Kundengeräten zu löschen.

Und schließlich und endlich gibt da noch den üblichen Microsoft-Effekt, der nicht unterschätzt werden darf. Es gab so viele Bereiche, wo das Unternehmen zu spät auf den Markt gekommen ist – und doch noch mit einer minderwertigen Lösung die Konkurrenz zu Hackfleisch verarbeiten konnte. Dies könnte leicht wieder passieren.