Chip-Rechtsstreit “tangiert IT-Markt nur peripher”
AMDs Klage sorgt dafür, dass Intel die IT “sauber hält”

IT-ManagementIT-ProjekteKomponentenNetzwerk-ManagementNetzwerkePolitikRechtWorkspace

Das Kartellverfahren, das von Intels langjährigem Konkurrenten eingeleitet wurde, lässt die alte Feindschaft wieder aufleben – doch der Wettbewerbsmarkt arbeitet bereits zum Vorteil der Käufer.

Chip-Rechtsstreit “tangiert IT-Markt nur peripher”

Intel und AMD haben sich über lange Zeit hinweg mit Argusaugen beäugt, ähnlich wie Grete vom Kasperletheater, als sie merkte, dass Kasper sich das dicke Ende von der Wurst holte. Jetzt hat AMD die Feindseligkeiten wieder aufleben lassen und gegen Intel Klage eingereicht, wobei es so dargestellt wird, als triebe Intel seit langem Missbrauch mit seinem Monopolstatus. Aber – lässt man mal das öffentliche Sparring beiseite – wird irgendetwas davon die Realität der Menschen beeinflussen, die PCs kaufen?

Gerüchte von Intels finsteren Geschäften machen schon lange die Runde, aber bis jetzt blieben Einzelheiten darüber äußerst rar. Es war ein ziemlich offenes Geheimnis, dass Intel lange das Marketing von PC-Herstellern mit “Soft Dollars” – eine Art Zahlung mittels Investmentfonds – gesponsert hatte; ohne das Geld wäre der Markt aber noch mehr zu einem Blutbad ausgeartet. Und es hat immer eine Menge Geschwätz über Intels plumpes Vorgehen gegenüber solchen Firmen gegeben, die bezüglich ihrer Lieferanten zweigleisig gefahren sind oder den Intel- Markenzeichen gefährlich nahe kamen. Natürlich ging die Firma strikt mit einem Unterlassungsschreiben vor, als Cyrix, ein ehemaliger PC-Chip-Mitbewerber an einem Besprechungsstand ein Schild zeigte, das das Logo “Intel Inside” mit “Cyrix Instead” verhöhnte.

Eine Geschichte voller Missverständnisse
Die Geschichte der Streitigkeiten zwischen Intel und AMD ist eine lange – und häufig amüsant. Sie reicht bis in die späten 80er-Jahre zurück. Damals traf Intel die Entscheidung, Prozessoren der Bauart 386 nicht in weitem Umfang zu lizensieren. AMD beklagte sich, dass – obwohl sie ein Cross-Licensing Abkommen mit Intel hatten -, die Informationen über die Baupläne oft in schlechtem Zustand oder mit fehlenden Seiten eintrafen.

Intel und AMD hatten sogar ihren Auftritt vor Gericht, bei dem es um Namenskonventionen ging – wobei die AMD-Anwälte erfolgreich argumentierten, dass Zahlen nicht dem Copyright unterliegen können. Das führte dazu, dass AMD und andere in die Lage versetzt wurden, 386 und 486 Chips zu vermarkten – und Intel führte die Pentium Nomenklatur ein.

Charismatischer Hahnenkampf
Zwei sehr charismatische Persönlichkeiten – der Intel Chef Andy Grove und der AMD Kontrahent Jerry Sanders – verhielten sich wie Jack Lemmon und Walter Matthau in Grumpy old Men, als wären sie ins Haus von Big Brother versetzt worden.

Die Theorie von Grove – vielleicht entstanden vor dem Hintergrund, dass er dem ungarischen Pogrom entkam – ließ sich am Titel seines Buches Nur die Paranoiden überleben (Only the paranoid survive) erkennen. Indem er sich auf das berühmt-berüchtigte künstliche Gebärdenspiel von “gefälschten” Popstars bezog, bezeichnete er AMD als “das Milli Vanilli von Halbleitern”.

Sanders, ein Genießer der guten Dinge im Leben und deren Befürworter – allerdings in keiner Weise mit dem Ruhm von Colonel Sanders von KFC vergleichbar – war extrovertiert und exzentrisch. Als AMD das Recht zugesprochen wurde, 386-Klone herzustellen, zitierte er den Dichter Robert Browning: “Die Ziele eines Mannes müssen seinen Horizont überschreiten, denn wofür gibt es den Himmel”?

Diese allerneueste Rangelei, die erst kürzlich mit Hausdurchsuchungen kulminierte, könnte für Intel nicht so lustig sein, weil AMD doch einige interessante Anschuldigungen vorzubringen hat. Diese beziehen sich auch auf Michael Capellas, der, als er Vorstandsvorsitzender und CEO von Compaq war, sagte, dass ihm Intel die Pistole an den Kopf gesetzt hätte, indem die Firma Lieferungen von Chips zurückhielt. Und Gateway behauptete, dass Intel sie “zu Brei gemacht hätte”. Intels ehemaliger Vorstandsvositzende Craig Barrett hätte dem PC-Produzenten Acer mit “ernsten Konsequenzen” gedroht, wenn er eine Einführung von AMD unterstützt hätte.

Für den ganz normalen Durchschnittsbürger würde dies bedeuten, dass Intel die Grenzen überschritten hat und seine Verhaltensweisen einer Kontrolle unterliegen müssten. Aber ungeachtet der Begeisterungsstürme aus der AMD Fanriege – Intel ist nun mal seit Generationen der dominante Lieferant von PCs, die im Preis fallen aber in der Leistung steigen. Hinsichtlich der zahleichen Forderungen aus dem Markt geht die Firma eben bis an die Grenzen der Gesetze.

AMD hat bereits Kontrollfunktion für Intel
AMD – so wie Linux bei Microsoft im Softwarebereich – stellt bereits eine mächtige Kontrolle bei der Preisgestaltung dar und stachelt das Unternehmen an, das Leistungsniveau auf höchstem Stand zu halten. In Anspielung auf einen alten Rocksong: “Keep the pedal to the metal”. Wie aktuelle Vergleichstests der Chipmodelle zeigen, sind die Kontrahenten durch ihren Streit immer nur wenig von den Leistungen des Konkurrenten entfernt.

Jeder juristische Urteilsspruch, der nun kommt, sei es in den USA oder in Europa, wird den Anwälten wesentlich mehr Freude bereiten, als den IT-Käufern. Denn die sehen nur nach dem Preis-Leistungsverhältnis – sollen sich die Buben und ihre Groupies doch streiten.