Streamen unter DSL
Bild & Ton übers Web ausstrahlen

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Der Computer hört Radio, sieht fern und spielt Movie-Jukebox. Streaming heisst die Technik, die Bild und Ton über das Web ausstrahlt – empfangen kann jeder.

Bandbreite ist wichtig

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Wie wäre es mit coolem Jazz aus Chicago? Oder Chill-out-Klängen aus San Francisco? Oder soll es etwas Visuelles sein? Die neuesten Nachrichten aus Australien, chinesisches Sport-TV oder Music live mit zappeligen Teeny-Moderatoren aus den USA? Alles ist da per TV-Streaming direkt auf den Monitor.
Allerdings: Filmübertragungen im Netz sind datenintensiv und brauchen Bandbreite. Oft ruckelt die Übertragung oder setzt ganz aus. Ein wenig Suchen fördert aber Livestreams zutage, die erstens interessant sind und zweitens funktionieren. Garantiert tadellos läuft Kino über den Computer: Die Telekom und Konkurrent Arcor bieten zahlreiche Filme online an.
So funktioniert Streaming vereinfacht gesehen: Ein per Internet erreichbarer Server sendet ständig Video- oder Musikdateien. Der Streaming-Client, also der Empfänger, klinkt sich in den Datenstrom ein, holt die Daten, rechnet sie um und zeigt sie an.

MPEG verkleinert Datenmengen
Damit die Streams nicht zu sehr das Netz verstopfen, sind sie komprimiert. In den meisten Fällen kommt ein um MPEG herum aufgebautes Format zum Einsatz. MPEG nutzt beim Komprimieren von Filmdaten einen schlauen Trick: Statt jedes neue Bild im Film als Ganzes zu speichern, landen nur die Änderungen gegenüber dem jeweils vorherigen Bild in der Datei. Denn in den meisten Szenen ist der Hintergrund über Sekunden hinweg identisch und braucht deshalb gar nicht jedes Mal neu gespeichert zu werden.

Bild:
Die Telemetrie ist in der Formel 1 fest verankert. Etwa 100 Sensoren schlüsseln gemessene Werte in rund 1200 Informationskanälen auf. In jeder Runde entstehen ungefähr 4 MByte an Daten.


Radio übers Web

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Wie diese Technik aussieht, ist auf dem heimischen Fernseher zu erkennen, sofern dieser an einer digitalen Schüssel hängt. Bei Landschaftsaufnahmen und ruhigen Szenen ist das Bild brillant. In Actionszenen oder bei schnellen Schwenks allerdings kommt der Datenstrom nicht mehr nach. Wer genau hinschaut, erkennt kleine Klötzchen und Abstufungen. Dieser Effekt tritt noch deutlicher bei Übertragungen aus dem Internet auf. Der Grund: Die meisten Sender schicken ihre Daten sehr stark komprimiert auf die Reise. Manchmal reicht es nur für briefmarkengroße Filmchen in Klötzchengrafik. Höherwertige Streams können es aber schon fast mit dem Fernseher aufnehmen.

Internet-Radio
Überwiegend gute Qualität gibt es dagegen im Internet-Radio, denn bei Ton fallen lange nicht so viele Daten an wie bei einem ganzen Film. Dennoch ist die Komprimierung ebenfalls verlustbehaftet: Der Algorithmus verwirft lediglich Klangdaten, die für das menschliche Gehirn ohnehin nicht wahrnehmbar wären.
Video on Demand unterscheidet sich, technisch gesehen, nur wenig vom Live-Streaming. Da den Zusehern ruckelnde Bilder oder Aussetzer aber nicht zuzumuten sind, verwenden die Video-on-Demand-Anbieter einen einfachen Trick, um die edlen Hollywood-Streifen gut rüberzubringen. Sie übertragen zunächst nur einen Teil der Daten, ohne den Film zu starten. Erst wenn genügend Material im Puffer ist, beginnt die Vorstellung. »Genügend« bedeutet: Die Laufzeit der bereits übertragenen Menge muss so lang sein, dass die Software im Hintergrund den Rest des Films nachladen kann, ohne dass es zu Unterbrechungen bei der Vorführung kommt.


Hardware

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Welche Hardware notwendig ist, um in den Genuss von Streaming zu kommen, hängt vom gewünschten Medium ab. Für den Radioempfang via Internet reicht schon eine ISDN-Karte. Allerdings bleibt der Genuss damit eingeschränkt. Denn erst ab einer Datenrate von 128 kBit/s ist die Qualität ordentlich; höhere Bitraten sind natürlich besser. Wer auf guten Ton Wert legt, kommt um einen DSL-Anschluss nicht herum (DSL 1000 reicht hierfür völlig aus). Der Vorteil: Neben der Musik haben auch noch andere Daten Platz in der Leitung. Surfen oder der Empfang von Mails bremst den Musikgenuss nicht aus.
Auf jeden Fall ist eine Soundkarte notwendig. Die steckt in praktisch jedem PC. Für Filme aus dem Internet braucht es darüber hinaus auch eine einigermaßen flotte Grafikkarte. Es muss aber keine teure Highend-Ausrüstung sein jeder PC, der nicht älter als vier Jahre ist, sollte mit den Filmen aus dem Netz zurechtkommen.

Datenrate > 150 kBit/s
Video verbraucht mehr Bandbreite als Radio. Damit ein solcher Stream überhaupt erkennbar ist, braucht er eine Datenrate um die 100 bis 150 kBit/s. Unterhalb dieser Marke ist nicht viel zu erkennen. Und selbst mit 100 kBit/s lassen sich Details allenfalls erahnen. Interessant werden Videostreams ab 300 kBit/s, aber auch da gibt es noch Probleme, sobald sich auf dem Bildschirm zu viel bewegt.


Media Player

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Die Software ist schon da. Für den Empfang von Streaming-Sendungen genügt in den meisten Fällen die Windows-Bordausstattung. Der Media Player empfängt Radio und TV ohne Probleme. Eine kleine Hürde gilt es allerdings zu überwinden, wenn die Daten in den Formaten Real Audio oder Real Video ankommen. Dann ist ein spezielles Programm gefragt: der Real Player, den es kostenlos unter www.real.com gibt. Ist auch er installiert, läuft alles weitere automatisch. Sobald der Stream aus dem Internet aktiviert ist, startet das zugehörige Programm und spielt die Daten ab.
Video on Demand erfordert dagegen spezielle Microsoft-Produkte: Beim Arcor-Angebot braucht der Zuseher den Windows Media Player. Und wer bei T-Online nach Filmunterhaltung sucht, benötigt den Internet Explorer mit aktiviertem ActiveX. Außerdem geht es mit T-Online nur, wenn auch der DSL-Anschluss beim rosa Riesen geschaltet ist wer sich über einen anderen Provider einwählt, der guckt in die Röhre. Arcor dagegen bietet seine Filme allen Internet-Benutzern an, sofern sie genügend Bandbreite mitbringen.


Abspielsoftware

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Das Web ist voller Musik, nur finden muss man sie. Der Bayerische Rundfunk zum Beispiel bietet Webstreams seiner Programme in den Formaten Windows Media Player und Real Player an. Den Nachrichtensender Bayern 5 aktuell kappt er allerdings nach 35 Minuten. Dann ist erneut ein Druck auf den Play-Button des Windows Media Players erforderlich. Auch viele andere Sender der ARD schicken ihre Sendungen ins Internet. Links dazu gibt es unter www.ard.de/radio.
Natürlich gibt es auch das Programm der Privaten online. Radio Energy etwa bietet auf seiner Homepage www.radio-energy.de einen Livestream an. Der Button Listen Live führt zur Liste der regionalen Stationen, hinter deren Namen sich das Mithörangebot verbirgt.
Doch nur hiesigen Sendern zu lauschen, ist langweilig. Auf in die weite Welt! Schließlich ist das ganze Internet voller Sender. Ein direkter Einstieg führt über den Windows Media Player. Unter Radioempfänger zeigt das Programm eine riesige Auswahl von Radiostationen. Sie lassen sich entweder direkt oder über die mit der Liste verlinkte Website aufrufen.

Player ohne Werbung
Wer es ohne Werbung mag, sieht sich anderweitig um. Zuerst muss ein anderer Mediaplayer her, zum Beispiel Winamp (www.winamp.com) oder der Quintessential Player. Den gibt es unter www.quinnware.com/downloads.php zum kostenlosen Download. Ist er installiert, geht es weiter mit einem Blick auf www.shoutcast.com, wo eine Liste mit hunderten von Sendern steht
, hauptsächlich aus den USA. Übrigens lohnt auch ein Blick auf die Bitrate. Wer genug Bandbreite hat, gönnt sich eine möglichst hohe. Das bringt optimalen Sound. Aber Achtung: Wenn zu viele Hörer gleichzeitig hohe Bitraten fordern, überlastet das den Server, und es kann gelegentlich zu Aussetzern kommen.
Die Entscheidung für einen Stream fällt mit dem Klick auf Tune In schon startet die Abspielsoftware. Wer nach Programmen aus bestimmten Ländern sucht, ist bei www.live-radio.net gut bedient. Hier sind zahllose Sender nach Ländern kategorisiert. Nachteil der Seite: Sie ist dick mit Werbung gepflastert.

Bild:
Nadja Auermann, deutsches Topmodel, schaut gern bei BMW in der Boxengasse vorbei.


Stream aufnehmen

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Und aufnehmen? Tja, die Zeiten, in denen neben dem Kofferradio ungeduldige Finger zugleich über Start- und Record-Taste zitterten, bis der Anmoderator irgendwann zu Ende gequatscht hatte, sind vorbei. Auf eine 90er-BASF-Ferrochrom-Kassette passte ein ganzes Lebensgefühl, und war das Band nicht 30 Sekunden zu früh am Ende, kamen dabei sogar brauchbare Aufnahmen heraus. Zumindest hörten sich die leise rauschenden Bänder auf den 2 x 5-Watt-Anlagen ganz ordentlich an.

Aufnehmen per Software
Das geht heute anders. Einfacher. Mit weniger Rauschen. Sollen eine Radiosendung oder ausgewählte Songs dauerhaft auf der Festplatte landen, braucht man nur die passende Software. Zum Beispiel den Quintessential Player. Wer mehrere Sendungen gleichzeitig aufnehmen möchte, greift zu DSL Radio-Recorder von Data Becker. Damit die Datenmenge beim Aufnehmen nicht zu groß wird, selektieren Filter, welche Art von Musik die Software aufnimmt. (Das Programm kostet bei Amazon rund 14 Euro). Auf der Suche nach Internet-TV ist die Homepage eines bekannten Senders die beste Anlaufadresse. Auf Anhieb Erfolg versprechen meist Nachrichtensender wie n-tv. Unter www.n-tv.de findet sich in der linken Randspalte der Link zum n-tv Live Stream im Real-Player-Format. Auch die Tagesschau zeigt ihre Nachrichten im Netz unter www.tagesschau.de; die neuesten Meldungen gehen unter Livestream über das Netz. Zusätzlich bietet die Seite ausgewählte aktuelle Beiträge zum Ansehen an.

Senderverzeichnis
Mehr Überblick liefert ein Verzeichnis der TV-Sender, das es unter http://wwitv.com/portal.htm gibt. Hier finden Fernsehfreunde rund 3000 Sender aus aller Welt, von Australien bis Zimbabwe. Die Liste versteckt sich hinter der großen Schaltfläche Click here to watch. Internet-TV aufzunehmen mag nicht ganz so reizvoll sein, wie Radioaufnahmen, weil die Qualität selten für großes Heimkino ausreicht. Dennoch lohnt sich ein Versuch. Brauchbar ist WM Recorder, das es unter www.wmrecorder.com für rund 30 Dollar zu kaufen gibt.


Video on Demand

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Spielfilme in voller Länge als Video on Demand bieten T-Online und Arcor an.T-Online hat unter www.t-online-vision.de einen Bestand von 210 Filmen, darunter Highlights wie »The Day after Tomorrow« und »Shrek 2«. All diese Angebote bleiben jedoch T-DSL-Nutzern vorbehalten. Arcor bietet unter www.arcor .de/vod/ derzeit rund 270 Spielfilme für alle an, zum Beispiel »Der Eisbär« und »Nirgendwo in Afrika«. Dazu kommt anderes Material, etwa Dokumentationen der BBC und des Discovery Channel oder Filme für Erwachsene. Bei beiden Anbietern geben Filmtrailer Informationen vor dem Kauf. Diese Vorgucker sind gratis. Trailer gibt es aber auch zum Beispiel unter http://de.movies.yahoo.com/. Dort einen Film aussuchen und in der Übersicht den Trailer ansehen. Zuerst überprüft Yahoo die Player und die Verbindungsgeschwindigkeit. Dann stellt der Dienst die Filmdaten im passenden Format bereit. Für Musikvideos geht es zu http://de.launch.yahoo.com. Neben aktuellen Clips finden sich im Archiv auch Klassiker wie »Stiff upper Lip« von AC/DC.

Sender im eigenen Netz
Im eigenen Netzwerk darf jeder seinen eigenen Sender aufbauen. Der überträgt einen Film auf jeden angeschlossenen Computer. So kann man sich in Ruhe einen Blockbuster auf dem Notebook im Garten ansehen oder einen Hollywood-Reißer in mehreren Zimmern des eigenen Hauses gleichzeitig abspielen ideal, wenn man bei der Arbeit im Haus ein wenig Abwechslung braucht. Die Software für den eigenen Streaming-Server ist gratis im Internet zu haben: der VLC-Mediaplayer. Den gibt es unter www.videolan.org. Dort unter VLC media player mit Download VLC die passende Version holen. Das Programm muss auf dem Sender und auf jedem der PCs installiert sein, der den Stream empfangen will. Übrigens empfangen sämtliche Rechner gleichzeitig; Bild und Ton kommen synchron auf allen angeschlossenen Geräten an.


Webcam-Stream

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Für eine Live-Übertragung aus dem eigenen Haus ist eine Webcam der beste Einstieg. Preiswerte Modelle kosten um die 20 Euro und liefern bereits brauchbare Ergebnisse, die sich sehen lassen können. Und falls die Übertragung nicht ganz so spannend ist, reicht es auch, alle paar Sekunden ein neues Bild ins Netz zu stellen, zum Beispiel bei einer Überwachungskamera.

Webcam installieren
Also zunächst die Webcam installieren: die Treibersoftware auf die Festplatte, dann das Gerät anstecken. Damit die Daten von der Kamera auf einen Server kommen, ist noch ein weiteres Programm notwendig: WebCam Stream 2. Es nimmt von jeder Twain-Quelle in regelmäßigen Abständen Bilder entgegen und speichert sie dann immer wieder unter demselben Dateinamen. Als Speicherort für die Erneuerungsdatei dient entweder die eigene Festplatte oder ein Webserver.
Um die Bilder auf den Webserver zu laden, ist ein FTP-Zugang notwendig, der sonst auch zum Hochladen der HTML-Dateien für die eigene Webseite dient. Benutzername und Kennwort finden sich in der Regel auf der Anmeldebestätigung des Providers oder in der Verwaltung für den eigenen Account. WebCam Stream gibt es gratis unter www.gbcweb.com/wcam.html.