Bomben in London verändern Medienverhalten

Politik

Kurz nach dem Hochgehen der sechs Bomben in London verdoppelte sich der Internet Traffic, waren Websites aufgrund hohen Informationsbedarfes schwer erreichbar und brachen Mobilfunknetze kurzzeitig zusammen.

Nach den Anschlägen vom Donnerstag waren zunächst erst die Mobilfunknetze überlastet: Die Sorge um die Angehörigen oder Freunde führte zu einer massiven Zunahme der E-Mail-Kommunikation, berichtet der britische Ableger des Informationsdienstes internet.com.

Bei Vodafone brach das britische Netz kurzzeitig zusammen, doch auch O2, T-Mobile und Orange meldeten “Verstopfung”. Und so wichen die User auf das Internet aus und verdoppelten den E-Mail-Traffic schon ab kurz nach 9 Uhr (die erste Bombe ging eine Viertelstunde zuvor hoch), weiß die Sicherheitsfirma MessageLabs aus ihrer Beobachtung des Mailaufkommens zu berichten.

Die Netzwerkinfrastrukturen waren in Ordnung, melden die beiden größten britischen Betreiber Cable&Wireless und BT. Die Zugriffe auf Websites wie BBC allerdings waren so stark, dass die Server von Fernsehsendern und Tageszeitungen wirkten, als seien sie offline. Wohl, weil sich während des gestrigen Bombenattentats von London viele britische Journalisten auf dem G8-Treffen in Schottland befanden, konzentrierte sich die Berichterstattung aber vor allem auf private Weblog-Beiträge und Foto-Handy-Schnappschüsse – in bisher noch nicht einmal von der Tsunami-Berichterstattung erreichtem Ausmaß.

Beim Foto-Sharing-Service Flickr.com veröffentlichten die Nutzer zahlreiche Bilder von Digicams und Handys – noch aufgenommen, bevor Pressefotografen eintrafen oder die Straßen schlichtweg gesperrt wurden. Eine der meistgezeigten Aufnahmen stammt vom Blogger Adam Stacey, der mit seinem Fotohandy ein Bild schoss, nachdem er sich mit mehreren anderen aus einer feststeckenden U-Bahn befreien konnte. Andere Londoner Blogger ergänzten Staceys Schnappschüsse auf Moblog.co.uk und trugen Informatives bei, was später von etablierten Medien zitiert wurde. Die BBC forderte Web-User auf, eigene Erfahrungen beizusteuern und berichtete so weitaus umfassender als deutsche und österreichische Sender, die sich in Sondersendungen vor allem auf Hintergründe und Historie (?Briten im Irak? usw.) konzentrieren mussten.

Das Internet scheint offenbar auch von den Terroristen genutzt zu werden: Eine europäische Jihad-Gruppe, die dem AlQauida-Netz zugerechnet wird, veröffentlichte hier ihr Bekennerschreiben. Die Behörden prüfen allerdings noch immer dessen Echtheit. (mk)

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