“Mergers&Apprehensions”
Probleme werden ausgeblendet bei IT-Fusionen

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Es gibt gute Gründe dafür, warum IT Manager nervös werden, wenn Lieferfirmen ein Teil von Übernahmen sind. Martin Butler fasst es unter dem abgewandelten Stichwort “Mergers & Apprehensions” zusammen.

“Mergers&Apprehensions”

Im Moment gibt es in der IT Industrie eine Menge von Fusionen und Übernahmen, neudeutsch auch “Mergers and Acquisitions” genannt, bei denen große Anbieter einige ihrer kleineren Kontrahenten mit Haut und Haaren verschlingen.

Da stellte sich mir doch die Frage, ob es irgendeinen anderen Industriezweig gibt, wo die Übernahme eines Lieferanten durch einen anderen solch schwerwiegende Auswirkungen auf die Endnutzer hat. Da tauscht man schnell “Aquisitions” durch “Aprehensions” aus – Sorgen.

IT ist kein Schinkenbrot!
Die Nachricht, dass Heinz die Firma HP Sauce gekauft hatte, hat mich nun nicht gerade mit der Sorge erfüllt, ob ich etwas zum Bestreichen meines Schinkenbrots habe, aber wenn ich ein IT-Chef wäre, würde mich die Übernahme von StorageTek durch Sun wohl einige schlaflose Nächte kosten – nicht, weil Sun die Technologie von StorageTek radikal ändern wird, sondern einfach weil es einfach in der menschlichen Natur liegt, sich Sorgen zu machen, wenn der Lieferant in andere Hände übergeht. Insbesondere, wenn Ihr Unternehmen von einem bestimmten System abhängig ist.

Es sind nicht nur die Übernahmen, die Probleme machen. Apple’s Entscheidung, sich auf Intel Chips umzustellen, hat den Markt erschüttert (zumindest den kleinen Teil des Marktsegments, wo die Kunden die Apple-Technologie das Rückgrat der Firma bilden). Auch hat dies die Wiederverkäufer in die nicht gerade beneidenswerte Position gebracht, dass sie versuchen müssen, mögliche Kunden davon zu überzeugen, dass ihnen keinerlei Nachteile daraus entstehen, wenn sie ein Gerät mit einem Chip für die klobigen IBM-kompatiblen PCs kaufen. Das mag zwar wahr sein, aber die Kunden sind misstrauisch.

Argumentationsprobleme für Wiederverkäufer und Gleichgültigkeit der Presse
Überraschend für mich ist die Gleichgültigkeit, mit der die Ankündigungen von Übernahmen aufgenommen werden. Ein Analyst von der Butler Group wurde von einem Journalisten aufgesucht, der einen Kommentar zu Sun Microsystems haben wollte. Da dies kurz nach der Ankündigung der Übernahme von StorageTek geschah, hatte sich der betreffende Analyst verständlicherweise darauf vorbereitet, eine Stellungnahme darüber abzugeben, welchen Einfluss dies sowohl auf die Kunden von Sun als auch die von StorageTek haben würde. Dies aber war nicht das Anliegen des Journalisten. Seine Fragen bezogen sich auf Suns Ankündigung einer 50 Millionen Dollar schweren Werbekampagne.

Ein anderes Beispiel aus dem Softwarebereich – die Übernahme von Niku (dem Anbieter für Unternehmens-Management Software) durch Computer Associates – scheint im Großen und Ganzen ziemlich unbemerkt über die Bühne gegangen zu sein.

Betrachtet man es nur aus dem Blickwinkel der Technologie oder der Funktionalität, so mag es sein, dass die Übernahme eines Anbieters durch einen anderen keinerlei Auswirkungen hat. Einige Übernahmen geschehen ausschließlich, um das Angebot zu erweitern oder eine Lücke bei der Technologie des Käufers zu schließen. Jedoch dreht es sich bei der Wahl der Software nicht immer um die Funktionalität.

Gibt es später noch den gleichen Support?
Wenn eine strategische Entscheidung getroffen wird, Software zu implementieren, dann stellt das Support-Netz, welches der Anbieter offerieren kann, ein sehr wichtiges Kriterium dar. Nach einer Übernahme kann es aber geschehen, dass der Endnutzer plötzlich mit einer Firma zusammenarbeiten muss, die er gar nicht will. Diese Überlegungen sollten nicht einfach als Bagatelle abgetan werden. Bei mehr als einer Gelegenheit haben mir Kunden erzählt, dass ihre Wahl auf ihrer Überzeugung basierte, dass der Anbieter A ein besseres Unternehmen sei als der Anbieter B.

Am Ende geht es um die Ebene, auf der die Implementierung erfolgen soll. Man kann sein Ketchup austauschen, wenn man die Firma Heinz nicht mag – aber es ist nicht so einfach, ein essentielles Stück der organisatorischen Infrastruktur einfach so herauszureißen.

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