Sechs Fragen zu HDTV
Alles HDTV, oder was?

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Wer HDTV einmal live gesehen hat, will nie mehr Standard-TV im PAL-Format sehen. Doch was ist eigentlich HDTV? Welche Standards gibt es? Und lohnt die Investition in einen sündhaft teuren Flachbild-Fernseher schon heute?

Wann kommt HDTV endlich in Deutschland?

Sechs Fragen zu HDTV

Es ist bereits da nur kaum einer kann es mangels tauglicher Hardware empfangen. Sat 1 strahlt bereits gelegentlich Champions-League-Spiele in der HD-Auflösung 1080i aus und die Konzernschwester Pro Sieben sendet Spielfilme parallel zum normalen Programm auch in HD. All das spielt sich aber nur über Satellit ab, da die Kabelnetzbetreiber noch keine Einigung mit den Sendern über HD-Kanäle getroffen haben. Stefan Schott, Sprecher von Kabel Deutschland, ist sich aber sicher, dass Anfang 2006 also rechtzeitig zur WM hierzulande auch HD-Programme im Kabel zu finden sind.

Der Pay-TV-Sender Premiere will ab November drei eigene HD-Kanäle starten: Ausgewählte Sportereignisse, Spielfilme und Dokumentationen werden dann 24 Stunden lang pro Tag in HD gesendet. Formel-1-Rennen gehören jedoch noch nicht dazu: Frühestens ab 2006 rasen die Fahrer in HD. Dafür sehen Premiere-Kunden die Fußball-WM bereits in 1080i über Satellit und Kabel.

Weit hinten dran sind ARD und ZDF: Laut ARD-Sprecher Rudi Küffner ist HDTV für die öffentlich-rechtlichen Sender zwar schon seit Jahren ein Diskussionsthema die Zuschauer profitieren aber erst 2008/2009 davon. Vorher rechnen die Sender nicht mit ausreichend HDTV-Hardware in deutschen Wohnzimmern. Immerhin: Die WM 2006 wird im Breitbildformat 16:9 ausgestrahlt aber in PAL (720 x 568 Pixel Auflösung).


Was brauche ich für HDTV?

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Keinesfalls einen Röhrenfernseher: Die althergebrachten Modelle können mit den hohen Auflösungen von 1280 x 720 Pixel (720p) oder gar 1920 x 1080 Pixel (1080i) nichts anfangen. Einzig Plasma-, LCD- oder Rückprojektionsgeräte kommen mit den beiden HDTV-Auflösungen klar.

Außerdem muss eine HD-taugliche Settop-Box ins Haus, da HDTV nur digital als MPEG-4-Signal empfangbar ist damit kann kein Fernseher ohne externe Hilfe arbeiten. Ausgestrahlt wird das Signal über Satellit per DVB-S2 (Satellit) oder Kabel (DVB-C). Noch gibt es diese Boxen nicht, da erst vor kurzem alle Standards festgeklopft wurden und die Hersteller erst jetzt die notwendigen MPEG-4-Decoder-Chips bauen können.

Um auf einen Blick klarzumachen, ob Fernseher HD-tauglich sind, hat sich die Industrie auf das HD-Ready-Logo verständigt. Produkte, die dieses Logo tragen, erfüllen alle technischen Spezifikationen, um hochauflösenden TV-Genuss zu bieten.


Was heißt HD-Ready?

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Mit dem Anfang 2005 eingeführten HD-Ready-Label dürfen sich nur Fernseher oder Beamer schmücken, die folgende Spezifikationen erfüllen: Das Gerät muss 720p oder 1080i in 50 und 60 Hertz darstellen können, ein 16:9- oder 15:9-Format bieten und eine geeignete analoge Komponenten-Schnittstelle (Scart, BNC, Cinch) sowie digitale Schnittstellen haben. Zu Letzteren gehören DVI und HDMI, die obendrein das Verschlüsselungsverfahren HDCP (High Bandwidth Digital Content Protection) beherrschen müssen. Damit wird der Wunsch der Filmindustrie erfüllt, perfekte digitale Kopien der ausgestrahlten Sendungen und Filme zu verhindern.

Beim Kauf eines Fernsehers oder Beamers führt kein Weg an HD-Ready vorbei. Finger weg von vermeintlichen Schnäppchen ohne das Logo oder ein ähnlich aussehendes. Diese Geräte sind nicht zukunftssicher, stellen nur niedrige Auflösungen dar und sind im schlimmsten Fall hinausgeworfenes Geld.


Soll ich mit dem Kauf eines neuen Fernsehers noch warten?

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Die Antwort ist ein klares »Jein«. Trägt das Wunsch-Gerät das HD-Ready-Logo, ist es auch heute schon fürs Fernsehen der Zukunft gerüstet der Investitionsschutz ist also schon mal sichergestellt.

Da die großen Flachbildschirme aber einem riesigen Preisdruck unterliegen und Abschläge von 25 bis 30 Prozent pro Jahr noch die Regel sind, zahlt sich Abwarten aus. Wessen alter Röhrenfernseher noch ein wenig durchhält, sollte bis zum Weihnachtsgeschäft 2005 warten und dann im üblichen Preiskampf einsteigen. Ewig wird der Preisverfall aber nicht weitergehen, da die Hersteller keinen letztlich ruinösen Wettlauf untereinander wollen.

Keinesfalls sollte jetzt eine digitale Settop-Box gekauft werden. Die ist in sechs Monaten veraltet, da sie momentan lediglich mit MPEG-2-codierten Sendungen zurechtkommt, nicht aber mit dem zukünftig notwendigen MPEG-4.


Was ist die beste HDTV-Auflösung: 720p oder 1080i?

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Hier gibt es einen kleinen Glaubenskrieg. Auf dem Papier liegt 1080i scheinbar vorne, da die Zeilenzahl (1080) höher ist als bei 720p. Das »i« in 1080i steht aber für »interlaced« und zeigt an, dass das Bild wie bei PAL aus Halbbildern zusammengesetzt wird. Die effektive Zeilenzahl ist also nur 540.

Bei 720p wird das Bild »progressiv«, also aus Vollbildern mit echten 720 Zeilen aufgebaut. Somit wird aus der kleineren Zahl die größere viel hilft eben nicht immer viel.

Grau ist alle Theorie und die Realität sieht wie so oft anders aus. Denn es gibt de facto kein in 720p produziertes TV- oder Filmmaterial, so dass Premiere & Co. in 1080i ausstrahlen müssen. Dies führt in jedem Fall zu Qualitätsverlusten, da alle Flachbildschirme das Bild umrechnen müssen: Die Displays arbeiten ungeachtet der physikalischen Zeilenzahl alle progressiv, so dass immer ein Deinterlacer eingreifen muss.

Dies führt laut dem deutschen HDTV-Guru Dr. Dietrich Westerkamp von Thomson zu Artefakten im Bild. Da die Datenrate der ausgestrahlten Programme aber ohnehin bei maximal 8 MBit/s liegt, ist die Qualität des ankommenden Signals nicht hoch genug, um die Fernseher technisch auszureizen.

Nach Ansicht von Westerkamp lohnt sich daher die Investition in ein 1080er-Display nicht, 720p reichen fürs Fernsehen vollkommen aus. Einzig bei 1080p-Bildern vom PC spielen die sündteuren und raren 1080p-TVs ihre Stärken aus. Noch gibt es aber keine Filme in dieser Qualität und das Fernsehen wird aus Kostengründen in den nächsten Jahren nicht in 1080p senden.


Plasma, LCD oder Rückprojektion?

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Eins vorweg: Die angeblich kurze Lebensdauer der Plasmas ist ein Ammenmärchen. Die Hersteller geben eine Lebenszeit von 30 000 bis 50 000 Stunden an. Erst dann sinkt der Weißwert um die Hälfte. Herkömmliche Röhrenfernseher halten 10 000 Stunden und damit über 10 Jahre. Und sind bis heute bei der Bildqualität ungeschlagen. LCD und Plasma kämpfen mit schlechteren Schwarzwerten und LCDs zudem (noch) mit hohen Reaktionszeiten und damit Schlieren bei schnellen Bildern. Nicht zu vergessen ist der immense Energiehunger von großen Plasmas: Bis zu 450 Watt schlucken die Riesen. Große LCDs begnügen sich mit 80 Watt.

Als Faustregel für den Kauf gilt: Soll der Schirm größer sein als 36 Zoll, scheiden LCD-Geräte aus. Bei diesen Diagonalen sind Plasmas um ein Mehrfaches günstiger. Wer genügend Stellfläche hat, fährt ab 45 Zoll auch mit Rückprojektionsgeräten gut diese sind bis hinauf zu 64 Zoll unschlagbar preiswert.

Die Display-Größe bestimmt den Sitzabstand. Das Drei- (42 Zoll) bis Fünffache (50 Zoll) der Diagonalen sollte es sein. Bei einem 50-Zoll-Plasma also mindestens fünf Meter eine Herausforderung für jedes Wohnzimmer. Rutscht der Betrachter näher ans Gerät, kann es zu Schwindelgefühlen kommen.

Vor dem Kauf eines teuren Geräts gilt: Unbedingt den Fernseher im Geschäft testen. Am besten mit der Lieblings-DVD und bei einem Händler, der HD-Sender zu bieten hat das können im Moment nur wenige.