Telearbeit: Bedrohung durchs Home Office?
Heimarbeitsplätze, Demotivierung und Lust auf Schokolade

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Instant Messaging, Intranets und Voice over IP Dienste drohen, den Spaß an der Heimarbeit zu verderben.

Telearbeit: Bedrohung durchs Home Office?

Während ich dies schreibe, arbeite ich von zuhause aus. Es ist ein seltenes Vorkommnis – egal, was die Jungs im Büro auch denken mögen.

Den heutigen Tag habe ich bis jetzt damit zugebracht, dass ich beim Zahnarzt war, ein Eichhörnchen durch den Garten gejagt habe, ein Sandwich gegessen und ein kleines Nickerchen gemacht habe. Und dank der Jerry Springer Show bin ich jetzt darüber informiert, dass ein Mann mit zu vielen Zähnen der natürliche Vater eines Kindes mit zu wenig Zähnen ist. Falls es Sie interessiert, beide Seiten sahen enttäuscht aus, als sie diese Nachricht hörten.

Während meiner Auszeit (also auch der Downtime des Computers, wenn ich mal so sagen darf) schwatzte ich mit dem Nachbarn, habe die Abfalleimer reingebracht, zappte müßig durch die Kanäle des digitalen Fernsehens und habe das Haus von oben bis unten auf den Kopf gestellt, um irgendwo noch ein Stückchen Schokolade zu erhaschen.

Dann sah ich mir den größten Teil eines Science-Fiction Remakes von Akira Kurosawas “Die sieben Samurai” an. Vielleicht, weil ich mit solchen Sprüchen konfrontiert wurde wie “hört mich, ihr Wesen von Akir. Ich bin Sador von den Malmori-Mutanten. Ich bin mit meinen Streitkräften gekommen, um euch zu erobern. Wenn Ihr Widerstand leistet, werde ich euch zermalmen!” bin ich mir nicht mehr sicher, ob das Arbeiten von zuhause aus letztendlich wirklich so eine gute Idee ist.

“Wenn ich jede Stunde oder so ungefähr eine E-Mail sende, wird es schon so aussehen, als ob ich feste beim Arbeiten bin.”

Wohlgemerkt, was die Leute im Büro nicht wissen, stört sie auch nicht und ich schätze, wenn ich so ungefähr jede Stunde eine E-Mail sende, wird es schon so aussehen, als ob ich feste beim Arbeiten bin. Als ein Bonus ist das Haus jetzt drahtlos vernetzt; das heißt, dass ich Mails bequem auch aus der Badewanne abschicken kann – und keiner weiß Genaueres. Aber nicht, dass ich gerade gebadet hätte! Auch habe ich mich nicht in meinen Instant Messaging Client eingeloggt. Wenn dies auch seltsam klingen mag, weil man dadurch doch seine Anwesenheit demonstrieren kann…. aber IM hat so seine Nachteile.

Es gibt zwei Gründe dafür, ihn nicht zu aktivieren. Zum einen: Schaltet man den Instant Messenger ein, ist daran auch die Webcam angeschlossen, und in dem Fall muss ich an meine Privatsphäre denken. Einmal, als ich mich in einem sehr dünnen Leinwandzelt befand, habe ich eine Kerze angezündet, um Licht zu haben, damit ich eine Salbe an einer besonders kritischen Stelle auftragen konnte – und seitdem ist mir mehr als bewusst, wie leicht eine Kombination von unerwarteten Lichtverhältnissen und einer unglücklichen Körperstellung das Ansehen eines Mannes in Gefahr bringen kann. Also versuche ich heutzutage, meine Privatsphäre mit dem gleichen Eifer zu schützen, wie die Ladies vom Frauenfitnessclub ihre Orangenhaut zu verbergen suchen.

Zweitens haben wir keinen offiziell sanktionierten Instant Messenger Client in der Arbeit, so dass ich dort niemandem die genauen Einzelheiten über meinen Aufenthaltsort mitteilen muss – oder zeigen muss, was ich tatsächlich gerade vorhabe.

Überwachungstools für Arbeitgeber
Andere Mitarbeiter haben nicht so viel Glück wie ich. Sie sind mit Instant Messenger als Arbeitspflicht ausgestattet, was bedeutet, dass ihre Arbeitgeber immer wissen, wann sie online sind, ob sie am Telefon sind oder gerade abwesend oder “gleich wieder zurück”. Sie wissen auch, dass sie, da die Person sich zumindest in der Nähe des Anschlusses aufhält, im Falle der Notwendigkeit eine Frage auf den Mitarbeiter abfeuern können und relativ schnell eine Antwort erhalten.

Andere Teleworker haben das Pech, ein Portal oder ein Intranet zu haben, in das sie sich einwählen oder einklicken können, was sie dann sehr effektiv an ihre Schreibtische bindet, sei dies nun zu Hause, in einem Internet Café oder per Verdrahtung im Fond eines Kleinbusses mitten in der Serengeti. Noch schlimmer ist, dass einige jetzt Voice-over-IP-Telefone im Büro haben – diese könnten durch ein Headset ausgetauscht und per Breitbandverbindung von überall genutzt werden.

Ich bin ganz froh, dass ich solcherlei Ausrüstung nicht habe. Denn je mehr solche Technik mich kontrolliert, desto weniger Sonnenlicht werde ich sehen, und umso größer wird mein Arbeitspensum. Das ist der Haken an der ganzen Sache…. ach ja, und da ja auch die Schokolade!