Böse Falle Handy-Töne
Klingelton-Abo: Geld weg

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Dass Klingeltöne alles andere als kostenlose Spielereien sind ist mittlerweile bekannt. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.

Klingeltöne auf allen Kanälen

Böse Falle Handy-Töne

Er meint die Jamba-Gründer, wenn Blogger Johnny in seinem Spreeblick-Weblog schreibt: »Ihr könnt sie aber auch anspucken.« Falls man denen mal zufällig auf der Straße begegne. Im Internet schlägt Jamba und anderen Klingeltonanbietern überhaupt wenig Sympathie entgegen. Die Leute sind genervt von den immer gleichen Werbespots im Musikfernsehen mit der Partybiene, dem Küken Sweety und Dutzenden anderer Kreaturen. Schwerer wiegt jedoch der Vorwurf, Klingeltonanbieter wie Jamba würden Kinder und Jugendliche abzocken, häufig haarscharf an der Grenze zum Illegalen. Auch diese Aussage lässt sich dutzendfach in Diskussionsforen, Weblogs und Artikeln nachlesen.
Unser Selbstversuch beginnt auf MTV, denn dort muss man auf einen passenden Werbespot nicht lange warten: zum Beispiel für den »besoffenen Hirschen«, der fortan auch auf meinem Handy als Klingelton röhrt sofern ich eine SMS mit dem Inhalt »801« für Mono Nokia, »802« für Polyphon oder »803« für Real Music an die 333 33 schicke. Diese Info ist gut lesbar, und auch der Sprecher erzählt das klar und deutlich. Ganz oben werden in einer schmalen Laufleiste die unterstützten Handymodelle angezeigt. Ist mein T610 dabei? Keine Ahnung, das Ding scrollt schneller, als ich gucken kann.


Kleingedrucktes

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Immerhin schaffe ich es, das Kleingedruckte ganz unten zu lesen, indem ich mich meinem Fernseher auf fünfzig Zentimeter nähere: »Je 3 Töne, 15 Logos, 9 Software für ? 4,99/
Monat als Guthaben in diesen Sparabos (+ Transport). Kündigung: Stopton an 333 33.« Sparabos? Plural? Schließe ich etwa mehrere Abos ab? Ich bin gespannt. Während der Hirsch ein letztes Mal singt, überprüfe ich noch das Guthaben auf meinem Prepaid-Handy: 30 Euro und 96 Cent. Ich tippe »802« und schicke die SMS an Jamba ab. Und warte.
Keine fünf Sekunden später bestätigt mein Handy, dass die SMS angekommen ist. Fast gleichzeitig habe ich auch schon Post von Jamba. Ein Klingelton? Nein, eine Info-SMS: »Noch 4 Nano Töne + 15 Logos + 10 Software + News + WAP im Jamba! Sparabo. Ende sende Stopnanopoly an 333 33. www.jamba.de. Fragen? 01 80-555 48 90« Moment. Abgesehen davon, dass die Angaben zu Leistungsumfang und Stoppwort irgendwie vom TV-Spot abzuweichen scheinen: Muss ich denn hier nichts weiter bestätigen, ist das Abo etwa schon abgeschlossen? Die freundliche Blechstimme vom Debitel-Kontoservice bringt Klarheit:
»Ihr aktuelles Xtra-Guthaben beträgt 25 Euro und 78 Cent.« Macht fünf Euro und 18 Cent weniger, inklusive 19 Cent für die Bestell-SMS und das in nicht mal zehn Sekunden. Das Geld ist weg, doch vom Klingelton ist nichts zu sehen.

Bild: Die Werbefiguren von Jamba mag nicht jeder. Brutale Zeitgenossen bastelten bereits diverse Spiele, deren Ziel zum Beispiel das Metzeln von Küken Sweety ist: www.estatica.de.


Kostenkontrolle

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Was tun? Ich beschliesse zunächst, Beweise zu sichern. Am Vortag hatte mir die Mitarbeiterin der Jamba-Pressestelle noch versichert, dass es auch für Besitzer von Prepaid-Karten die volle Kostenkontrolle gebe: »Bei Prepaid-Handys sind die Rechnungen online einsehbar.« Doch wo? »Beim Netzbetreiber«, ergänzte sie.
Also wage ich mich nun auf die T-Mobile-Seite, registriere und logge mich bei Mein T-Mobile ein. Das Ergebnis, wenn ich auf die Menüpunkte Rechnung und Kundendaten klicke: »In dieser Dienstekategorie können wir Ihnen aufgrund Ihres Vertragsverhältnisses leider keine Anwendungen anbieten.« Nun gut, ich bin ja eigentlich Debitel-Kunde. Doch auch da: Fehlanzeige. Die Bereiche Kundenservice und Online-Rechnung funktionieren nicht für Prepaid-Kunden. Vorläufiges Fazit des Selbstversuchs: Weniger Geld, kein Klingelton und kein Beweis.


Handshake-SMS

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Klarheit erhoffe ich mir von einem Anruf bei der Jamba-Pressestelle. Die weiß jedoch auch nicht weiter, vermittelt mich an den Kundendienst. Der wiederum ist überlastet, verspricht jedoch einen Rückruf, der auch erfolgt. Zumindest der Grund für den fehlenden Klingelton findet sich rasch: »Sie müssen die Erlaubnis für WAP-Pushs von Bestätigung auf Immer umstellen«, erklärt mir die Mitarbeiterin und bestätigt, dass bei den meisten Handys in der Standardeinstellung der Empfang der Klingeltöne nicht möglich sei.
Einen Jamba-Mitarbeiter später kenne ich schließlich auch den Grund für die fehlende Bestätigungs-SMS: »Das hat nichts mit Ihrem Handy zu tun, die SMS-Zentralen einiger virtueller Netzbetreiber wie Debitel oder Mobilcom sind derzeit nicht in der Lage, eine Handshake-SMS rauszuschicken.« Mit anderen Worten: Kunden dieser Betreiber, egal ob mit Prepaid-Karte oder Vertrag, werden ohne Rückfrage um die Abogebühr erleichtert. »Wir sind da aber dran, in zwei Monaten ist das Problem behoben. Bislang hat sich aber ohnehin niemand beschwert«, ergänzt der Mitarbeiter. Und ich solle doch bitte darauf verzichten, seinen Namen zu veröffentlichen.
Ich verspreche es, will aber noch den Grund für die unterschiedlichen Mengenangaben im TV-Spot und in der Info-SMS wissen. »Das ist wohl einfach ein Fehler«, sagt er, doch wie viele Klingeltöne, Logos und Softwarepakete mir nun tatsächlich zustehen, wisse er leider nicht. Die nächste Mitarbeiterin weiß es: »Die SMS hat Recht.« Und: Beide Stoppwörter funktionieren. Immerhin ein Trost.


Reklamationen

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Jamba sieht das Problem also bei Debitel und Mobilcom. Doch zumindest Debitel will davon nichts wissen und gibt den schwarzen Peter zurück. »Die Vermarktung und der Buchungsprozess der Dienste sind komplett in der Verantwortung von Jamba«, sagt Debitel-Pressesprecherin Elke Schwarzer. »Debitel hat Jamba bereits seit längerem instruiert, dabei eine Bestätigungs-SMS zu versenden.«
Mobilcom-Pressesprecher Bernd Eilitz hingegen gibt der Jamba-Darstellung Recht. »Mobilcom hat derzeit nicht die technischen Möglichkeiten, Handshake-SMS abzuschicken«, sagt er. Betroffen seien neben Jamba auch alle anderen Premium-Content-Anbieter, man stehe aber in Kontakt und arbeite an einer Lösung. Informiert werden die Kunden nicht, dass diese Funktion im Moment noch fehlt: »Würden Sie als Supermarktbesitzer anpreisen, dass Sie ein bestimmtes Produkt nicht führen?«, wirbt Eilitz um Verständnis.
Wenn Ihnen als Klingelton-Käufer ein ähnliches Problem widerfährt, sollten Sie sich sofort an die Service-Hotline wenden; im Falle von Jamba: (018 05) 55 48 90. Das gilt zum Beispiel auch bei Fehlbestellungen, für Erziehungsberechtigte, die erst im Nachhinein von der Klingeltonbestellung ihres minderjährigen Kindes erfahren, oder für Kunden, die ihr Abo nie genutzt und dennoch regelmäßig bezahlt haben. Jamba bucht in solchen Fällen das Geld zurück, »aus Kulanzgründen und ohne Anerkennung einer Rechtspflicht«, wie die Pressestelle betont.
Noch in diesem Sommer soll eine Neuregelung des Telekommunikationsgesetzes in Kraft treten die Handshake-SMS wird dann zur Pflicht. Diese Werbung wird sicher nicht auf MTV oder Viva laufen: Der Gag des Internet-Künstlers Tulac steht stattdessen zum Beispiel auf www.lachschon.de.


Jamba vs. Wahrheit

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Journalisten mit Interview-Wunsch bekommen von Jamba eine umfangreiche FAQ-Liste zugeschickt. Wir haben einige der Aussagen überprüft.

Jamba: »Wir weisen in jeder TV-Werbung mit einem Textzusatz auf die Abo-Bedingungen hin und auch der Sprecher weist laut und deutlich darauf hin.«
Wahrhei
t:
Der Sprecher gebraucht allenfalls die Floskel »Hol dir ? im Jamba-Sparabo«. Die Abobedingungen erklärt er mit keinem einzigen Wort.

Jamba: »Jamba legt von Anfang an großen Wert darauf, dass das Angebot und damit verbundene Kosten transparent und nachvollziehbar sind.«
Wahrheit: Der Preis und das Wörtchen »/Monat« sind nur im Kleingedruckten des TV-Spots lesbar, während gleichzeitig der Sprecher, das Video und eine weitere Laufzeile davon ablenken. »Problematisch gerade bei Kindern ist, dass sich die meisten nicht für Kleingedrucktes interessieren«, sagt Jugendforschering Karin R. Fries (siehe auch den Kasten auf Seite 171).

Jamba: »Es besteht keine Kündigungsfrist.«
Wahrheit: Die Kündigung wird zum Ende des laufenden Monats wirksam. Und: »In dem Fall, dass du am letzten Tag eines Monats kündigst, wird deine Kündigung erst zum Ende des Folgemonats wirksam«, heißt es auf jamba.de.

Jamba: »Kernzielgruppe sind Männer und Frauen zwischen 16 und 29 mit hoher Affinität zum Thema ?Mobile Entertainment?«
Wahrheit: »Da bereits mehr als 50 Prozent der Elf- bis Zwölfjährigen über ein Handy verfügen, sind sie ebenfalls Zielgruppe«, so Fries.