Schicke Media-PCs als Rettung für PC-Anbieter?
Handel mit Standard-PCs ist wirtschaftlicher Selbstmord

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Die Nachfrage nach Desktop-PCs sinkt. Das ist eine Tatsache, und für diejenigen Integratoren, denen es schwer gefallen ist, sich auf die Notebook-Produktion umzustellen, wird der Versuch, mit Desktops ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, schnell zu einem Ding der Unmöglichkeit.

Schicke Media-PCs als Rettung für PC-Anbieter?

Wenn man nicht einen sehr guten Draht zu den örtlichen mittelständischen Unternehmen hat und dazu noch das Glück, seine Geschäfte mit den loyalsten Kunden der Welt zu betreiben, ist der Handel mit PCs allein wirtschaftlicher Selbstmord. Sogar PC-Integratoren, die versucht haben, eine bestimmte Zielgruppe von Verbrauchern anzulocken, haben festgestellt, dass dies ein undankbares Unterfangen ist.

Die großen Marken verkaufen die Geräte so billig über die großen Handelsketten, dass es unmöglich ist, einen Preiskampf durchzuführen. Mittlerweile hält Dell ganz absichtlich seine Preise niedrig, um seine Konkurrenten in die roten Zahlen zu treiben. Die dramatische Konsequenz ist, dass viele mittelständische PC-Integratoren und kleine PC-Schrauber mit dem Rücken zur Wand stehen.

Heutzutage, wo die ganze Welt auf Mobilität schwört und verrückt nach Notebooks ist – wie kann man da noch Geld verdienen mit den “popelig” einfachen Desktop-PCs? Offen gestanden – nirgends, wenn man nicht eine Nische findet oder einen neuen Markt ausschöpft – wie eben die Media Center PCs zum Beispiel.

Jahrelang kaum Innovationen bei Desktops
Hinsichtlich der Consumer-PCs hat sich lange Zeit nicht viel geändert. Die Grafikkarten sind schneller, die Festplatten sind größer und 512 MByte bis 1 GByte für den Arbeitsspeicher sind auch schon ein alter Hut. Aber abgesehen vom Verkaufsprinzip “kleiner-größer-schneller” hat es keine wirkliche Innovation gegeben.

Media Center PC müssen nun nicht gerade einen massiven technologischen Durchbruch bedeuten, aber sie helfen, die Art, wie die Menschen PCs verwenden, zu revolutionieren. Im Gegensatz zu Ihrem alten PC, der wie ein hässliches Monster in der Ecke Ihres IKEA-Wohnzimmers steht, sind die Media PCs an der Spitze modernen Designs für Unterhaltungselektronik.

Sie sehen eher wie DVD-Player aus, die an den Fernseher angeschlossen werden können, und die aktuelle Version des MediaCenter-Betriebssystems funktioniert gut. Die Mauer, die den PC vom Rest der Unterhaltungselektronik eines Nutzers trennte, ist damit niedergerissen. Aber werden Media Center nun scharenweise verkauft? Nein.

Zumindest nicht laut IDC. Dessen Bericht über die Verkäufe im PC-Bereich für das erste Quartal 2005 besagt, dass Media Center PCs “wiederum mit relativ kleinen Umsätzen präsent waren”.

Das ist nun nicht gerade begeisternd, aber es gibt kaum Zweifel, dass Media PCs eine größere Rolle auf dem Markt spielen werden. Potentielle Kunden sind noch in der ‘Aufklärungsphase’. Die Leser von PC-Zeitschriften und die Technik-Begeisterten (“Early Adopters”) sind gut dabei, aber die Massen müssen noch erreicht werden.

Wenn erst einmal die großen Markenhersteller und Handelsketten im Verlauf des kommenden Jahres intensive Marketingaktionen starten werden, wird sich dies alles ändern. Die Frage ist, ob die Media PCs für den durchschnittlichen Integrator zu einer Lebensader im Desktopbereich werden, oder nicht. Die Antwort muss erst einmal “NEIN” sein. Die Auswahl an verfügbaren gut aussehenden PC-Gehäusen lässt auch noch viel zu wünschen übrig.

Schneckentempo der Riesen ausnutzen
Für diejenigen, die über irgendeine Form von Vertrieb über Handelsketten oder eine Präsenz im Netz verfügen sowie für die, die noch immer das Schneckentempo bei Reaktionen der größeren Marken ausnutzen können und schnell in imme wieder in die neuesten Nischen hüpfen, ist es eine andere Geschichte. Wenn die größeren Marken zu langsam sind, gibt es immer eine Möglichkeit.

Integratoren waren immer die ersten auf dem Markt, wenn es um neue Technologien ging und es gibt keinen Grund, weshalb sie dies mit Media-PCs nicht können sollten. Größere Integratoren wie Elonex, Hi-Grade, Medion, Maxdata oder PC-Spezialist sind bereits auf dem Sprung und legen los. Solange der PC in keinster Weise aussieht wie ein PC, haben kleinere und mittelständische PC-Anbieter – den nötigen Kampfgeist vorausgesetzt – durchaus eine Chance, mit den Desktops tatsächlich etwas Geld zu machen.