Technologie-Sackgasse für Hersteller?
Intel erleichtert Desktop-Kontrolle

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Das neue Active Management von Intel ist beeindruckend – aber wird es zu Abhängigkeiten führen?

Technologie-Sackgasse für Hersteller?

Intel’s Ankündigung der neuen “Professional Business Platform für Desktops” klingt wie eine gute Nachricht für Unternehmen. Die neue Spezifikation definiert eine Standard PC-Plattform, die um einen Pentium4-Prozessor gebaut ist sowie ein neues Chipset für Mainboards. Diese Spezifikation führt außerdem Intel’s Active Management Technology (AMT) ein, die verspricht, dass den IT-Managern wesentlich bessere Möglichkeiten für das Überwachen von Systemen zur Verfügung stehen und dass es leichter wird, per Fernwartung abgestürzte PCs wieder in Ordnung zu bringen.

Oder vielmehr – es wäre eine gute Nachricht gewesen, wenn irgendeiner der Anbieter für Firmen-PCs Systeme auf den Markt gebracht hätte, die auf dieser neuen Plattform basieren. Wie die Dinge stehen, scheint ihre Reaktion ganz entschieden von starker Zurückhaltung geprägt zu sein. HP und Lenovo haben angekündigt, Desktops für Unternehmen anzubieten, die den Prozessor und das Chipset verwenden, welches in der Professional Business Platform definiert ist – aber sie werden AMT nicht mit in das Paket aufnehmen. Dell ist völlig unverbindlich geblieben.

Die Sache sah ganz anders aus, als Intel vor zwei Jahren seine mobile Platform Centrino auf den Markt brachte. Zum damaligen Zeitpunkt haben sich alle Anbieter gedrängelt, um neue Laptop-Modelle anzukündigen, die der Spezifikation entsprechen. Viele, wenn nicht alle, haben auch Modelle angeboten, die hinsichtlich der Spezifikation fast identisch waren, jedoch die Centrino-Marke nicht tragen konnten, weil sie mit einem drahtlosen LAN (WLAN) einer Drittfirma ausgestattet waren.

Die PC Hersteller haben so gehandelt, weil der WLAN Adapter von Intel zuerst nur den 802.11b Standard unterstützt hatte und weil viele Kunden sich standardmäßig auf die WLAN Ausrüstung von Lieferanten wie Cisco eingestellt hatten.

Zurück zur heutigen Situation – da ist es nicht klar, warum die Anbieter so zögerlich den Weg zur Unterstützung der Professional Business Platform entlangschlurfen. HP hat Berichten zufolge mitgeteilt, dass seine Kunden an AMT kein Interesse gezeigt hätten, aber das klingt absurd. Weshalb sollten Käufer kein Interesse an einer Technologie zeigen, die verspricht, dass mit ihr Systeme wesentlich leichter gemanagt werden können?

Vielleicht liegt die Antwort darin, dass die Kunden eine gewisse Abhängigkeit empfinden. Die Intel-Chefs haben viel aus ihren speziellen Technologien gemacht, die in der Firma als “*Ts” bezeichnet werden und legen viel Wert auf die Annahme, dass keine andere Firma in der Lage sein wird, sie jemals nachzuahmen.

Aber das kommt auch nicht hin. Dort, wo geschützte Technologien auf einen wesentlichen Bedarf treffen, haben Unternehmen bereits bewiesen, dass sie zu dem Risiko, in Abhängigkeit zu geraten, bereit sind. Windows und Office von Microsoft sind dafür ein gutes Beispiel. Und wenn man Intel Glauben schenken darf, sind Drittfirmen wie Altiris dabei, AMT in den Updates für ihre Management-Tools zu integrieren.

Es ist wahrscheinlicher, dass die PC Hersteller selbst nicht zu abhängig von Intel werden wollen. Es gibt nicht viel an einem PC, das außerhalb der Kontrolle von Intel liegt, wenn man einen Prozessor, ein Chipset und einen LAN-Adapter von der Firma braucht, um ein System zu erstellen, das über die Professional Business Platform verfügt.

Darüber hinaus – wenn der Chiphersteller Recht hat und AMT nicht von Konkurrenten wie AMD kopiert werden kann – , werden Firmenkunden noch wesentlich wahrscheinlicher darauf bestehen, dass alle ihre PC-Systeme auf Intel basieren sollten. Besonders HP hat kürzlich eine Menge investiert, um eine Reihe von Workstations und Server auf den Markt zu bringen, die die Opteron-Chips von AMD verwenden.

Ich selbst hoffe, dass Intel nicht Recht hat und dass andere Anbieter in der Lage sein werden, AMT nachzubauen – oder aber es irgendwann in der Zukunft direkt von Intel zu lizenzieren. Es wäre eine Schande, wenn eine solche potentiell nützliche Technologie ausschließlich auf Intel-Systeme beschränkt würde.