Funkchip im Fussball
Nie wieder Wembley!

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Fussballexperten diskutieren seit knapp 40 Jahren die umstrittenste aller SchiedsrichterEntscheidungen: das Wembley-Tor. Solche Unklarheiten beseitigt künftig der Ball selbst.

Der Ball entscheidet

Funkchip im Fussball

War er nun drin oder nicht? Nur Bundespräsident Heinrich Lübke war sich sicher: »ich habe gesehen, wie der Ball im Netz zappelte.« Fussballexperten diskutieren dennoch seit knapp 40 Jahren die umstrittenste aller SchiedsrichterEntscheidungen: das Wembley-Tor. Solche Unklarheiten beseitigt künftig der Ball selbst: Ein integrierter Chip klärt, ob das Leder die Linie überrollt hat.
Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten. Ein halbes Jahrhundert waren die Herbergerschen Gesetze die einzigen Konstanten im Fußball. Aber damit ist Schluss. Fast kein Bundesligakick mehr ohne Overtime die wichtigen Tore fallen längst nicht mehr in der 89. Minute, sondern in der 92. Und der Ball ist nicht nur rund, er bekommt jetzt auch ein Hirn verpasst. Das plant zumindest die FIFA zusammen mit dem Sportartikelhersteller Adidas. Ein kleiner Computerchip im Leder bestimmt künftig die Position der Kugel millimetergenau in Relation zu den Spielfeldbegrenzungen und sendet diese Daten in Echtzeit an einen Zentralrechner im Stadion. Mit einem Pocket-Computer am Handgelenk ruft der Schiedsrichter diese Berechnung ohne Zeitverzögerung ab. Die Frage »Tor oder nicht Tor?« beantwortet dann der Ball von selbst. Erstmals getestet wird der »intelligente Ball« bei einer Junioren-WM in Südamerika im September dieses Jahres. Sollte sich das System bewähren, wird auch bei der WM in Deutschland 2006 nur noch vernetzt gekickt.
Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten. Ein halbes Jahrhundert waren die Herbergerschen Gesetze die einzigen Konstanten im Fußball. Aber damit ist Schluss. Fast kein Bundesligakick mehr ohne Overtime die wichtigen Tore fallen längst nicht mehr in der 89. Minute, sondern in der 92. Und der Ball ist nicht nur rund, er bekommt jetzt auch ein Hirn verpasst. Das plant zumindest die FIFA zusammen mit dem Sportartikelhersteller Adidas. Ein kleiner Computerchip im Leder bestimmt künftig die Position der Kugel millimetergenau in Relation zu den Spielfeldbegrenzungen und sendet diese Daten in Echtzeit an einen Zentralrechner im Stadion. Mit einem Pocket-Computer am Handgelenk ruft der Schiedsrichter diese Berechnung ohne Zeitverzögerung ab. Die Frage »Tor oder nicht Tor?« beantwortet dann der Ball von selbst. Erstmals getestet wird der »intelligente Ball« bei einer Junioren-WM in Südamerika im September dieses Jahres. Sollte sich das System bewähren, wird auch bei der WM in Deutschland 2006 nur noch vernetzt gekickt.


Krasse Fehlentscheidungen

Funkchip im Fussball

Deutsche Schiedsrichter können derzeit jede Hilfe brauchen. Da kommt die winzige, garantiert unbestechliche Platine gerade recht, die auch bei wildem Ballgestochere auf der Torlinie den Überblick behält und den anschließenden Protest des versammelten Spielermobs (und der Fans) emotionslos erträgt. Denn im Sog des Hoyzer-Skandals geraten auch die Bundesliga-Referees in die Schlagzeilen, die noch keinen Tippschein bei Oddset und Co abgegeben haben. Der Grund: zu viele Fehlentscheidungen. Die Trainer von Rostock und Bochum jammern im Wochentakt über »Benachteiligungen«, die »wichtige Punkte im Abstiegskampf kosten«. Belege für krasse Fehlentscheidungen finden sich zuhauf. 24. Spieltag der ersten Bundesliga: Kaiserslautern spielt 1:1 bei Hertha BSC Berlin. Das Sportmagazin Kicker erteilt dem leitenden Schiedsrichter Gaggelmann aus Bremen die Note 5,5 weil dieser gleich zwei reguläre Tore der Berliner wegen vermeintlicher Abseitsstellung aberkennt. Pech für die Berliner, denn bei einem Sieg wäre die Hauptstadttruppe ganz nah am begehrten dritten Champions-League-Platz dran gewesen. Tatort Mönchengladbach, 6. Februar 2005. Freiburg liegt im Borussen-Park 1:3 zurück. Bis zur 62. Minute. Dann köpft Riether den Ball aufs Gladbacher Tor. Keller fängt den Ball auf der Linie. Nicht aus Sicht von Schiedsrichter Schmidt. Der entscheidet auf Tor. Gladbach gewinnt das Abstiegsduell dennoch mit 3:2.
zukunftsvision für 2010: der ball steuert die fernsehkameras

Chips im Trikot und Schienbeinschoner
Der Vermarkter Cairos ist von der Sicherheit der Technologie überzeugt und möchte die Chips gleich noch in Schienbeinschoner und Trikots verpflanzen. Das soll weit reichende Aufschlüsse über die Leistung der Spieler geben. Und nicht nur das. Die von Spielern und Ball gesendeten Informationen könnten dann komplett digital betriebene Kameras im Stadion schwenken, ausrichten und zoomen. Der Vorteil: Schlechte Kameraperspektiven gibt es dann nicht mehr. Der Zuschauer wäre immer auf Ballhöhe. Sogar die Stadionbeleuchtung könnte man dann an den Spielverlauf anpassen. Spot auf den Ball! Was sonst noch ginge: Sofort nach Spielende ein computeranimiertes Virtual Replay im Fernsehen, 3D-Animationen im Internet und als UMTS-Inhalt, Übernahme der Spieldaten für Computerspiele.


Manipulationen ade

Funkchip im Fussball

Weniger Glück hat der 1. FC Nürnberg am 23. 4. 1994 in einem Spiel, das wegen der »Mutter aller Fehlentscheidungen« einen Ehrenplatz in der deutschen Fußballgeschichte innehat. Im Münchner Olympiastadion stochert Thomas Helmer vom FC Bayern aus kurzer Entfernung die Kugel neben den Pfosten. Zum Entsetzen der Nürnberger Abwehrspieler winkt Linienrichter Jörg Jablonski mit seinem Fähnchen und überzeugt Schiedsrichter Osmers: Der zeigt nicht auf den Abstoßpunkt, sondern auf den Mittelkreis. Die Franken verlieren aufgrund dieser krassen Fehlentscheidung mit 1:2. Doppeltes Pech für die »Clubberer«: Beim eilig anberaumten Wiederholungsspiel kassieren die Nürnberger fünf (reguläre) Gegentore und steigen am Ende der Saison sogar ab.

Hacker beim Fussball?
Horrorvision für fans: werden jetzt Fussballspiele gehackt?
Sitzen die Hoyzers dieser Welt in Zukunft mit Laptop und Mini-Antenne auf der Tribüne? Oder hacken sie sich von irgendwo in die Rechner des Witrack-Systems und lösen so falsche Torentscheidungen aus? Ob die Technologie tatsächlich manipulationsfrei läuft, soll sich zur Junioren-WM in diesem September zeigen, bei der Ball und Chip testweise zum Einsatz kommen. Allerdings ist das Nachwuchsturnier kaum mit der WM 2006 vergleichbar. Nicht nur die Medien und IT-Experten aus aller Welt werden in Deutschland den Ball und das Computersystem sehr genau unter die Lupe nehmen. Das Thema Sicherheit vor Manipulationen findet in den AVDC vorliegenden Präsentationen von Cairos und Fraunhofer jedenfalls nicht statt. Zeit, es aufs Tapet zu bringen.

Die Hand Gottes
WM 1986 in Mexiko: Das Spiel zwischen England und Argentinien am 22. Juni erhält besondere Brisanz durch den erst kurz zuvor beendeten Falkland-Krieg. Bei unerträglicher Hitze im Aztekenstadion dominieren die Briten in einem spannenden Spiel so lange, bis Superstar Maradonna »göttliche Hilfe« beansprucht. Mit einem Handballheber besorgt er das 1:0. Er nennt es später »die Hand Gottes«. Die Welt lacht darüber. Bis auf die Engländer. Die müssen wegen der Niederlage nach Hause fahren. Endstand: 2:1 für Argentinien.

Chip-Faktor: Hätte nichts genutzt.


Rechtsbeistand aus Leder

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Temporäre Kurzsichtigkeit ereilt die Männer mit der Pfeife aber nicht nur hierzulande. Beim Spiel der brasilianischen Meisterschaft zwischen Atletico Paranaense und Imperio im Februar dieses Jahres schießt ein Spieler von Paranaense deutlich hör- und sichtbar gegen die Werbebande hinter dem Kasten. Der Unparteiische lässt sich davon aber keineswegs beirren und entscheidet stur auf Tor.

Missverständnisse dieser Art verhindert der »digitale Ball« in Zukunft ganz sicher aber er mutiert nicht zum universellen Rechtsbeistand aus Leder. Zwar könnte der Prozessor tatsächlich auch bei Abseits- oder F
reistoßentscheidungen helfen, die FIFA will es aber ausschließlich bei der Torfrage belassen. Der Ball bleibt in erster Linie ein Spielgerät und der Schiedsrichter damit allein bei strittigen Szenen jenseits des Strafraums. Die Aura eines Pierluigi Collina gibt es eben nicht geschenkt. Und das ist auch ganz im Sinne der deutschen Fußballrichter. Technische Hilfe, gerne, aber eine Übertragung der Verantwortung auf allwissende Computer lehnen die Männer in Schwarz genauso strikt wie einhellig ab.

DFB-Schiedsrichterlehrwart Eugen Strigel gegenüber AVDC zu diesem Thema: »Die Torentscheidungen sind von der Anzahl her gesehen nicht die großen Streitfälle im Fußball. Solche komplizierten Entscheidungen kommen nicht einmal an jedem Bundesligaspieltag vor. Wenn sie aber vorkommen, sind es immer entscheidende Situationen, daher wäre der Chip auf alle Fälle eine wichtige Hilfe.«

Das Tor im aus 23. 4. 1994:
Im Bundesligaspiel zwischen Bayern München und dem 1. FC Nürnberg stochert Thomas Helmer den Ball am Nürnberger Gehäuse vorbei. 60 000 habens mitbekommen. Nur Linienrichter Jörg Jablonski hebt überraschend die Fahne und signalisiert »Tor«. Bayern gewinnt mit 2:1. Aber nur vorläufig, denn das Match wird nach Reklamationen wiederholt. Dabei verliert der Club mit 5:0 und steigt ab. Wäre das ursprüngliche Match 1:1 ausgegangen, wäre nicht Bayern, sondern Kaiserlautern Meister geworden.

Chip-Faktor: Hätte geholfen.


Menschliches Ermessen

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Trotz der leistungsfähigen Sensoren im Ball: 99 Prozent der für ein Spiel relevanten Entscheidungen unterliegen auch dann noch dem menschlichen Ermessen. Das gilt für Fouls, Abseitsstellungen, Handspiele, Zupfer am Trikot all das können die geplanten Chips (noch) nicht erfassen. Dazu abermals Eugen Strigel: »Sollen umstrittene Elfmeterentscheidungen oder Gelbe und Rote Karten analysiert werden, wird der Chip wohl nicht weiterhelfen können.«
Von einer Wunderwaffe gegen Fehlurteile will auch Hellmut Krug, Schiedsrichterbeauftragter des DFB, nichts wissen. Der ehemalige FIFA-Referee mit der Erfahrung von insgesamt 240 Bundesligaspielen zu AVDC: »Eine solche Lösung ist nur dann wertvoll, wenn sie technisch absolut verlässlich ist. Und das muss man abwarten. Das so genannte magische Auge beim Tennis soll auch Fehlentscheidungen verhindern, ist aber nach wie vor nicht unumstritten.« Krug weiter: »Zudem muss der Schiedsrichter ohne Zeitverzögerung den entsprechenden Hinweis erhalten, ob es ein Tor war oder nicht. Undenkbar, dass die Unparteiischen für mehrere Minuten das Spiel unterbrechen, rückfragen müssen und dann vielleicht mit einem Schiedsrichterball im Strafraum fortsetzen. Das würde den Spielverlauf komplett verfälschen.«
Über den Videobeweis zu diskutieren, ist eigentlich müßig, denn Bundesligaschiedsrichter Franz Xaver Wack hat ihn längst eingeführt. Heimlich in Leverkusen beim Spiel gegen Stuttgart. Am 27. Januar 2005 musste er sich schnell entscheiden: Abstoß oder Ecke?

Das Jahrhundert-Foul
Im Halbfinale der WM 1982 trifft Frankreich auf Deutschland. In einem spannenden Spiel steht es nach 57 Minuten 1:1. Da läuft der nur kurz zuvor eingewechselte Battiston auf Schumacher zu. Der deutsche Torwart stürmt ihm entgegen und streckt ihn kurz vor der 16-Meter-Begrenzung in Kung-Fu-Manier nieder. Der Franzose bleibt bewusstlos liegen, der Ball rollt am Tor vorbei. Rote Karte? Fehlanzeige: Der niederländische Schiedsrichter Corver erkennt kein Vergehen und entscheidet auf Abstoß obwohl Schumachers Angriff allein dem Gegenspieler galt.

Chip-Faktor: Hätte nichts genutzt.


Wichtigen Entscheidungen

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Der Unparteiische war sich unsicher und sah sich lieber die Wiederholung der Szene auf der Videotafel der Bayarena an. Erst dann entschied er auf Eckstoß. Ein Novum in der Fußballgeschichte und vielleicht nicht mehr als eine Randnotiz in der erhitzten Debatte um den Videobeweis. Aber auch ein Indiz dafür, dass Schiedsrichter von den Kameraaufnahmen durchaus profitieren könnten. Zumindest vordergründig, denn im Bundesligaalltag würden die Nachteile überwiegen, meint Hellmut Krug: »Würde man den Videobeweis einführen und konsequent nutzen, dann würden Spiele mehrere Stunden dauern.

Spielunterbrechungen dauern zu lange
Bei strittigen Entscheidungen zu Abseits, Einwürfen, Tor-Aus, Fouls immer müsste der Schiedsrichter das Spiel unterbrechen und die Aufzeichnungen betrachten. Das ist nicht umsetzbar. Und wie glaubhaft sind überhaupt die Kamerabilder? War die Perspektive denn wirklich optimal, um die Situation ausreichend bewerten zu können? Mit dem Problem haben doch auch die Fernsehanstalten zu kämpfen. Eine strittige Entscheidung bleibt eine strittige Entscheidung. Daran kann auch ein Videobeweis nichts ändern.« Mit dieser Meinung steht Krug keineswegs allein. Auch Strigel und zahlreiche andere aktive Schiris sprechen sich vehement gegen die Kamerakontrolle aus.

Die Mutter aller Schwalben
Andy Möller, damals beim BVB, versaut sich sein Image endgültig am 14. April 1995 gegen 17 Uhr.
Die Dortmunder spielen gegen den Karlsruher SC. Ohne Grund und in einiger Entfernung zu seinem Gegenspieler hebt Möller im Karlsruher Strafraum plötzlich ab. Schiri Günther Habermann fällt auf die Schwalbe rein und gibt Elfmeter. Der BVB nimmt das Geschenk an und gewinnt 2:1. Es folgt ein Sturm der Entrüstung. Möller wird zu zwei Spielen Sperre und einer Geldstrafe von 10 000 Mark verurteilt.

Chip-Faktor: Hätte nichts genutzt.


3D-Rekonstuktion

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Bleibt es demnach in den nächsten Jahren »nur« beim Chip im Ball? Vermutlich nicht ganz. Denn der Initiator und Erfinder der Chip-im-Ball-Idee, die Cairos AG aus dem Erfinder-Eldorado Baden-Württemberg, denkt gleich zwei Schritte weiter: Auch in Schienbeinschonern oder Trikotkragen könnte der winzige und nur wenige Gramm leichte Minicomputer stecken. Wer dann »getunnelt« wird, kriegts hinterher gleich bewiesen. Schlechte Zeiten brechen dann auch für Schwalbenkönige an. Denn wenn die Füße sich nicht nah genug kommen, dann kanns auch gar kein Foul gegeben haben. So etwas wäre zumindest in der nachträglichen Spielanalyse per Computer feststellbar.
Überhaupt die nachträgliche Aufbereitung der Daten: Vom Cairos-System »aufgezeichnete« Spiele sind wahre Goldgruben. Komplette Spiele ließen sich damit virtuell rekonstruieren und beliebig weiterverarbeiten:
sei es als 3D-Animation fürs Fernsehen, als Input für Computerspiele oder als Inhalt für UMTS-Dienste.


Kontrolle der Spieler

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Die gesammelten Daten wären auch in der Lage, jedem Kicker nach dem Match ein detailliertes Zeugnis auszustellen: Wie viele Kilometer ist der Star tatsächlich über den Platz gerannt? Wie viele Zweikämpfe hat der Spieler gewonnen? Wie oft stand der Stürmer im Abseits? Ab welcher Minute sinkt die Leistungskurve des Profis unter einen Normwert? Für Trainer und Sportmediziner wären solche Informationen hilfreich, um das Team besser vorzubereiten und Einwechslungen rechtzeitig vorzunehmen. Horrorvision für faule Profis? Mitnichten. Wer viel rennt, macht noch lange kein gutes Spiel. Im Gegenteil. Gerade bei Abwehrspielern ersetzen gutes Stellungsspiel und das Vorausahnen brenzliger Situation lange Laufwege.

Das weiß niemand besser als Christian Ziege, Europameister 1996 und derzeit Bundesligaprofi bei Borussia Mönchengladbach: »Wir sind Fußballer, keine Leichtathleten. Insofern darf die läuferische Leistung nur ein Bestandteil einer Benotung sein.« Und auch der Motivationseffekt dürfte in der Praxis geringer ausfallen, als es sich manch ein Entwickler erhofft. Ziege: »Die Spieler, die das als leistungsfördernd ansehen, sollten sich heute schon mal hinterfragen. Dann stimmt mit
deren Einsatzwillen etwas nicht.«
Wie es aussieht, werden es also auch in Zukunft die typisch deutschen Tugenden bleiben, die das Geschehen auf dem grünen Rasen prägen. Denn trotz aller technischen Planungen und Finessen bleibt der Fußball ein ganz einfaches Spiel. Ganz im Sinne von Trainergott Beckenbauer, der seine Jungs mit »Gehts raus und spielts Fußball« ins Finale der WM 1990 schickte.


Der intelligente Ball

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Kein leichter Auftrag, eine simple Lederkugel in einen intelligenten Ball zu verwandeln. Gleich drei Firmen widmen sich der Entwicklung. Chip und Technik zur Ortung des Spielgerätes stammen vom Fraunhofer Institut für integrierte Schaltungen. Cairos Technologies hatte die Idee und übernimmt die Vermarktung. Der fertige Ball selbst kommt dann von Adidas. Das kann aber noch dauern. Derzeit gibt der Sportartikelhersteller keinen Kommentar zum Entwicklungsstand und ist nicht der Lage, einen Prototypen vorzuführen.

3D-Ortungstechnologie

Für die Kommunikation zwischen Ball und den empfangenden PCs im Stadion sorgt die 3D-Ortungstechnologie Witrack vom Fraunhofer Institut. Das Besondere an Witrack: Die Positionsbestimmung erfolgt garantiert in Echtzeit und viel genauer als bei GPS. Die oft kritisierte Zeitverzögerung beim ebenfalls diskutierten Videobeweis würde hier keine Rolle spielen.
Der Sender im Ball funkt dafür pausenlos seine Position an mehrere dezentrale Empfangsstationen im Stadion. Sichtkontakt müssen die Komponenten nicht haben. Der Datenstrom fließt zu einem Zentralcomputer, der die Auswertung übernimmt. Dieser Vorgang wiederholt sich pro Sekunde rund zweitausend Mal, so dass sich im Bedarfsfall millimetergenau die Flugbahn des Balls nachvollziehen lässt. Überschreitet der Ball eine der Seitenaus- oder Torlinien, sendet das System ein sofortiges Signal an einen Empfänger beim Schiedsrichter (zum Beispiel an eine Armbanduhr).
Obwohl die Funktechnologie sogar auf vorhandenen Infrastrukturen wie DECT (Telefone) oder WLAN aufsetzen kann, sind Funkstörungen nicht zu befürchten. Der Ball kommuniziert im weltweit lizenzfreien ISM-Band, so dass auch tausende von gleichzeitigen Handysignalen (GSM oder UMTS) nicht zu falschen Berechnungen führen. Zumindest jetzt noch nicht.

Potenzial vorhanden
Setzt man die funkenden Chips zusätzlich noch in die Schienbeinschoner der Spieler ein, entstehen ganz neue Möglichkeiten: Laufwege, Sprintgeschwindigkeit und Stellungsspiel ließen sich einfach erfassen und auswerten. Klassische Pi-mal-Daumen-Entscheidungen wie die Entfernungsbestimmung der Mauer beim Freistoß oder der richtigen Position beim Einwurf kann der Schiedsrichter in Zukunft ebenfalls mit elektronischer Unterstützung treffen.

Autor: swasi
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