Digitaler Sound & Fahrkomfort
MP3 on the road

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Geplärre von Rammstein macht im Vergleich zu Mozarts Symphonien etliche Meter Sicherheitsabstand aus. MP3-Utensilien helfen, das richtige Lied zum passenden Zeitpunkt aus den Autolautsprechern zu pressen.

15 Millionen iPods

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Gut fünfzehn Millionen Menschen weltweit (genau: 15 622 000) tragen mit dem iPod ein Utensil mit sich herum, das sich neben Handy, Schlüssel und Geldbörse zu einem permanenten Begleiter entwickelt hat. Überall spendet er Musik, beim Sport wie zu Hause, auf dem Fahrrad wie im Auto.
Nein, halt, im Auto nicht. Denn erstens ist es dem Fahrer nicht erlaubt, beide Ohren mit Stöpseln vom akustischen Verkehrsgeschehen abzulenken. Und zweitens ist bereits eine Anlage im Auto verbaut. Heutzutage zumindest mit CD-Laufwerk; Musikliebhaber fahren sogar einen Teil ihrer Sammlung im Wechsler spazieren.
Doch eine CD mit vielleicht 15 Liedern kommt nicht gegen einen MP3-Player an. Selbst billige Noname-Geräte archivieren heute locker drei vollständige Audio-CDs auf ihrem internen Speicher. Edle Vertreter des Genres etwa der iPod oder Player von Sony und Archos kommen mit 20 oder mehr GByte Speicherplatz auf der integrierten Festplatte und nehmen so den Inhalt mehrerer hundert CDs auf.


Wiedergabe im Auto

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Somit stellt sich die Frage: Wie ist die Wiedergabe komprimierter Musik im Auto möglich? Und zwar tunlichst, ohne gleich ein neues Fahrzeug kaufen zu müssen.
Wer einen Fahrzeugneukauf akzeptiert, hat kein Problem. Bei Seat sind bereits fünf von sieben Modellen des »Volksseats« Ibiza ab Werk mit einem MP3-fähigen CD-Radio ausgestattet. Dieses liest die Soundfiles einfach von einer beliebigen Daten-CD. So ist das Brennen von circa zehn Stunden Musik auf einen Rohling in Minutenschnelle erledigt und die Sammlung im Auto up to date. Schwierigkeiten machen höchstens billige Leer-CDs. Im Auto ist aufgrund hoher Temperaturschwankungen und Vibrationen kein Platz für eine empfindliche Optik mit guter Fehlerkorrektur: Im Zweifelsfall sollten hochwertige Scheiben zum Einsatz kommen.

IPOD im Handschuhfach
Mini hat es. Mercedes auch. Und BMW sowieso. Gemeint ist ein Anschlusskabel im Handschuhfach, das in der freundlichen Vertragswerkstatt für viele Modelle nachrüstbar ist. Es verbindet Apples iPod mit dem Bordradio oder dem Navigationssystem.
Während der Fahrt kann der Player im Handschuhfach bleiben; die Tasten am Radio übernehmen die Bedienung. Damit der Akku nicht leer wird, lädt das Gerät permanent nach.
Alternativ kann man den etwa im 1er und neuen 3er-BMW serienmäßig verbauten Line-in-Anschluss verwenden. Bei ihm ist die Quelle egal, es funktioniert selbst der billigste Musikspieler. Dafür gibt es keine Titelanzeige; außerdem klappt das Laden und Steuern über das Radio nicht.


Musikauswahl über das Radio

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Bei BMW hingegen ist die MP3-Funktion ein aufpreispflichtiges Extra. Dafür liefern die Münchener ihre neuen Modelle, also 1er und 3er serienmäßig mit Line-in-Buchse in der Mittelkonsole aus. Daran kann der Fahrer oder Beifahrer jede Audioquelle, also iPod, Discman oder Walkman, mit einem simplen Klinke-Klinke-Kabel anschließen. Allerdings ist die Bedienung dann nicht über Radio- oder Lenkradtasten möglich, sondern nur über die Knöpfe beziehungsweise das Touchpad am Player selbst. Außerdem gibt es keine Titelanzeige auf den Displays im Auto. Das sieht nicht nur etwas frickelig aus, sondern ist auch nicht ungefährlich: Das Suchen eines von mehreren hundert Liedern kann dauern. Und lenkt ab.
Stolze iPod-Besitzer können sich zum Beispiel bei Mercedes, BMW und Mini auch einen Anschluss für ihren Edelplayer ins Handschuhfach legen lassen. Einmal angeschlossen und verstaut, muss das Gerät künftig nur noch zum Musik-Update aus dem Auto oder wenn sein Besitzer es benötigt. Die Auswahl der Songs erfolgt über das Radio, das Navigationssystem oder die Lenkradtasten.

CD-Wechsler mit Festplatte
Von Dension gibt es einen MP3-Player für den Kofferraum: Das DMP3 gibt sich am Autoradio angeschlossen als CD-Wechsler aus. Mit einem optionalen USB-Adapter oder Festplattenrahmen für den PC ist das Überspielen von Sound möglich. Der Zugriff auf die Lieder klappt entweder über die Radio- oder Lenkradtasten, alternativ auch über das so genannte Satellitendisplay: Eine weitere Bedieneinheit mit Display, Dreh-Drück-Knopf und vier Tasten wird vorne in Radionähe montiert und angeschlossen.
Damit die Festplatte auch schlaglochreiche Strecken übersteht, ist sie mit Gummimuffen im Inneren federnd gelagert.
Die Preise bewegen sich um rund 500 Euro, sie variieren aber je nach Ausführung; eine Liste gibt es zum Beispiel unter www.tomtek.de.


Eigener Radiosender

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Ist so ein Anschluss nicht vorhanden, kann man aus seinem MP3-Player einen kleinen Radiosender machen. Der iTrip etwa wird einfach aufgesteckt und funkt dann die Töne auf Frequenzen, die das Radio empfängt. Das Gerät ist in Deutschland allerdings nur unter der Ladentheke oder über das Internet zu bekommen, da das Senden auf Radiofrequenzen hierzulande nicht erlaubt ist. Der Kauf ist allerdings nicht verboten.
Echte Autoradios mit MP3-Kompatibilität gibt es bereits für deutlich unter hundert Euro. Wer bereit ist, etwas mehr auszugeben, bekommt Gimmicks wie eine Interpreten- und Titelanzeige auf dem Display. Nach oben hin sind keine Grenzen gesetzt: Manche Radios haben eine Festplatte, wieder andere lesen USB-Sticks oder Flashspeicher.
Ein alternatives Autoradio passt allerdings optisch nur selten in die Front des Fahrzeugs. Darüber hinaus scheint die genormte Größe des Radioschachts die Kfz-Hersteller bei modernen Fahrzeugen nur noch wenig zu interessieren, was das Austauschen unnötig erschwert. Außerdem stört eine abweichende Displayfarbe den optischen Eindruck. Wer seine Anlage behalten möchte, hat dennoch verschiedene Möglichkeiten, zu seinem MP3-Genuss zu kommen.

Piratensender itrip
Ganz ohne Kabel geht es auch: Wer den iTrip aufsteckt, macht aus seinem iPod einen kleinen Radiosender. Der Adapter nimmt das Audiosignal des Kopfhörerausgangs und funkt es auf Frequenzen, die jedes Radio empfangen kann. In den meisten Autos funktioniert das wunderbar, nur bei einigen Modellen reicht die Sendeleistung des iTrip nicht aus, um die Antenne durch die Karosserie hindurch zu erreichen. Der Einsatz in Deutschland ist aber nicht erlaubt: Hierzulande darf nicht jeder seinen eigenen Radiosender aufmachen. Den iTrip gibt es für alle gängigen Modelle des Festplattenspielers von Apple. Form, Farbe und Anschlüsse sind jeweils angepasst. Preis: 35 $


Adapterkasetten

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Adapterkassetten kennt der eine oder andere noch aus der Zeit, als die ersten tragbaren CD-Player auf den Markt kamen. Ein Klinke-Kabel führt aus der vermeintlichen Tonbandkassette heraus, das mit dem Kopfhörerausgang der mobilen Jukebox Kontakt aufnimmt. Die Kassette selbst verschwindet im Schacht des Radios. Das ist sehr simpel und funktioniert mit den teuersten wie billigsten Playern gleichermaßen. Die moderne Version davon ist die Digital E-Cassette beziehungsweise Digisette. Das ist ein vollständiger MP3-Player, der wie eine Kassette aussieht. Dabei handelt es sich nicht nur um einen optischen Gag: Der Player funktioniert auch tatsächlich im Autoradio (siehe den Kasten auf der rechten Seite).

Kassette mit USB-Anschluss
Die Digital E-Cassette ist ein MP3-Player im Look altertümlicher Tonbandkassetten. In Kombination mit einer MMC-Speicherkarte passen bis zu fünf Stunden Musik auf das Gerät. Für komfortable Bedienung sind Tasten auf der Ober
seite eingelassen. Das Ganze ist aber nicht nur ein optischer Gag: Wer ein Autoradio mit Kassettenlaufwerk hat, kann die Digisette wie eine normales Tape benutzen. Zum Wechseln der Tracks reicht ein kurzes Vor- oder Zurückspulen; Play und Stopp erkennt das Gerät, das es ab 100 Euro gibt, natürlich auch.


Profieinbau

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Richtig professionelle Lösungen, fest verbaut, sind die schönste Alternative für Nachrüster. Dension, Hersteller von MP3-Playern fürs Auto, bietet unter dem Namen Ice Link eine sehr elegante Lösung für iPod-Besitzer an: eine Docking-Station, ähnlich der eines Handys, wird fest im Fahrzeug verbaut. Sobald der kleine Apple eingesteckt ist, erkennt das Autoradio einen CD-Wechsler; auf dem iPod-Display erscheint ein entsprechender Hinweis. Der Zugriff auf die verschiedenen Musikstücke erfolgt komfortabel über die Tasten an Radio oder Lenkrad. Dabei ist es relativ egal, was für eine Anlage im Auto verbaut ist. Den Ice Link gibt es sowohl für die Radios der verschiedenen Autobauer als auch für die der namhaften Dritthersteller.
Für andere Player, etwa die von Archos, gibt es entsprechende Bastellösungen. Soll
er beispielsweise Kontakt mit einem BMW aufnehmen, hilft eine kleine Platine und
eine angepasste Firmware, um den Apple-Konkurrenten zum CD-Wechsler zu machen (http://ctp.di.fct.unl.pt/~fpb/ibus/). Der Materialaufwand liegt bei wenigen Euro. Dank einer Verbindung zwischen Player und der Bordelektronik klappt sogar die Titelanzeige auf dem Radiodisplay.

iPod in der Mittelkonsole
Nicht jeder kauft sich einen Neuwagen, nur um seinen Apple-Player ans Radio anstecken zu können. Dension, ein findiger Hersteller für »Automotive Entertainment«, hat eine praktische Lösung im Programm: Mit dem Ice Link kommt eine Dockingstation für den iPod ins Auto, die permanent mit der Bordelektronik und dem Radio verbunden ist.
Wie die Ab-Werk-Lösungen tut auch der Ice Link so, als wäre er ein klassischer CD-Wechsler. Somit ist der Zugriff auf die einzelnen Songs über die Radioknöpfe und Lenkradtasten möglich; den iPod muss man nicht in die Hand nehmen. Je nach Fahrzeugelektronik ist sogar das Übertragen der ID3-Tags und somit die Anzeige von Titel und Interpret möglich. Die Hardware gibt es für alle gängigen iPod- und Radiomodelle, zum Beispiel bei maxxcount.de, ab 140 Euro.


MP3 nachrüsten

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Wer keinen portablen Player hat, kann die Technik von Dension auch direkt im Auto verbauen: Unter dem Namen DMP3 verkauft der Hersteller einen MP3-Player mit Festplatte, der mit dem Einbau- oder Nachrüstradio verbunden wird. Die Titelauswahl ist entweder über eine Bedieneinheit mit Dreh-Drück-Knopf und grafischem Display oder über die Wechslersteuerung des Radios möglich.
Dass in Autos ab Werk noch keine Festplatte für MP3-Dateien verbaut ist, mag an den stark unterschiedlichen Produktlebenszyklen liegen. Schließlich lebt PC-Hardware nur selten mehr als drei Jahre. Autos hingegen sind zehn oder mehr Jahre auf unseren Straßen unterwegs und die Nachrüstung von neuen Technologien ist nicht unbedingt möglich: Gäbe es jetzt einen USB-Anschluss im Auto, könnte man in einigen Jahren unter Umständen gar keine Musik mehr aufspielen. USB gibt es dann vielleicht nicht mehr. Und Festplatten auch nicht.
Was die richtige Lösung für die mobile Jukebox ist, kommt sicherlich auf die persönlichen Bedürfnisse und Ansprüche an. Fakt ist: Jede dieser Ideen ermöglicht es, beim Fahren von Rammstein auf Mozart zu wechseln. Und umgekehrt.

MP3-Funktion ab Werk oder zum Nachrüsten
Warum teures, unhandliches oder einfach unpraktisches Zubehör kaufen, wenn das Autoradio ohnehin MP3-Dateien abspielt? Die Kompatibilität ist im Kommen: Der spanische Autobauer Seat hat selbst in seinem Einsteigermodell Ibiza bei fünf von sieben Modellen serienmäßig das Radio Alana in der Konsole, das MP3s von gebrannten CDs wiedergeben kann. Bei den Premiummarken ist das Feature als Option zu haben.
Doch auch das Nachrüsten eines entsprechenden Radios ist kein Hexenwerk. Je nach Modell spielen die Geräte von Sony, Pioneer und Co. MP3-Dateien von CDs, Speicherkarten oder einer integrierten Festplatte ab. Ein Modell von Pioneer rippt eingelegte Musikscheiben auf Wunsch sogar automatisch auf die Festplatte im Inneren.
Billige Hardware gibt es bereits für unter 100 Euro. Den günstigen Preis sieht man diesen Radios allerdings meist auf Anhieb an: Die Tasten haben einen schwammigen Druckpunkt, das Plastik wirkt billig und der Sound kratzt. Vorm Kauf also unbedingt Probe hören und -fühlen! Das geht bei den meisten Elektromärkten.

Autor: swasi
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