Offshoring oder “Die fatale Ablenkung”
Outsourcing ins Ausland eine verhängnisvolle Affäre?

IT-ManagementIT-ProjekteNetzwerk-ManagementNetzwerkeOutsourcing

Viele Firmen befürchten, dass das Outsourcing rechtliche Probleme mit sich bringen könnte. Wesentlich größere Gefahren werden dabei ignoriert.

Offshoring oder “Die fatale Ablenkung”

Weshalb reagiere ich sofort gelangweilt, wenn es sich um Diskussionen bezüglich Outsourcing und sein internationales Gegenstück, das Offshoring, handelt?

Das sollte ich wohl besser nicht tun. Als ich zu einem Gipfeltreffen von Gartner zu diesem Thema gegangen bin, traf ich auf nicht weniger als 700 Anbieter und ihre Kunden. Profis aus den Niederlanden und den nordischen Ländern sind sehr stark vertreten, aber es sind vor allem indische Firmen wie Infosys, denen das meiste Gewicht zukommt.

Ihnen gehört die Zukunft und davon bin ich begeistert. Eine Analyse von Gartner sagt voraus, das das Auslagern von Unternehmensprozessen in Westeuropa in diesem Jahr um 6,6 Prozent zunehmen wird. Angeführt wird er von der Nachfrage aus den Unternehmen im Finanzbereich und dem öffentlichen Dienst (kein Wunder bei den knappen kommunalen Kassen in ganz Europa).

Obwohl das Offshoring nur teilweise zu diesem Wachstum beitragen wird, wirkt es dennoch sehr dynamisch – sogar in der EU, wo die Firmen nicht so entscheidungsfreudig sind, wenn es darum geht, ihre IT Segmente ins Ausland zu verlagern; so, wie das beispielsweise in den USA der Fall ist.

Also – ich sollte wirklich mehr Interesse zeigen! Gartner hat wahrscheinlich recht: Die IT-Abteilungen könnten selbst bald viel weniger direktes technisches Know-how benötigen und sich stattdessen auf spezialisierte professionelle Dienstleistungsunternehmen verlassen, die eine hochqualitative und messbare Leistung anbieten. So können die IT-Abteilungen mehr Zeit damit verbringen, Geschäfts-Prioritäten zu verstehen und die notwendigen IT-Tools für deren Umsetzung auszusuchen.

Wirtschaftskraft durch Outsourcing? Klaren Kopf behalten!
Und dennoch müssen wir bei all dem scheinheiligen Gerede über globale Service-Level-Agreements, die angeblich auf strategischem Denken, Partnerschaft und Vertrauen basieren, einen klaren Kopf behalten. Natürlich setzt das Offshoring von IT Dienstleistungen einen neuen Meilenstein für die Arbeitsteilung in der Welt. Und natürlich können Kosteneinsparungen erreicht werden, selbst wenn dies nicht der einzige Grund dafür ist, ins Ausland zu gehen: Wie ein höflicher Sprecher von Atos vertraulich mitteilte, bieten die Offshoring Aktivitäten der Firma die Verarbeitung von Kreditkarten und das Kundenbeziehungsmanagement (CRM) – nicht nur Call Centers. Dennoch gibt es eine schwerwiegende Seite der Geldverschwendung bei Outsourcing und Offshoring.

Den Möglichkeiten des Outsourcing steht auch eine große Menge Frust gegenüber. Von den 400 Delegierten des Gipfeltreffens von Gartner gab es 69 Prozent, die erwägen, ihre Verträge mit dem Dienstleister neu zu verhandeln. 44 Prozent könnten ihren Dienstleister wechseln und fast ein Drittel war am Überlegen, ob es die Dienstleistungen wieder in das eigene Unternehmen zurückholt. Als Hauptprobleme wurden angegeben, die Dienstleister entsprechend zu managen (60 Prozent) und – was sehr wesentlich ist – das Risiko-Management (53 Prozent).

69 Prozent wollen ihre Aufträge zurücknehmen – die “Verwaltung” des Partners kostet zu viel Zeit
Der Ärger um das Outsourcing bestätigt zwei Dinge. Zum einen ist die Abwicklung eine äußerst aufwendige Angelegenheit. Die Zeit und der Verwaltungsaufwand , die darauf verwendet werden, um zu entscheiden, ob man nun kauft oder es selbst macht – was sich dann auch auf die nachfolgenden Verträge erstreckt – ist gewaltig. Die Kosten für die juristischen Formalitäten steigen an. Inzwischen werden auch Forschung und Entwicklung sowie das Design Offshore vergeben, weil die Budgets für Forschung und Entwicklung sich verringern. Es ist in der Tat so, dass sich bei Anbietern wie HP, Cisco, Dell und Nokia der Anteil für Forschung und Entwicklung im Vergleich zum Umsatz auf tatsächliche 2,5 Prozent verringert hat.

Zweitens kam das Outsourcing in den Unternehmen ursprünglich durch ein höheres Bewusstsein für die Risiken – doch das Auslagern beweist in vielen Fällen, dass nur die internen Risiken, nicht die externen berücksichtigt wurden. Nun bringt Gartner auch noch eine ganze Sammlung von Aspekten auf die Tagesordnung, bei denen es um Sicherheit, Geheimhaltung, staatliche Überwachung und Risiken hinsichtlich des geistigen Eigentums und bezüglich der Gesetze geht. Die Liste hat “höchste Priorität bei Offshore Aktivitäten” ab 2005, heißt es. Wieso hat eigentlich vorher keiner daran gedacht?

Führt Outsourcing zur technischen Impotenz?
Es ist wirklich verdammt gefährlich, Ihr Potential für Innovation outzusourcen. Mittlerweile werden aber die anderen Gefahren, die mit dem Outsourcing zusammenhängen, übertrieben; sie könnten sicherlich westliche Unternehmen von dem höheren Ziel ablenken, selbst konzeptionelle und praktische Durchbrüche zu liefern.