Dell bekämpft Lenovo und eckt in China an

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Dells US-Marketingabteilung kehrt in die McCarthy-Ära zurück und kämpft zwanghaft gegen Kommunisten: Mit dem Kauf von IBM-Computern bei Lenovo würde man nur die chinesische Regierung unterstützen. Dummerweise läuft die E-Mail-Kampagne ausgerechnet in China.

Dell eckt in China mit einer E-Mail-Kampagne an, die vor dem PC-Kauf bei Lenovo warnt. Eine entsprechende E-Mail, die sich gegen den mehrheitlich staatseigenen Konzern wendete, wurde heute ohne Quellenangabe auf dem Internet-Portal Sina.com veröffentlicht. “Wie sie wissen, hat Lenovo, ein Unternehmen, das mehrheitlich der chinesischen Regierung gehört, die Desktop- und Notebook-Sparte von IBM übernommen. Die Leute müssen verstehen, dass jeder Dollar, den sie für diese IBM-Systeme ausgeben, direkt finanziell der chinesischen Regierung hilft”, steht in der Mail.

Nach der 1,75 Milliarden Dollar schweren Übernahme von IBMs PC-Sparte ist Lenovo zum drittgrößten Player am PC-Weltmarkt aufgestiegen – Dell fühlt sich zurecht bedroht. Lenovo-Sprecher Zhu Guang ist nun “tief betroffen” über Dells Schandtat. Das Unternehmen sinne aber nicht auf Rache. Dennoch solle der Computerbastler aus Texas die Umgangsformen eines fairen Wettbewerbs respektieren.

Politische Einmischung durch Wirtschaftsführer geht in der Regel nach hinten los: Schon Toshiba legte sich einst mit den Chinesen an. Diese waren im Jahr 2000 von einer Umtausch- und Schadensersatz-Maßnahme wegen defekter Diskettenlaufwerke ausgeschlossen. Bei den Marktanteilen in China hat sich Toshiba seither nicht richtig erholt. Analysten gehen nun davon aus, dass die Kampagne Dell beim Marktausbau in China schwer schaden wird. (mk)

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