Content-Management mit EZ-Publish
Die CMS-Werkstatt

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Eines der leistungsfähigsten Content-Management-Systeme, das die Open-Source-Szene zu bieten hat, ist EZ-Publish. Der Workshop zeigt, wie Sie es optimal zur Pflege Ihres Web-Auftritts einsetzen.

Flexibler Einsatz

Content-Management mit EZ-Publish

EZ-Publish ist ein flexibles Content-Management-System, mit dem sich sowohl einfache Homepages als auch komplexe Firmensites realisieren lassen. Mit einem Set an Standard-CMS-Anwendungen wird der Einstieg wesentlich erleichtert. Zu den mitgelieferten Packages gehören eine Unternehmens-Site, eine Intranet-Anwendung, eine News-Site, eine Site mit dem Schwerpunkt Diskussion und Forum, eine persönliche Homepage mit Weblog, eine Bildergalerie und ein Webshop. Durch die Auswahl eines solchen Anwendungspakets während der Setup-Prozedur lässt sich der Installations- und Konfigurationsaufwand wesentlich vereinfachen.

Das CMS ist modular aufgebaut. Aus diesen Modulen kann sich ein Entwickler ein CMS zusammenstellen, das auf seine individuelle Bedürfnisse zugeschnitten ist. Bei Verwendung eines der angebotenen Standardpakete kann man sich die eigene Zusammenstellung ersparen.


Systemvoraussetzungen

Content-Management mit EZ-Publish

EZ-Publish erfordert einen dedizierten Server, der Apache, PHP und einen Datenbankserver (MySQL oder PostgreSQL) zur Verfügung stellt. Bei PHP sind einige Punkte zu beachten. So wird zum Beispiel die Version 5 noch nicht unterstützt. Außerdem benötigt das CMS 12 bis 16 MByte Arbeitsspeicher. Entsprechend muss der Wert für memory_limit in der php.ini gesetzt werden. Für die Skalierung, Konvertierung und Bearbeitung von Bildern ist schließlich noch ein entsprechendes Image-Conversion-System wie GD oder Image Magick erforderlich.

Stimmen diese Voraussetzungen, ist die Installation kein größeres Problem. Als Erstes legen Sie eine neue Datenbank an und setzen darauf die notwendigen Zugriffsrechte. Dann können Sie das Installationspaket downloaden und in das gewünschte Verzeichnis entpacken. Der Rest erledigt der Setup-Wizard von EZ-Publish. Natürlich unterscheidet sich die Installationsprozedur in Nuancen, abhängig davon, ob ein Windows- oder Linux-System die Basis bildet oder ob man auf einem lokalen oder entfernten Server arbeitet.

Für den Aufbau eines lokalen Testsystems gibt es auf der EZ-Homepage komplette Installationspakete für Linux und Windows, die alle notwendigen Ressourcen (Webserver, PHP, Datenbank) zur Verfügung stellen und optimal vorkonfigurieren. Wer vor allem die Arbeit mit dem Content-Management-System an sich kennen lernen will, sollte diese Installationsvariante wählen und sich erst für den Produktivbetrieb der Mühe einer Installation auf einem Remote-Server unterziehen. Die Installationspakete basieren auf dem bekannten Lamp/Wamp-System Xampp.

Wie bei CMS allgemein üblich, präsentiert sich EZ-Publish mit zwei Oberflächen, die gemeinhin als Backend und Frontend bezeichnet werden. Im Backend arbeiten die Administratoren und Redakteure, während über das Frontend die Ergebnisse ihrer Arbeit betrachtet werden können. Aufgerufen werden die verschiedenen Bereiche über den entsprechenden URL.

Haben Sie sich zum Beispiel beim Setup für die vorkonfigurierte News-Site entschieden, erfolgt der Aufruf für Administratoren über http://localhost/index.php/news_admin, der Aufruf der produzierten Site über http://localhost/index.php/news. Im abschließenden Dialogfenster des Setup-Wizards werden die abhängig vom gewählten Site-Type erforderlichen URLs angezeigt.


Kernel, Librarys und Module

Content-Management mit EZ-Publish

Das Gesamtpaket von EZ-Publish setzt sich programmtechnisch betrachtet aus drei Teilen zusammen: den Bibliotheken, dem Kernel und den Modulen. Die Bibliotheken sind eine Sammlung von PHP-Klassen, die quasi die Grundbausteine des CMS darstellen. Im Unterverzeichnis lib befindet sich diese Sammlung an Grundfunktionen des CMS.

Etwas höher angesiedelt sind die Module, in denen mehrere Grundfunktionen aus den Bibliotheken für einen bestimmten Task zusammengeführt werden. Das RSS-Modul fasst zum Beispiel jene Basisfunktionen zusammen, die für den Import eines RSS-Feeds in das CMS notwendig sind. Der Kernel schließlich ist die Schaltzentrale des CMS. Er stellt alle notwendigen Low-Level-Funktionen zur Verfügung und steuert den Einsatz der jeweils notwendigen Klassen und Module.

Wer also selbst Hand anlegen will und das CMS durch eigene Programmierung anpassen, erweitern und verändern will, sollte sich an diesem Grundaufbau orientieren. Die Directory-Struktur liefert die notwendigen Informationen, wo was zu finden ist.


Aufbau einer Website

Content-Management mit EZ-Publish

Wer sich als Einzelkämpfer ans Werk macht, um mit EZ-Publish eine Website aufzubauen, kann nach der erfolgreichen Installation des CMS gleich loslegen, da ein Admin-Account schon beim Setup eingerichtet wird. Für die gewählten Module stehen auch Dummy-Inhalte zur Verfügung, mit denen man seine eigenen Aktivitäten starten kann. Der Reiz eines CMS besteht jedoch darin, dass es Teamwork beim Aufbau und bei der Pflege eines Web-Auftritts unterstützt. Dem Administrator obliegt es, die dafür notwendigen User einzurichten und sie mit spezifischen Rechten auszustatten.

Das geschieht über den Menüpunkt Benutzer und Rechte. Der Mitarbeiterstamm ist hierarchisch in Gruppen und User gegliedert. Die Berechtigungen für Gruppen und User können über vordefinierte Rollen zugeteilt werden. Für die Rollendefinition steht ein Wizard zur Verfügung, über den man per Pulldown-Menü die Funktionen und Module auswählen kann, die für einen User oder eine Gruppe verfügbar sein sollen.


Inhalte und Navigation

Content-Management mit EZ-Publish

Kernpunkt eines CMS ist das Erfassen von Inhalten und deren sinnvolle Verknüpfung durch ein Menüsystem. Das Grundschema der Site wurde ja schon beim Setup festgelegt. Entsprechend ist auch schon ein Grundmenü für die Site definiert. Beim News-Schema mit integriertem Weblog umfasst das Grundmenü zum Beispiel die Punkte Mediafiles, Weblog, News und Kontaktseite.

Wenn Sie dieses System bearbeiten und mit konkreten Inhalten füllen wollen, wählen Sie den Menüpunkt Inhalt. Links erscheint die Navigationsleiste, wie sie auch auf der fertigen Site zu sehen ist, und in der Mitte befindet sich der eigentliche Arbeitsbereich. Um zum Beispiel die oberste Menüebene, die nach der Installation noch das Wort ez publish ziert, zu ändern, klicken Sie einfach auf den Bearbeiten-Button.

Jetzt erscheint das Formular, in dem Sie nicht nur den obersten Menüeintrag neu definieren können, sondern die komplette Startseite, die dahinter steht und bei jedem Aufruf durch einen Besucher angezeigt wird. Aus ez publish wird IT-News und der Inhalt der Seite wird zu einer Willkommensseite für Besucher des von Ihnen zu schaffenden IT-News-Portals. Das Formular gliedert sich in die Bereiche Name, Kurzname, Teaser und Inhalt. Bedauerlich, dass es einen Wysiwyg-Editor nur als kommerzielles Zusatzmodul gibt.

Wenn Ihnen die Struktur des vorhandenen Menüs nicht gefällt, können Sie das schnell ändern. Die Reihenfolge der Menüeinträge wird durch die Zahl im Feld Priorität festgelegt. Um den Punkt News an Position eins zu bringen, geben Sie hier einfach eine Zahl ein, die kleiner ist als die des bisherigen Spitzenreiters.

Einen neuen Menüeintrag erstellen Sie so: Klicken Sie zuerst auf einen vorhandenen Menüpunkt, unter dessen Hierarchieebene der neue Punkt erscheinen soll. Dann wählen Sie aus dem Pulldown-Menü neben dem Button Hier erstellen die Option Folder aus und klicken dann auf Hier erstellen. Im folgenden Formular definieren Sie noch den Inhalt, wobei der neue Menüeintrag aus dem Feld Short Name übernommen wird. Der Tiefe der Hierarchie, in der Sie die Menüpunkte anordnen, sind praktisch keine Grenzen g
esetzt. Auch auf das Design hat eine tief gestaffelte Menüstruktur keine negativen Auswirkungen, da das Aufklappen der Untermenüs immer nur in vertikaler Richtung erfolgt.

Betrachtet man die verschiedenen Varianten an vorgefertigten Modulen, die Sie einbauen können, kann man über die Vielfalt nur staunen. Sie können Artikel oder Container ebenso einbinden wie Bilder und Multimedia-Files in allen erdenklichen Varianten (Flash, Real, Windows-Media, Quicktime).

Auch Files zum Download können Sie schnell und einfach in Ihr Angebot aufnehmen. Das Prinzip ist immer gleich: Sie wählen in der Navigationsleiste die Ebene, dann den Content-Typ und schließlich ergänzen Sie das angezeigte Formular um alle notwendigen Informationen.


Anpassungen

Content-Management mit EZ-Publish

Unter dem Menüpunkt Design in der Admin-Oberfläche können jederzeit Änderungen am Design der mit EZ-Publish gepflegten Site vorgenommen werden. Am einfachsten ist die Platzierung der Menüleisten.

Unter dem entsprechenden Menüpunkt werden Thumbnails der verschiedenen Varianten angezeigt, die der Administrator durch die Aktivierung per Radio-Button auswählen kann. Ähnliches gilt für das Look and Feel der Seite. Auch hier werden die verschiedenen Stile in einer umfangreichen Thumbnail-Galerie präsentiert, aus der das gewünschte Grunddesign des Web-Auftritts ausgewählt werden kann.

Über den Punkt Werkzeugleisten-Verwaltung legen Sie fest, welche Objekte auf der Startseite in den Bereichen Right, Top und Bottom erscheinen sollen. Die jeweils möglichen Objekte können einfach über ein Pulldown-Menü ausgewählt werden. Am tiefsten können Sie in das Design einer EZ-Publish-Site über den Menüpunkt Templates eingreifen. Darüber haben Sie Zugriff auf alle Templates, die das CMS zur Darstellung von Seiten verwendet. Zuerst wird Ihnen eine mehrseitige Übersicht mit allen verfügbaren Templates angezeigt. Dann können Sie das gewünschte auswählen und durch ein neues oder überarbeitetes ersetzen. Für die Bearbeitung der Templates stellt EZ-Publish einen einfachen Editor ohne viel Komfort zur Verfügung.

Die Schwierigkeit besteht nur darin, dass außer dem Filenamen und Pfad keine weiteren Informationen angezeigt werden. Es gibt also keine konkreten Informationen darüber, was ein konkretes Template aus der Liste bewirkt und wo es sich auswirkt.


Integrierte Erweiterungen

Content-Management mit EZ-Publish

Für zahlreiche Web-Anwendungen liefert EZ-Publish fertige Applikationen und Module, die weit über den Standardumfang eines CMS hinausgehen. Neben einem Weblog, einem Forum, einer Bildergalerie und einem Link-Directory gehört dazu auch ein Umfrage-Tool. Der Betrieb eines komplexen Webportals oder einer Community ist damit also ohne Zusatzinstallationen möglich.

Als eine Art Highlight kommt noch eine mächtige E-Commerce-Plattform dazu. Damit lassen sich sowohl einfache Webshops als auch komplexe B2B-Plattformen oder umfangreiche Katalogsysteme realisieren.

Selbstverständlich bietet EZ-Publish auch alle Standards, die man bei der Konkurrenz findet. Dazu zählen eine integrierte Suchmaschine, die PDF-Ausgabe von Seiten, druckerfreundliche Versionen von Seiten, Kommentaroptionen und Tell-a-friend-Funktion. URL-Rewriting gehört ebenso dazu wie RSS-Import und -Export. Die Steuerung der regelmäßigen Abfrage von RSS-Quellen erfolgt wie die Abwicklung anderer immer wiederkehrender Tasks über Cronjobs. Ein weiterer Grund, warum EZ-Publish nur auf einem dedizierten Server eingesetzt werden kann.


Kleine Macken

Content-Management mit EZ-Publish

Eine der Schwächen von EZ-Publish ist wie erwähnt das Fehlen eines integrierten Wysiwyg-Editors. Das macht das Erfassen und Editieren von Web-Inhalten nicht gerade einfach, da man nur als eine Art wandelndes HTML-Lexikon entsprechende Gestaltungs- und Formatierungsmöglichkeiten hat.

Eine solche Erweiterung gibt es zwar vom Hersteller beziehungsweise Programmierer von EZ-Publish, allerdings nur als kommerzielles Add-on für 99 Dollar. Alternativ kann man sich auch nach einem freien Wysiwyg-Modul umsehen und dieses in EZ-Publish einbauen. Allerdings ist eine solche Implementierung nicht ganz trivial und nur für erfahrene PHP-Programmierer zu empfehlen.

Eine weitere Schwäche, die den Einsatz von EZ-Publish im Produktivbetrieb erschwert, ist die noch unvollständige Lokalisierung. Es gibt zwar eine deutsche Sprachauswahl, die man bei der Installation aktivieren kann, diese ist aber bei weitem noch nicht komplett. So kommt es vor, dass man beim Wechseln in einen anderen Arbeitsbereich unter Umständen noch mit einer englischsprachigen Oberfläche konfrontiert wird.

EZ-Publish bietet eine beindruckende Fülle an Funktionen und Modulen. Seine Leistungsfähigkeit kann mit der kommerzieller Konkurrenten durchaus konkurrieren. Das Content-Management-System stellt allerdings relativ hohe Anforderungen an die Systemressourcen. Eine Installation ist daher nur auf einem dedizierten Server zu empfehlen.


Fazit

Content-Management mit EZ-Publish

Optimal ist das EZ-Publish-Paket für PHP-Programmierer, die es als Basis für ein eigenes maßgeschneidertes Content-Management-System benutzen wollen. Für diese Klientel stellt es einen reichhaltigen Fundus an Werkzeugen und Instrumenten in Form von PHP-Klassen zum Aufbau einer leistungsfähigen Eigenproduktion zur Verfügung, mit der sich anspruchsvolle Websites erstellen und verwalten lassen.