Tech Talk U3-USB-Stick
Programme für die Hosentasche

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Programme direkt vom USB-Stick starten, ohne Installation auf der Festplatte das ist praktisch und Zeit sparend. Doch nicht jede Software kann das. Ein brandneuer Standard soll das ändern: U3 verspricht unabhängige Programme zum Mitnehmen.

Mehr als nur Erweiterungsspeicher

Tech Talk U3-USB-Stick

Heimlich, still und leise haben USB-Sticks eine kleine PC-Revolution in Gang gesetzt und die Diskette nahezu verdrängt. Die Vorteile: Die Sticks sind klein, preiswert und bieten bis zu 5000-mal mehr Speicher als eine Floppy-Disk.
USB-Sticks sind aber mehr als nur Erweiterungsspeicher. So gibt es einige Programme, die sich ohne Festplatteninstallation direkt vom USB-Stick starten lassen. Das Besondere: Auf dem PC, an dem der Stick angeschlossen ist, bleiben keine Daten zurück. Wer oft vor verschiedenen PCs sitzt, kann auf diese Weise Programme und Daten mitnehmen und überall in seiner vertrauten Umgebung arbeiten.

Probleme mit der Registry

Doch die grenzenlose Freiheit hat noch ihre Tücken. Nicht alle Applikationen lassen sich vom USB-Stick starten, ohne Einstellungen auf dem Rechner zu ändern. Beispiel Registry: Die meisten Programme, wie etwa Microsoft Office, legen ihre Einstellungen in der Registrierungsdatenbank von Windows ab. Das ist kein Problem, solange die Software lokal läuft. Wechselt man aber mit seinem USB-Stick den Rechner, so sucht das Programm vergeblich nach den passenden Registry-Einträgen. Damit ein Programm eigenständig vom USB-Stick läuft, muss es alle Einstellungen in seinem Heimat-Verzeichnis auf dem Stick ablegen.

Ein zweites Problem: Einige Programme legen beim Start selbstständig Dateien an, die sie im laufenden Betrieb benötigen. Diese Programme bleiben dann oft als Reste zurück, wenn der Nutzer seinen USB-Stick abzieht. Wer etwa im Internet-Café einen Instant Messenger vom USB-Stick startet, möchte nicht, dass die nächsten Besucher die mitgeschnittenen Wortwechsel in einer History-Datei finden können.

Die Flashspeicher-Hersteller M-Systems und Sandisk wollen mit dem Standard U3 eine einheitliche Plattform für USB-Stick-Programme schaffen. Für Entwickler soll es ab Juni ein passendes SDK (Software Development Kit) geben. Ein U3-kompatibler USB-Stick wird einfach in den USB-Port eines Rechners gesteckt, danach startet automatisch das so genannte Launchpad. Das Launchpad ist die Steuerzentrale und bietet eine einfache Übersicht aller Programme, die auf dem Stick installiert sind. Die Tools lassen sich wahlweise automatisch oder mit nur einem Mausklick starten. Praktisch: Über die Zentrale kann per Online-Verbindung auf ein Web-Portal mit U3-Software zugegriffen werden, die sich auch per Klick installieren lässt.

Das Launchpad setzt auf das U3-API (Application Programming Interface) auf. U3-Programme sollen alle Einstellungen in einem Ordner auf dem Stick ablegen. So ist auch gewährleistet, dass man als normaler Benutzer mit eingeschränkten Rechten arbeiten kann. Eine Ausnahme: Registry-Zugriffe lassen sich »verschatten«. Das heißt: Bei einem Programm, das unbedingt einen bestimmten Wert in der Registry ändern will, wird die Änderung nicht in der Registry selbst ausgeführt, sondern auf dem Stick gespeichert. Bei einem Registry-Zugriff überblendet eine U3-Funktion die Registrierungsdatenbank auf dem Rechner mit dem auf dem Stick angelegten Wert.

Nach Angaben von U3-Verantwortlichen sollen keine Daten auf die Festplatte geschrieben werden. Mechanismen, um Caches oder Arbeitsspeicher zu leeren, sind nicht vorgesehen. So könnte man theoretisch durch ein Speicherabbild an die Daten der U3-Programme kommen. U3 soll anfangs nur unter Windows funktionieren. Auf Nachfrage von PC Professionell hat eine Sprecherin bestätigt, dass der Standard auf Mac und Linux ausgedehnt werden soll. Checkpoint, ICQ, Mozilla und McAfee haben angekündigt, U3 in Zukunft zu unterstützen. USB-Sticks mit vorinstallierten U3-Tools werden ab Herbst erwartet.

Sicherheitsbedenken bleiben

Probleme in puncto Sicherheit verursachen USB-Sticks vor allem in Firmen. Mit U3 kann jeder eine komplette Software-Ausstattung auf den Firmenrechner mitnehmen. Das Problem: Administratoren halten die Firmen-PCs auf dem aktuellen Stand, die Sicherheitslücken in den Programmen auf dem USB-Stick können sie aber nicht stopfen.

Wer einen USB-Stick verliert, der muss angeblich keine schlaflosen Nächte fürchten. Dafür sorgen zwei Sicherheitsfunktionen von U3. Das Launchpad lässt sich zum einen mit einem Passwort schützen, so dass Unbefugte kein Programm starten können. Zum anderen schützt eine Verschlüsselungsfunktion (AES bis 1024 Bit) die Daten auf dem USB-Stick. Wie sich dies auf die Performance auswirkt, muss die Praxis zeigen.

Weitere Infos

Webseite des U3-Konsortiums
– Rettungs-Toolbox auf dem USB-Stick PCpro-Ausgabe 9/2004 ab Seite 146