IT-Sicherheit: Die Kunst der “Hoaxe”
Geschwafel, Gummibärchen und anderer Schnickschnack

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Wie ausgefallen muss ein Jux im IT-Bereich sein, damit die Leute nicht darauf hereinfallen? Ein erschreckender Erfahrungsbericht eines langjährigen IT-Journalisten.

IT-Sicherheit: Die Kunst der “Hoaxe”

Eine Idee für einen erstklassigen Aprilscherz sollte von mindestens der halben Welt ernst genommen werden. Aber was passiert, wenn man einen wunderbaren Trick entwickelt und dann absolut deutlich macht, dass es sich um einen Jux handelt – und Ihnen dann noch immer niemand glaubt?

Akademische Referate aus der Retorte
Kürzlich waren es die Studenten des MIT (Massachusetts Institute of Technology), die ein Programm geschaffen haben, um Jargon in der Form eines akademischen Referats zusammenstellen – der Inhalt ist reines Geschwafel. Sie reichten eines dieser Referate mit dem Titel Rooter: Eine Methode für die typische Vereinheitlichung von Access Points und Redundanz für eine Konferenz ein – das Referat wurde glatt angenommen.

Der “Hokey Cokey PC”
Als ich noch Volontär war, erhielten wir einmal einen Anruf von einem Leser, der behauptete, er könne einen PC für 2000 britische Pfund herstellen. Das war in den späten 70er Jahren, als sogar ein Spielecomputer ungefähr so viel kostete. Für diese angemessene Summe würde das System einen Drucker, eine Festplatte und ein Display enthalten. Er nannte es das “Hokey-Cokey 2000”, das wie er dachte, sowieso ein totgeborenes Kind wird. Die Zeitung kriegte nicht mit, dass dies ein Scherz war und druckte die Story auf der Titelseite.

Fünf Millionen Dollar füx nix?
Und dann kam die Zeit, als ich die Nase voll hatte von der Großpurigkeit einer bestimmten Organisation, die Preise für Software verleiht. Ich bekam nämlich einen “Fünf Millionen Dollar” Preis für die Erfindung einer absolut fiktiven Firma (Consoft – mir fiel nichts Besseres ein); ich hatte behauptet, dass ich mit dem Verkauf derer Produkte 7 Millionen Dollar – wenn nicht mehr – im vergangenen Jahr erzielt habe. Die Erinnerungsplakette habe ich immer noch.

… und die Geschmacks-Interfaces
Und so hätte auch die Entdeckung, dass Dan Maynes-Aminzade von der Universität Stanford ein bahnbrechendes “Geschmacks-Interface ” erfunden hat, eigentlich ein paar skeptische Kommentare hervorrufen sollen.

Dan hat ganz offensichtlich seine Idee auf der CHI-Konferenz 2005 am richtigen Tag – dem 1. April – vorgestellt, hatte aber – vermutlich wegen Arbeitsdruck – das Video für seine Präsentation nicht rechtzeitig fertig bekommen. Als es dann schließlich im Web auftauchte – siehe www.monzy.org/eui/chi/2005 – gab es nichts, was die üblichen Themen-Schnüffler in irgendeiner Weise alarmierte, dass das Ganze ein Schwindel war.

Die Präsentation ist sehr lustig und beginnt – wie jeder gute Schabernack – mit einem glaubhaften Konzept: Gummibärchen werden an Programmierer ausgeteilt, die Fehler entdecken und sie in Ordnung bringen. Dann geht es weiter und zeigt einen Programmierer, wie er seinen Flachbildschirm abschleckt, da Geschmack enthaltende Tröpfchen auf den entsprechenden Teil des Bildes tröpfeln.

Und damit war die Story über das Interface von Nutzer und Gaumenkitzel geboren. Nun, man sagt, dass jede Minute eine neue aus der Taufe gehoben wird….