Betriebssystem: Novell Suse Linux 9.3 Professional
Suse mit virtueller Maschine

BetriebssystemOpen SourceSoftwareWorkspace

Die Open-Source-Software Suse Linux punktet mit einer umfangreichen Ausstattung. Highlight der neuen Version ist die virtuelle Maschine Xen. Was diese kann, verrät der Testbericht.

Testbericht

Betriebssystem: Novell Suse Linux 9.3 Professional

Highlight der neuen Suse-Version ist die virtuelle Maschine Xen. Die Open-Source-Software erlaubt es, mehrere Betriebssysteme parallel (Linux und BSD-Systeme) auf einer einzigen Maschine laufen zu lassen. So kann man etwa auf einem geschützten System sicher Homebanking betreiben, während man das zweite für Musik-Downloads nutzt.

Xen setzt eine Ebene tiefer an als Virtual PC oder VM Ware, die einen kompletten Rechner emulieren. Bei Xen verwaltet ein spezieller Linux-Kernel die virtuellen Maschinen samt Hardware-Ressourcen. Der Vorteil: Im Gegensatz zu VM Ware und Virtual PC büßen die parallel laufenden Systeme bei Xen im Test kaum an Leistung ein. Suse 9.3 enthält als erste Distribution den Xen-Kernel sowie die passenden Werkzeuge und Dokumentation, so dass sich der Anwender nach kurzer Anpassung des Bootmanagers gleich an die Konfiguration der virtuellen Maschinen machen kann. Eine deutsche Anleitung für Xen fehlt allerdings in den ansonsten guten Handbüchern. Wie Sie Xen einrichten, finden Sie in der Kurzanleitung auf Seite 185.

Die Software-Ausstattung von Suse Linux 9.3 ist mit über 1000 Paketen gewohnt umfangreich und auf dem aktuellen Stand. Zu den mitgelieferten Programmen gehören unter anderem Kernel 2.6.11, KDE 3.4, Gnome 2.10, Firefox 1.01, Gimp 2.2, Mono 1.1.4 und Eclipse 3.01. Auf den fünf CDs oder zwei DVDs platziert Suse neben einer 32-Bit-Version des Betriebssystems auch ein 64-Bit-Linux für Besitzer von Athlon 64 und Pentium 4 mit EM64T-Erweiterung.

Open Office 2.0 Preview

Mit Open Office 1.9.79 liegt eine von Suse als Novell Edition 2.0 titulierte Beta-Version der Büro-Suite bei. Im Test treten auch bei umfangreichen Dokumenten keine groben Fehler auf, das Office-Paket läuft stabil. Die Beta-Version unterstützt bereits das auf XML basierende Dokumentenformat OASIS (Organisation for the Advancement of Structured Informations Standards). Auf dieses Format setzen unter anderem auch der kommerzielle Bruder Star Office 8 von Sun sowie die Office-Suite KOffice. Ältere Open-Office-Dokumente lassen sich problemlos in das neue Format konvertieren. Umgekehrt funktioniert dies allerdings nicht.

Die Installation der Distribution verläuft im Test auf einem System nicht so sauber wie gewohnt. Die Diashow mit aufpolierter Optik verursacht auf einem Test-PC nicht reproduzierbare Speicherzugriffsfehler, was zum Abbruch führt. Die Test-Hardware (AMD Athlon XP 3200+, nForce2-Chipsatz, diverse PCI-Karten) erkannte Suse 9.3 jedoch ausnahmslos. Linux-Einsteiger sollten sich darauf jedoch nicht verlassen. Für diverse Wireless-LAN-Karten, Win-Modems oder PCL-Drucker (Printer Communication Language) existieren keine Linux-Treiber, so dass der Anwender sein System zuerst mit der Suse-Evaluierungsversion auf unserer Heft-DVD auf Kompatibilität testen sollte.

Centrino professionell nutzen

Mobile Benutzer von Suse Linux 9.3 profitieren hauptsächlich vom verbesserten Support für Intel-Centrino-Chipsätze. Als Centrino-Testplattform setzt PCpro das IBM Thinkpad T43 ein. Das WLAN-Modul wird bereits bei der Installation erkannt und läuft ohne Probleme. Suspend to RAM funktioniert mit dem IBM Thinkpad dagegen nicht. Zwar legt sich Suse brav schlafen, wacht aber nicht mehr auf. Die angezeigten Grafikfehler beim Aufwachversuch lassen darauf schließen, dass der Grafiktreiber hinter dem Problem steckt. Per Yast lässt sich das integrierte Bluetooth-Modul sofort in Betrieb nehmen. Im Test klappt mit dem Mobiltelefon Sony Ericsson T610 der Austausch von Adressdaten problemlos. Klingeltöne und Bilder wandern via OBEX (Object Exchange) vom und zum Handy.

Etwas enttäuschend ist der Multimedia-Teil der Distribution. Ein DVD-Decoder fehlt nach wie vor, Video-DVDs spielt Suse also nicht ohne Zusatz-Software ab, die für Linux aber schwer zu beschaffen ist. Die offensiv beworbene iPod-Unterstützung funktioniert im Test mit einem iPod der zweiten Generation und dem iPod Shuffle. Musik lässt sich einfach per Drag and Drop auf den Player schieben. Weshalb Suse MP3-Dateien statt mit einem guten MP3-Player mit dem Realplayer abspielt, ist nicht nachvollziehbar.

Suse Linux Professional 9.3 hinterlässt einen guten Eindruck. Das System ist gut vorkonfiguriert, so dass auch Einsteiger damit zurechtkommen. Unangenehm fallen beim Test das nicht ganz ausgereifte Power-Management und die fehlende Software zum Abspielen von Video-DVDs auf. Wer die Vorgängerversion besitzt und nicht von der aktualisierten Hardware-Erkennung profitiert, braucht das Update nicht, die 90-Euro-Vollversion ist kein Schnäppchen.


Testergebnis

Betriebssystem: Novell Suse Linux 9.3 Professional

Hersteller: Novell
Produktname: Suse Linux Professional 9.3

Internet: Novell Homepage
Preis: 90 Euro (Update 50 Euro) (Aktuelle Software im testticker.de-Softwareshop)

Das ist neu
– virtuelle Maschine Xen
– iPod-Unterstützung
– Updates für Firefox, KDE, Gnome
– verbesserter Centrino-Support

Systemvoraussetzungen
Prozessor: Pentium III/500
Arbeitsspeicher: 256 MByte

Pro & Contra
+ gute Hardware-Erkennung
+ einfache Bedienung
– zu wenig Multimedia-Funktionen

Gesamtwertung: gut
Leistung (50%): befriedigend
Ausstattung (30%): gut
Bedienung (20%): gut