IT-Zukunft
Spiele-Freaks von heute machen morgen unseren Job

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Kelvyn Taylor ist überzeugt: Die Kids, die sich der Leidenschaft des “Modding” (Modifizieren) von Spiele-Konsolen verschrieben haben, bringen genau die Fähigkeiten mit, die es braucht, um die IT voranzutreiben.

IT-Zukunft

Sobald wir ein “gewisses Alter” erreicht haben – gewöhnlich erkennbar an der Tatsache, dass wir älter sind als die meisten in unserem Büro – fangen wir an, uns über die heutige Jugend zu beschweren: “Schaut sie euch an, kein Interesse an Technologie. Als ich jung war, mussten wir uns unsere Prozessoren aus Schrottteilen selbst zusammenbasteln…”, und so weiter und so fort…

Ich weiß das, weil ich gelegentlich ins gleiche Horn blase. Als wirksames Gegenmittel empfehle ich Folgendes: Krawatte etwas lockern für eine kleine virtuelle Reise in etwas entlegenere Ecken des Internets. Dort machen wir möglicherweise Bekanntschaft mit den Leuten, die im nächsten Jahrzehnt unsere Jobs übernehmen.

Spielerisch IT-Fähigkeiten erlernen
Die Obsession dieser “Experten von morgen” heißt Spiele. Genauer gesagt geht es um das Herumbasteln an Spiele-Konsolen, genannt “Modding” (modify = verändern). Das überrascht nicht wirklich – Spiele waren schon immer ein fruchtbarer Boden, seit A. S. Douglas herausfand, wie man den frühen EDSAC Computer an der Cambridge University für “Noughts and Crosses” und andere Netzwerkspiele umprogrammiert. Aber das wir vielleicht vor Ihrer Zeit und Sie kennen das nicht mehr…

In Zeiten vor Microsofts XBox zeigten die Modder noch wenig Interesse für Spiele-Konsolen. Sie waren weitgehend urheberrechtlich geschützt, so dass man sich damit begnügte, die importierten Spiele vernünftig zum Laufen zu bringen.

Die PC-basierte XBox dagegen schien den Bastelwütigen ein gefundenes Fressen für ihre Lötkolben, mit dem Ergebnis, dass es inzwischen nur so wimmelt von so genannten “mod chips” und angepassten Applikationen, die aus einer XBox so ziemlich alles machen bis knapp zum Atommeiler.

Eines der aktuellen Ziele ist die neue Wi-Fi-fähige Playstation Portable PSP von Sony. Bereits ein paar Wochen nach ihrem Erscheinen in den USA hatte ein cleveres Bürschchen herausgefunden, dass es mit Hilfe eines Download-Features in einem der Spiele möglich war, die PSP in einen drahtlosen Webbrowser zu verwandeln. PSP Web-Portale (erinnern wir uns an WAP-Sites…), erscheinen jetzt am Markt, und vermutlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis eines dieser Geräte in ein VoIP-Mobiltelefon oder einen drahtlosen LAN-Sniffer mutiert.

“Enterprise IT” vorangebracht durch Bastler
Es ist nicht meine Absicht, diese Leute dafür zu kritisieren, was sie tun. Ich möchte ihnen vielmehr zu ihrer Initiative, Ausdauer und einem beachtlichen technischen Know-how gratulieren – alles Attribute, die notwendig sind, um die Informationstechnologie voranzutreiben.

Inmitten dieser “jungen Wilden” und Computerfreaks hält sich bereits die nächste Industrie-Generation versteckt. Doch anstatt diese Leute ausfindig zu machen und ihnen Jobs anzubieten, verhält sich Microsoft ausgesprochen abweisend. Ganz im Gegensatz zu Sony, wo man eine wesentlich gelassenere Einstellung gegenüber Leuten zu haben scheint, die PSP zu erweitern versuchen. Vielleicht ist dem Unternehmen klar, dass es hier sozusagen gratis ein übersichtliches Kunden-Feedback geliefert bekommt. Es braucht sich bloß zurückzulehnen und zuzuschauen, um dann bei der nächsten Version des Geräts die beliebtesten Features zu integrieren.

Als jemand, dem die Zukunft der Technologie ein Anliegen ist, weiß ich, auf wessen Seite mein Herz schlägt. Nur schade, dass solche Fähigkeiten nicht in den Lebensläufen auftauchen – noch nicht!