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Die Windows-Familie schließt Linux aus

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Firmen, die sich für Desktop-Rechner Alternativen zu Microsoft überlegen, stehen noch immer vor einer steilen und teuren Lernkurve. Standards sparen Kosten – so schmerzhaft das für die Advokaten der alternativen Systeme ist. Trotzdem ist es gut, dass jemand querschießt und dem Marktführer Dampf macht.

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Jeder Standard ist besser als überhaupt kein Standard – das ist das Mantra vieler Veteranen in der Technik-Industrie, und sie haben das durch bittere Erfahrungen lernen müssen. Und ganz gleich, wie sehr man vielleicht die Sicherheitslücken, die überflüssigen Funktionen und die allgemeine Unzuverlässigkeit hasst: das ist zumindest ein Vorteil, wenn man Windows auf dem PC hat.

Da Windows das Standard-Betriebssystem ist, das auf der großen Mehrheit von PCs und Laptops installiert ist, egal ob für den Büroeinsatz oder für die private Nutzung, weiß buchstäblich jeder Beschäftigte auf der Welt bereits, wie man es mit einem gewissen Grad von Kompetenz benutzt. Das bedeutet außerdem, dass Schulungskosten entweder minimal sind oder nicht auftauchen.

Die Allgegenwart von Windows macht es auch zum Hauptziel von Software-Entwicklern. Daher kann jeder IT-Manager, der nach einer neuen Anwendung sucht, ziemlich sicher sein, dass man mit dem Einsatz von Windows auch diejenigen Tools in die Hände bekommt, die man sucht, und dass es bei ihrer Installation und dem Support kaum Probleme geben wird.

Auch wenn ein beiläufiger Beobachter lieber den Underdog unterstützen würde und darauf hofft, dass Linux eine signifikante Bresche in den Marktanteil von Microsoft bei Desktop-PCs und Workstations schlagen könnte, ergibt das alles zusammen gute Gründe für die Annahme, dass die Open-Source-Plattform weiterhin einen zähen Aufstiegskampf vor sich hat.

Novell hat zum ersten Mal vor vier Jahren sein Gewicht für Linux in die Waagschale geworfen, aber der Netzwerk-Spezialist hat inzwischen sein Portfolio erweitert und bietet Linux-Desktop-Pakete sowohl für kleine als auch für große Unternehmen an sowie als Open-Source-Server-Plattform, die der einst mächtigen Netware Konkurrenz machen soll.

Linux in Server-Betriebssysteme einzubauen, die direkt nur von erfahrenem IT-Personal benutzt werden, ist die eine Sache, da dieser Benutzertypus im allgemeinen aufgeschlossener dafür ist, neue Technologien auszuprobieren. Aber die Einführung von Linux und Linux-basierten Anwendungen auf den Desktop-PCs der Mitarbeiter, die den größten Teil ihrer Arbeitszeit über Windows benutzt haben, ist etwas ganz anderes.

?Was man an einem Linux-Desktop-Paket spart, muss man mit den Kosten für Schulung und jeglichen Effizienzverlust gegenrechnen.?

Alles, was ein Linux-Desktop-Paket im vergleich zu Windows an Geld sparen hilft, wenn es um Lizenzen und Betreuung geht, muss den Kosten gegenüber gestellt werden, die für die Schulung von Mitarbeitern in dem neuen Betriebssystem und der dazugehörigen Software entstehen.

Außerdem wird die Unternehmenseffizienz unvermeidbar dadurch vermindert, dass die Mitarbeiter sich anstrengen müssen, die neue Plattform in den Griff zu bekommen. Auch das muss in Rechnung gestellt werden.

Und schließlich stellt sich die Frage, ob die spezielle Software, die viele große Organisationen oft benötigen, überhaupt für Linux erhältlich ist. Allerdings versuchte die Open-Source-Community, Entwickler dazu zu ermutigen, mehr Linux-Software zu produzieren, um diesen Nachteil zu beheben.

Novell für seinen Teil gewährt den Entwicklern Zugang zu seinem Distributions-Channel, was es ihnen ermöglichen soll, fertige Linux-Open-Source-Anwendungen leichter und billiger auf den Markt zu bringen.

Wie sehr das dazu beitragen wird, dass sich der Glaube an Open Source verbreitet, wird nur die Zeit zeigen. Abgesehen von den Windows-Fanatikern werden es die meisten Computer-Nutzer zumindest begrüßen, wenn von der Seitenlinie ein Herausforderer auftaucht.