Akku-Laufzeit verlängern
Esoterik im Notebook

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Eine simple Folie soll die Laufzeiten von Handy-, PDA- und Notebook-Akkus um bis zu 30 Prozent verlängern. Klingt zu schön, um wahr zu sein und ist es auch nicht.

Die schwarze Folie

Akku-Laufzeit verlängern

Die von der Firma Batterylife hergestellten Activator-Folien sollen die Laufzeiten von Akkus verschiedenster Größen durch »zusätzliche Ionisierung der Akkus« verlängern. Die 10 Euro (Handys) beziehungsweise 40 Euro (Notebooks) teuren Folien sollen ihre Wirkung nach fünf bis zehn Ladezyklen entfalten, wenn sie mindestens 80 Prozent der Akkufläche bedecken.

Die Wirksamkeit der dünnen schwarzen Aufkleber hat laut Batterylife unter anderem die oberste deutsche Testinstanz festgestellt: der TÜV Rheinland. Bis zu 18 Prozent mehr Laufzeit brachte die Folie im TÜV-Test und Batterylife verwies an prominenter Stelle auf der Homepage auf das TÜV-Gutachten.


Strittige Testergebnisse

Akku-Laufzeit verlängern

Nachdem PC Professionell vom TÜV Rheinland jedoch Details über das genaue Testverfahren erfragen wollte, zeigte sich schnell, dass es mit der Güte des von Batterylife beauftragten Tests nicht weit her ist. Denn laut einem TÜV-Mitarbeiter sei die 18-Prozent-Aussage aufgrund des Gutachtens gar nicht zulässig, da das von Batterylife bestimmte Testprocedere nicht umfassend genug ist. Inzwischen ist der Link nach Umbau der Seiten sowohl von der Batterylife-Startseite verschwunden als auch aus dem Newsticker.

Problematisch am Zusammenhang zwischen Test und Aussage ist die Anzahl der getesteten Produkte. Wie Batterylife-Sprecher Michael Schmid bestätigt, wurde dem TÜV lediglich ein einziger Akku zugesandt und es wurden nur vier Testdurchläufe gemacht. Für ein profundes Urteil sind laut TÜV Rheinland aber mindestens einige dutzend Akkus samt Activator-Folie nötig, die zudem nicht vom Hersteller gewählt, sondern durch die Prüfstelle selbst beschafft werden.

Technisch wenig tiefgründig ist ein weiteres »Gutachten« der AUF GmbH, das bis zu 30 Prozent Laufzeitgewinn bescheinigt. Unterschrieben ist das Gutachten von Dr. Refai, der die obskur wirkende »Biophotonenlinse« entwickelt hat. Vertrieben wird diese Linse von der Firma Egeo. Da Batterylife und Egeo ein und dieselbe Geschäftsführerin haben, ist es mit der Unabhängigkeit des dünnen AUF-Gutachtens nicht allzu weit her.


Andere Tests, anderes Ergebnis

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Dass die Folien komplett wirkungslos sind, zeigt sich im PC-Professionell-Labor. Die Tester messen die Akkulaufzeit mit zwei verschiedenen Akkus in einem Notebook (Dell Latitude D600) und dem Benchmark Business Winstone 2004 Batterymark. Während der eine Akku bereits mehr als 18 Monate auf dem Buckel hat, ist der zweite mit wenigen Wochen noch frisch.

Die Ergebnisse der mehrwöchigen Tests sind ernüchternd: Auch nach mehr als 20 Zyklen zeigen die immerhin 40 Euro teuren Folien keine Wirkung, die Laufzeit bleibt bei zwei Stunden und 29 Minuten. Selbiges gilt für die auf einen PDA geklebte Handyfolie: Die Akkulaufzeit verlängert sich nach über 30 Durchläufen um null Prozent. Um eine breitere Streuung zu erreichen, arbeiten die Tester mit dem Labor von Toms Hardwareguide zusammen. Dort wurden ein IBM- und ein Toshiba-Akku mit den Folien beklebt und getestet. Resultat: Auch hier brachten die Aufkleber keine Verbesserung.

Ebenfalls wirkungslos zeigte sich der Activator im Labor des Akku- und Batterieherstellers Varta. Dort stellte sich auch nach 20 Ladezyklen von drei einem Handy-Akku ähnlichen Energiespendern keinerlei Veränderung ein.


Funktioniert der Activator doch?

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In mehreren Internetforen finden sich ebenfalls Testberichte. Hie und da bescheinigen die Forenteilnehmer der Folie eine überaus positive Wirkung. Nach dem Aufkleben soll sich die Akkulaufzeit von PDAs und Handys teilweise deutlich erhöht haben. Wie ist diese Diskrepanz zu den Ergebnissen von THG, Varta und PCpro zu erklären?

Am wahrscheinlichsten ist, dass die User ihre Akkus zum ersten Mal bewusst voll ge- und entladen haben. Dadurch regeniert sich jeder Akku, egal ob mit oder ohne Folie. Außerdem ist es für Laien schwer bis unmöglich, die Laufzeit eines Handy-Akkus zu messen. Zu unterschiedlich sind die Anforderungen durch ständig wechselndes Sprachvolumen und andere Standorte.

Die Activator-Folie macht unterm Strich einen mehr als zweifelhaften Eindruck. Die Esoterik hält damit Einzug in die IT-Welt.