Handy-Kameras
Gefahr für Digicams?

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Handy-Cam gegen Digitalkamera: Der Showdown im Test zeigt, ob Handy-Kameras wirklich zur Alternative für Digicams werden.

Immer mehr Megapixel

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Seit ein paar Monaten tobt der Megapixel-Wahn auf dem Handy-Markt. War erst 1 Megapixel das Maß der Dinge, sind inzwischen 2,5- und seit der Cebit sogar 7-Megapixel-Kameras in Mobiltelefonen zu finden. Handy-Hersteller sind daher sehr selbstbewusst: Ihrer Ansicht nach werden Handys Digitalkameras im unteren und vielleicht auch mittleren Marktsegment bald verdrängt haben.

Doch reichen Megapixel alleine aus, um die langjährige Kompetenz der Kamerahersteller einfach zu ersetzen? PC Professionell geht der Frage auf den Grund.


Die Kontrahenten laufen sich warm

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Die Auswahl der Mobiltelefone für den Kurztest liegt auf der Hand, da derzeit nur drei Geräte mit den heiß beworbenen 2 Megapixeln im Handel sind: Vodafone stellt das Sharp 902 UMTS (400 Euro), T-Mobile bietet das Sharp TM200 (140 Euro) und mit dem Mitsubishi M430i (150 Euro) versucht E-Plus Kunden zu locken. Ungewohnt für Fotografen: Jeder Netzbetreiber lässt die Telefone nach seinen Wünschen vom Hersteller anpassen, so dass die Ergebnisse nur für diese Hersteller-Geräte-Kombinationen gelten.

Bei den Digicams fällt die Wahl dagegen schwer. Die namhaften Kamerahersteller bieten Modelle der 2-Megapixel-Klasse mittlerweile gar nicht mehr an. Deshalb treten mit der Kodak CX7300 (140 Euro) und der Canon Powershot A400 (180 Euro) zwei der einfachsten und günstigsten Digitalkameras mit 3 Megapixeln aus kompetenten Häusern gegen die Handy-Knipser an.

Wer Bedenken bei diesem Vergleich hat, die 3 Megapixel der Klassiker seien gegenüber den 2 Megapixeln der Mobilen unfair, der darf beruhigt sein: Die Auflösung aller Probanden ist prinzipiell für ordentliche Digitalfotos geeignet. Die Unterschiede zeigen sich aber in nahezu allen anderen Aspekten der Bildqualität.


And the winner is…

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Sieger des Mini-Vergleichstests ist die Canon A400 mit einer rundum ausgewogenen Bedienung und Leistung. Wer für den Preis von 180 Euro zugreift, kann nichts falsch machen. Die zweite Digitalkamera im Feld, die Kodak CX3700, steht wegen ihrer einfacheren Optik deutlich hinter der Kamera-Konkurrenz zurück und ist offensiver in Schärfung und Rauschen. Für den Foto-Einsteiger mit Schnappschussambitionen ist sie jedoch zu empfehlen.

Bei den Mobilen macht nur das V902 akzeptable Bilder. Das Handy schießt in höchster Bildqualität Fotos, die zwar fürs Versenden per UMTS unbequem groß sind, aber fotografischen Ansprüchen genügen. Bis auf ihre deutliche Scharfzeichnung und die harte Tonwertwiedergabe hat die Kamera im V902 durchaus fotografische Qualitäten.


Das können die übrigen Handys

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Ihr kleineres Schwestermodell im TM200 kann dagegen nicht überzeugen, die Bildergebnisse sind qualitativ nicht akzeptabel. Das Mitsubishi M430i schlägt sich bei Dynamik und Tonwerten zwar besser, Artefakte und Komprimierungseinschränkungen sind aber erheblich. Die Scharfzeichnung liefert ebenfalls sehr aggressive Bilder mit Tendenz zur Unnatürlichkeit.

Die mobilen Kameras sind deutlich von der im Digicam-Einsteigersegment üblichen Qualität entfernt. Auch in der Praxisnähe gibt es Defizite. Denn solange das Speichern eines Bildes zwölf Sekunden dauert, nach dem Fotografieren stets die Frage Bild speichern? erscheint oder über mehrere Schritte im Optionenmenü erledigt sein will, sind die Kameras nur eine unterhaltsame Dreingabe.

Auch für Dokumentationszwecke sind die Kamerahandys nur eingeschränkt empfehlenswert. Um beispielsweise einen nächtlichen Unfall zu dokumentieren, leistet eine Kamera mit Blitz weit bessere Dienste als eine Handy-Cam mit weißer Leuchtdiode. Darüber hinaus sollten die Details eines Geschehens erkennbar sein, anstatt durch Komprimierungsartefakte oder Scharfzeichnung unkenntlich zu werden.


Bitte recht freundlich

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Der Blick auf die Benutzerführung der fünf Probanden zeigt noch mehr Unterschiede. Die Kodak-Kamera wendet sich mit dem Objektiv mit fester Brennweiter und der einfachen Menüführung an Einsteiger. Die Canon siedelt höher an und bietet dem Anwender mit optischem Zweifachzoom und ausgereiftem Bedienkonzept solide fotografische Funktionen.

Bei den Mobilen liegen die Schwerpunkte nicht auf der Kamera, die ja ein Add-on ist. Dennoch bieten die Telefone interessante Features. Beim Sharp V902 lässt sich das ganze Display drehen, womit es einer Kompaktkamera nahe kommt. Zudem hat das Objektiv zwei optische Brennweiten. Die Bedienung der V902 ist aber sehr eigenwillig: Der Auslöser startet einen vom User zeitlich unkontrollierbaren Prozess, der zu verspäteten, unerwünschten Aufnahmen führt. Außerdem ist die Menüführung weit vom Komfort einer Digicam entfernt.

Die Bedienung der Fotofeatures des Sharp TM200 ist noch umständlicher. Das Objektiv kann nur bei geöffneter Displayklappe benutzt werden. Zum zeitversetzten Auslösen des V902 kommt die bei jeder Aufnahme nötige Bestätigung zum Speichern im Optionen-Menü. Dann dauert es zwölf Sekunden, bis das Bild gesichert ist.

Das Objektiv des Mitsubishi 430i kann über ein Drehgelenk aufgeklappt für Selbstporträts oder geschlossen mit echtem Digitalkamera-Feeling benutzt werden. Leider dient nicht das große Hauptdisplay, sondern nur das kleine Außendisplay als Sucher.


An die Bilder, fertig, los

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Die fünf Probanden mussten für den Text den DCTau-Parcours passieren. Souverän meistert die Canon A400 die Aufgabe mit hervorragender Auflösung, guter Homogenität und wenig Randabdunklung. Die Bildstörungen sind mit einem guten Rauschen, ebensolcher Scharfzeichnung und einer etwas aggressiveren Detaildarstellung akzeptabel. Eingangsdynamik, Bildkontrast und Tonwertwiedergabe sind für diese Klasse sehr gut.

Bei der Kodak CX7300 sind Auflösung und Homogenität wegen des einfacheren Objektivs reduzierter. Sie zeigt eine deutliche Randabdunklung und ein starkes Rauschen. Scharfzeichnung und Dynamik sind gut, ebenso wie auch der Kontrast.


Den Handys auf den Sensor gefühlt

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Das Sharp V902 hält sich bei der Auflösung im Mittelfeld. Bei kurzer Brennweite ist die Auflösung nicht homogen verteilt, bei längerer ist sie sehr gut. Angenehm fällt die niedrige Artefaktbildung bei feinen Strukturen auf, wobei sie bei der Scharfzeichnung von Kanten weit ausholt und die Bilder unangenehm plastisch werden. Das Rauschen ist sehr stark. Die Komprimierung der Bilder erlaubt eine relativ gute Maximalqualität, die niedrigeren Qualitäten sind für bessere fotografische Ergebnisse nicht empfehlenswert. Die Tonwertwiedergabe ist in hellen Bildpartien sehr hart und wird zu dunklen Partien hin sehr weich.

Das kleinere Sharp TM200 fällt mit einer kritisch hohen Komprimierung bei höchster Auflösung negativ auf, bei mittlerer Auflösung ist sie jedoch gut. Die Wahl zwischen Bildqualität Fein und Standard verändert die Dateigröße nicht offenbar hat die Firmware noch Fehler. Bei feinen Details zeigt das Handy eine hohe Artefaktrate, feine Strukturen weisen starke Störungen auf. Die Auflösung wird dabei sehr hoch getrieben, der Bildqualität schadet dies erheblich. Die extrem niedrige Eingangsdynamik von nur 5,7 Blendenstufen sorgt dafür, dass Bilder sehr kontrastreich wiedergegeben werden, Lichter brennen aus, Schattenpartien dunkeln ab. Das Rauschen ist auf relativ gutem Niveau, die Scharfzeichnung aber so aggressiv, dass eine natürliche Bildwiedergabe unmöglich ist.

Auch das Mitsubishi 430i hat eine so starke Komprimierung, dass Bilder bereits bei höchster Qualität deutliche Störungen zeigen. Die Auflösung des Handys ist befriedigend, in feinen Strukturen zeigen sich kritische farbige Artefakte. Deutlich ist die Randabdunklung des Objektivs, sein
e Verzeichnung ist angenehm niedrig. Auch Eingangsdynamik und Tonwertwiedergabe sind gut, das Rauschen sogar sehr gut. Hier glättet die hohe Komprimierung störende Anteile heraus. Die Scharfzeichnung ist deutlich und für neutrale Bilder zu hoch.

Der Test zeigt: Handys können Kameras beim Fotografieren nicht das Wasser reichen. Eine Ablösung von Einsteiger-Digicams durch Handys steht also nicht an.

Autor: natalie
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