Die Google-Strategie
Immer auf der Suche

Allgemein

Wer die aktuellen News aus der Computerbranche aufmerksam verfolgt, sieht zurzeit vor allem einen Namen: Google. Was der Suchmaschinengigant alles vorhat, beleuchtet dieser Artikel.

Das Google-Monopol

Die Google-Strategie

Google hat in Zeiten der erfolglosen und verschobenen Initial Public Offerings mit seinem Börsengang ein Zeichen gesetzt. Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit wurden in den vergangenen Wochen nach Ende der Verkaufssperre am 14. Februar noch weitere Aktien nachgelegt. Dem Kurs scheint das aber bisher nichts anhaben zu können. Dieser Artikel versucht, das Erfolgsgeheimnis von Google zu lüften. Dabei spielt die bunte neue Produktpalette die Hauptrolle. Interessant ist dabei natürlich vor allem, was für Web-Entwickler in der Praxis nutzbar ist.

Um über Google zu reden, bedarf es einiger Zahlen. Google hat 2004 einen Umsatz von 3,189 Milliarden Dollar gemacht. Allein im vierten Quartal 2004 hat sich der Umsatz verdoppelt. Der Gewinn hat ebenfalls zugelegt und zwar auf 399,1 Millionen Dollar. Nach dem Börsengang stehen außerdem üppige Barreserven zur Verfügung man spricht von zwei Milliarden Dollar. Diese investiert Google fleißig. Diese Zahlen sind zwar beeindruckend, in Relation zum aktuell vermuteten Hauptkonkurrenten Microsoft handelt es sich aber um eine andere Liga. Microsofts Barreserven betragen um die 50 Milliarden Dollar, und das Standbein Betriebssystem ist mächtig.
Daraus ergibt sich für Google der ständige Zwang, mit neuen Investitionen die eigene Position zu stärken und auszubauen. Charles H. Ferguson schreibt dazu in der »Technology Review« (Februar 2005) von einem Architekturkrieg.

Für Webdesigner und Entwickler liegt dieser Krieg natürlich etwas abseits des eigenen Interessengebiets. Vielleicht bevorzugt man das vermeintlich nettere Google gegenüber Microsoft, aber die Grenzen verschwimmen hier, wie beispielsweise der Fall des Google-Mitarbeiters Mark Jen zeigt, der für seine Blog-Einträge von Google gefeuert wurde. Wer immer nun in dieser Sache Recht hatte Google hat ein wenig von seinem Image der netten Firma verloren. Mark Jen dagegen bloggt wieder in der freien Wildbahn (99zeros.blogspot.com/2005/02/whats-going-on.html).

Ganz gleich also wem man die Daumen drückt, der zunehmende Konkurrenzkampf auf dem Suchmarkt kann Nutzern eigentlich nur helfen. Denn so erhalten sie laufend neue Produkte. Fürchten muss man vermutlich nur, dass eines der beteiligten Unternehmen den Krieg gewinnt und neuer Monopolist wird.


Such-Evolution

Die Google-Strategie

Das Page-Rank-Verfahren hat Google an die Spitze der Suchmaschinen gebracht. Je nach Statistik liegt Google heute bei knapp 80 Prozent aller Suchanfragen. Dies ist beispielsweise im Bereich der Suchmaschinenoptimierung deutlich zu merken. Dort werden im Prinzip nur noch Maßnahmen für Google diskutiert und umgesetzt.

Der technologische Vorsprung, den Google hier hat, speist sich aus zwei Quellen: dem Verfahren an sich und der Kompetenz, die entsprechende Serverfarm zu verwalten. Letzteres ist ein immenser Aufwand, der aus der Indizierung von acht Milliarden Webseiten und der Lastbewältigung unzähliger Suchanfragen besteht.

Allerdings ist es auch recht eindeutig, dass dieser Vorsprung auf Dauer nicht reichen wird. Die MSN-Suche von Microsoft liefert schon im Beta-Stadium nicht wesentlich schlechtere Ergebnisse. Und auch andere klassische Wettbewerber wie Yahoo oder jüngere Unternehmen wie Vivisimo (de.vivisimo.com) und Pubsub (www.pubsub.com) bieten innovative Ansätze.

Das Page-Rank-Verfahren selbst muss sich gegen Google-Spammer wehren. Vor allem für Blog-Spam hat Google mittlerweile eine Initiative mit eigenem link-Tag gestartet. Auch auf anderen Baustellen versucht Google seine Marktführerschaft zu behaupten. Zum Beispiel wurde die Suchwort-Hervorhebung in Dokumenten mittlerweile patentiert.

Die größte Sicherheit vor Verfolgern versprechen allerdings neue Produkte. Hier geht Google in viele Richtungen: Von der Intranet-Suche über die Desktop-Suche und den Bildbetrachter bis zur Produktsuchmaschine Froogle ist alles dabei.


Suche fürs Unternehmen

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Mit seinem gutem Namen im Suchbereich möchte Google natürlich auch bei Unternehmen Geld verdienen. Extranets und Intranets, die ihre Inhalte vor dem Web-Google verstecken, bilden eine immens große Ansammlung an Informationen. Diese mit den Google-Algorithmen durchsuchbar zu machen, ist das Ziel der Google Search Appliance (www.google.de/appliance). Die Produkte sind für Websuche- und Intranet-Suche gedacht. In der Praxis gibt es mit dieser Lösung vor allem zwei Probleme: Zum einen ist der Preis auch für die kleinste Version mit ab 28500 Euro recht happig. Zum anderen verbindet die Suche Hard- und Software. Unternehmen haben also keine Wahl beim Einsatz von Hardware und Betriebssystem, sondern müssen auf die Linux-Server von Google zugreifen.

Erhältlich ist die Google-Suche in drei Varianten: GB-1001 für bis zu 1,5 Millionen Dokumente und 300 Anfragen pro Minute. GB-5005 für 3 Millionen Dokumente und ebenfalls 300 Anfragen pro Minute. Die größte Lösung ist GB-8008 für bis zu 15 Millionen Dokumente und 1000 Anfragen pro Minute.


Auf den Desktop

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Die Suche ist trotz guter Techniken nach wie vor ein nicht zur Gänze abgedecktes Thema. Eines der größten Mankos ist die Desktop-Suche, also die Suche nach Dokumenten auf dem eigenen Rechner. Eine gute Index-basierte Suche fehlt hier, denn nur mit einem leistungsfähigen Index wird eine Suche schnell genug. Das Durchsuchen von Dateien mit der bisher in Windows integrierten Suche erfordert dagegen viel Geduld und berücksichtigt nicht den Inhalt von Dateien.

Google bietet als Lösung seine eigene Desktop-Suche aktuell als Beta-Version (desktop.google.com). Bei der Installation erfordert sie mindestens 1 GByte freien Plattenplatz und will störende Programme geschlossen haben. Dazu zählen die Programme, die die Desktop-Suche mit einbezieht, also Outlook, Outlook Express, AOL Instant Messenger, den Cache des Internet Explorers und Dateien für Word, Powerpoint und Excel.
Nach der Installation wird zuerst der Index erstellt. Outlook wird nur indiziert, wenn es geöffnet ist. Alles Weitere läuft direkt über den Browser ab. Google verwendet dazu einen eigenen lokalen Webserver. Im Test benutzt dieser Port 4664.

Die Integration mit der Websuche klappt ebenfalls: Der Anwender erhält die Suchresultate für den eigenen Desktop dann über den Webresultaten angezeigt. Die Suchergebnisse sind nicht schlecht. Da auf dem Desktop allerdings nicht das Link-Prinzip die Basis von Page Rank zählt, kann sich Google in den Ergebnissen nicht abheben. Auch die Zahl der unterstützten Formate und Programme ist noch mager, wobei dies bei einem Beta-Produkt natürlich verständlich ist.

Ebenfalls noch nicht vorhanden ist die Integration mit der Deskbar (deskbar.google.com). Die Deskbar bietet die Google-Suche in der Windows-Taskleiste. Das Suchergebnis wird in einem eigenen Mini-Browser angezeigt. Für den Schnellzugriff ist dies eine gute Alternative zur normalen Google-Toolbar (toolbar.google.com), die es für den Internet Explorer und als Open-Source-Projekt für andere Browser gibt.
Nun könnte man an dieser Stelle ein wenig über die Unzulänglichkeiten der einzelnen Lösungen lästern. Das wäre allerdings in diesem Versuchsstadium nicht zielf