Internet auf Reisen
Es ist nicht schwer, aber es ist meine Lebensberechtigung!

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Es mag lästig sein, einen Laptop mit sich herumzuschleppen, aber ohne das Gerät könnte man als Geschäftsreisender leicht den Kontakt zum Büro verlieren.

Internet auf Reisen

Kürzlich musste ich in den USA einen Computer in dem Business-Center des Hotels benutzen, in dem ich wohnte. Ich hatte mich schon darauf eingestellt, dass man mir die Dollars aus der Tasche ziehen würde und machte mich daher mit meinem Organspenderausweis und genügend Bargeld, um einen Kidnapper zu bezahlen, auf den Weg.

Tatsächlich stellte ich fest, dass ich die Terminals zu einem reduzierten Tarif nutzen konnte, aber nur, weil der Raum, in dem sie sich befanden, offenbar an der Rückseite einer Klebstofffabrik lag. Man atmete die Luft nicht ein, sondern kaute sie und versuchte so gut wie möglich, etwas Gutes aus ihr herauszusaugen. Ich legte aber trotzdem los und war später erleichtert, dass die Sachen, die ich in meinem Klebstoffrausch an mein Büro geschickt hatte, sich nicht als etwas erwiesen, das einem lange verschollenen, umstrittenen Teil des Werks von William Burroughs ähnelte. Den Rest des Tages verbrachte ich mit Kopfschmerzen und in dem verführerischen Gefühl, dass meine Füße etwa zehn Zentimeter über dem Boden schwebten. Ich fiel früh ins Bett, selbst unter Berücksichtigung der Zeitdifferenz.

“Als Geschäftreisender muss man problemlos Kontakt mit dem Büro herstellen können. Aber dabei hat man schlechte Karten.”

Das war alles meine eigene Schuld. Wie üblich hatte ich vergessen, meinen Laptop mitzunehmen. Ein anderer Gast war allerdings sauer über die Internet-Verbindung in den Hotelzimmern und meinte, dass sie so stabil sei wie die Beziehung zwischen zwei Stars aus der Welt der Klatschillustrierten, und dass sie so leicht zusammenbrechen würde wie besagte Stars, wenn sie mal nicht auf die Gästeliste für eine Party kommen. Ich hätte also selbst dann Probleme gehabt, wenn ich die richtige Hardware auf meine Reise mitgenommen hätte. Das war allerdings nicht meine einzige Option. Ich hätte mich in ein Cyber-Café wagen können, selbst wenn ich da einige Vorbehalte habe.

Als ich das letzte Mal eines in New York nutzte, musste ich feststellen, dass es billiger und einfacher gewesen wäre, eine Brieftaube aufzuziehen und auszubilden. Dann hätte ich ihr nur noch Englisch beibringen, ihr einen Pass besorgen müssen und hätte sie auf einen Umsteigerflug nach Heathrow schicken können, zusammen mit einem Schwarm anderer Tauben und einem altbackenen Laib Brot um den Hals. Dazu hätte sie noch zu knappes Fahrgeld für ein Taxi und kaum leserliche Anweisungen für die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs erhalten.

“Als Geschäftsreisender muss man in der Lage sein, ohne Probleme eine Verbindung zum Büro herzustellen.”

Erst wenn einem der Zugang zum Internet und damit zum eigenen Büro weggenommen wird, merkt man, wie wichtig er ist. Im Urlaub muss man vielleicht den inneren Zwang bekämpfen, das Handy auszuschalten, aber als Geschäftsreisender muss man in der Lage sein, ohne Probleme eine Verbindung zum Büro herzustellen. Dummerweise sieht es meistens so aus, dass man dafür nur geringe Chancen hat. Das Business-Center in dem Hotel verfügte nur über drei Computer und hatte wie gesagt eine Luft, die man sonst nur den Versuchskaninchen in den Forschungslabors des US-Militärs zumutet.

Hätte ich allerdings mein Handy für irgend etwas anderes als die Wecker- und Kamerafunktionen benutzt, hätte ich eine Rechnung präsentiert bekommen, die so hoch gewesen wäre, wie man es nicht mehr gesehen hat seit den Zeiten, als Dinosaurier mit Entengesichtern auf diesem Planeten wandelten. Ganz zu schweigen vom Hotel-Telefon, das mir die Scheine aus dem Geldbeutel gesaugt hätte. Ich freue mich schon auf den Tag, an dem das Internet so allgegenwärtig ist wie das Fernsehen und extravagante Coffé-Shops. Aber bis zu diesem Tag vergewissere ich mich, dass ich meinen Laptop dabei habe, wohin auch immer ich gehe.