MySQL-Datenbanken mit PhpMyAdmin verwalten
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Es gibt ein Tool, auf das kein Administrator einer MySQL-Datenbank mehr verzichten möchte: PhpMyAdmin. Internet Professionell gibt Tipps und Ticks für den praktischen Umgang mit dem Programm.

Plattformunabhängige Datenbankverwaltung

MySQL-Datenbanken mit PhpMyAdmin verwalten

Wie der Name schon vermuten lässt, ist PhpMyAdmin vollständig in PHP programmiert, was schlussendlich ? neben dem breiten Funktionsumfang ? auch zu der enormen Verbreitung beigetragen hat. Zum einen ist es unabhängig von der Plattform und kann sowohl auf Lamp- als auch Wamp-Systemen eingesetzt werden, und zum anderen wird lediglich ein Browser benötigt, um eine MySQL-Datenbank in vollem Umfang administrieren zu können.

Internet Professionell hat für Sie die wichtigsten Tipps für den Umgang mit PhpMyAdmin zusammengestellt. Die nachfolgenden Erläuterungen beziehen sich dabei auf die zu Redaktionsschluss aktuellste Version 2.6.0-pl3.


Datenbanken und Tabellen

MySQL-Datenbanken mit PhpMyAdmin verwalten

Es ist nicht jedermanns Sache, Datenbanken oder Tabellen in der Konsole von MySQL zu definieren ? wobei das in Bezug auf Datenbanken noch relativ einfach wäre. Stört man sich daran jedoch nicht, muss schon ein Telnet her, oder der Sicherheit wegen besser ein SSH-Zugang, um die Konsole überhaupt nutzen zu können. Nicht jedem steht diese Möglichkeit zur Verfügung, da die Webhoster gerade bei kleineren Paketen diesen Mehraufwand scheuen und der Zugang nur selten von den Kunden genutzt wird. Stattdessen bieten die meisten Webhoster jedoch PhpMyAdmin bereits vorinstalliert an.

Eine neue Datenbank ist mit Hilfe von PhpMyAdmin schnell erzeugt. Schon auf der Eingangsseite bietet es ein Eingabefeld an, in das man lediglich den Namen der Datenbank eintragen und anschließend auf Anlegen klicken muss. Schon ist die neue Datenbank erstellt, sofern es das Webhosting-Paket erlaubt. Als Beispiel gehen wir in diesem Beitrag davon aus, dass eine Datenbank namens internetpro angelegt wurde.


Tabelle erzeugen

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Sobald Sie auf Anlegen geklickt haben, wechselt PhpMyAdmin automatisch zu der Datenbankansicht und bietet die Möglichkeit, die erste Tabelle zu definieren. Tragen Sie dazu in das Feld Name den gewünschten Tabellenbezeichner und in Felder die Anzahl der gewünschten Spalten ein. Verwenden Sie als Namen pma und geben Sie fünf Spalten an. Anschließend klicken Sie auf OK. Sie gelangen nun auf eine Seite, die Ihnen die Definition der einzelnen Spalten ermöglicht.

Für jede zu definierende Spalte wird dem HTML-Formular eine Zeile hinzugefügt. Dabei müssen in mehreren Feldern die Eigenschaften der einzelnen Spalten festgelegt werden. Als Erstes sollten Sie den Primärschlüssel der Tabelle definieren, damit jeder Datensatz eindeutig identifiziert werden kann. Dabei werden typischerweise folgende Einstellungen vorgenommen:

– Geben Sie in der Spalte Feld den Bezeichner id ein und wählen Sie als Typ INT. Je nach Bildschirmbreite müssen Sie nun ein wenig nach rechts scrollen, um weitere Parameter festzulegen.

– Wählen Sie in der Spalte Extra den Eintrag auto_increment und aktivieren Sie den Auswahlknopf in der Spalte mit dem Symbol, das eine Tabelle mit einem goldenen Schlüssel darstellt. Dies legt fest, dass die Spalte der Primärschlüssel sein soll. Das Symbol mit dem Blitz steht für index und das Symbol mit dem roten U für unique.

– Definieren Sie nun die restlichen Felder nach Belieben und klicken Sie anschließend auf Speichern.

PhpMyAdmin wird nun die neue Tabelle anlegen und in die entsprechende Tabellenansicht wechseln. Oben wird Ihnen PhpMyAdmin noch das SQL-Kommando anzeigen, mit dem die Tabelle erzeugt wurde. Es lohnt sich, einen Blick darauf zu werfen, um zu überprüfen, ob PhpMyAdmin vielleicht unerwünschte Einstellungen vorgenommen hat.

Auf der Übersichtsseite haben Sie nun die Möglichkeit, neue Spalten hinzuzufügen, bestehende zu modifizieren oder gar zu löschen, neue Indizes zu definieren, Datensätze einzufügen oder die Tabelle umzubenennen. Für die beiden letzteren Möglichkeiten müssen Sie zuvor auf Einfügen beziehungsweise Operationen klicken.


Inhalte sichern

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Eine häufig vergessene Aufgabe, die ein Webmaster oder Administrator durchführen sollte, ist eine Datensicherung ? denn nichts ist schlimmer, als all die Daten, die im Zeitraum von Monaten zusammengetragen wurden, auf einen Schlag unwiederbringlich zu verlieren. Grund-sätzlich bietet MySQL zum Sichern von Datenbanken und Tabellen drei Möglichkeiten an: das Kopieren der Datenbankverzeichnisse und der enthaltenen Dateien (Hot-Copy), die Verwendung von speziellen SQL-Kommandos sowie den Export der Daten in ein universelles Format.

Eine Hot-Copy werden nur die Wenigsten durchführen können, da hierfür ein uneingeschränkter Lesezugriff auf die Verzeichnisstruktur des Servers benötigt wird. Die Verwendung des entsprechenden SQL-Befehls BACKUP TABLE erfordert Kenntnisse in SQL und der Verzeichnisstruktur. Der Export ist jedoch bequem mit Hilfe von MySQL zu lösen, da hier die unterschiedlichsten Formate gewählt werden können.

Klicken Sie in der Tabellenansicht von PhpMyAdmin auf den Reiter Exportieren. Als Formate für den Export eignen sich SQL, CSV-Daten und XML am besten. Im SQL-Format exportiert PhpMyAdmin die Daten als SQL-Kommandodatei. Der große Vorteil ist, dass dabei alle Informationen zu der Datenbank und den Tabellen sowie die Daten in ausführbare SQL-Kommandos umgewandelt werden. Ist irgendwann einmal ein Rückspielen der Daten notwendig, müssen Sie diese Datei lediglich ausführen und die Datenbank, die Tabelle sowie die Datensätze werden wiederhergestellt. Dies kann unter Umständen jedoch dazu führen, dass diese Art der Sicherung nur mit einem MySQL-Datenbanksystem kompatibel ist. Bei Verwendung des CSV-Formats werden lediglich die Datensätze gesichert. Für jeden Datensatz wird in der CSV-Datei eine neue Zeile eingefügt und die einzelnen Felder der Datensätze werden mit Strichpunkten (Semikolons) voneinander getrennt. Leider geht hierbei jedoch die Struktur der Datenbank verloren.


Formatfrage

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Das XML-Format entspricht im Wesentlichen dem CSV-Format. Statt die Daten aber einfach in Zeilen und durch Semikolons zu trennen, wird die Hierarchie beibehalten und die Daten werden in Form von Tags strukturiert. Zwar geht somit die Struktur der Datenbank nicht verloren, jedoch fehlen einige wichtige Informationen zum Aufbau der Tabellen.

Es empfiehlt sich also, das SQL-Format zu verwenden. Damit ein reibungsloser Import möglich wird, aktivieren Sie unter Struktur die Einträge AUTO_INCRE MENT-Wert hinzufügen sowie Tabellen- und Feldnamen in einfachen Anführungsstrichen. Zusätzlich sollten Sie die Optionen Vollständige INSERT?s und Hexadezimalschreibweise für Binärfelder verwenden unter Daten aktivieren. Als Exporttyp verwenden Sie INSERT.

Je nach Größe der Tabelle ist es sinnvoll, die Daten zu komprimieren. Wählen Sie unter Kompression eine der Optionen keine, Zip-komprimiert (für Windows-Nutzer zu empfehlen) oder GZip-komprimiert. Klicken Sie danach auf OK. Um eine gesamte Datenbank zu sichern, wählen Sie diese auf der linken Seite aus und klicken Sie in der Datenbankansicht auf den Reiter Exportieren.


Daten importieren

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Möchten Sie Daten aus einer CSV-Datei in eine Datenbank beziehungsweise Tabelle importieren, scrollen Sie in der Tabellenübersicht ganz nach unten. Klicken Sie dort auf den Link Textdatei in Tabelle einfügen. In der sich öffnenden Ansicht können Sie nun eine CSV-Datei auf Ihrem Rechner auswählen und die entspreche
nden Parameter für den Import auf den MySQl-Server festlegen.

In der Regel sind die einzelnen Felder eines Datensatzes dabei durch Semikolons und Datensätze durch Zeilenumbrüche voneinander getrennt. Möchten Sie eine TSV-Datei (Tabulator Separated Values) importieren, tragen Sie in das Feld Felder getrennt mit einen Backslash gefolgt von einem T ein, also \t.

Sollten die CSV- oder TSV-Dateien, die Sie importieren möchten, nicht durch die unter Windows übliche Zeichenfolge \r\n (Wagenrücklauf und Zeilenumbruch), sondern nur durch die unter Linux typische Zeichenfolge \n (Zeilenumbruch) getrennt sein, dann passen Sie dies entsprechend in dem Feld Zeilen getrennt mit an, zum Beispiel \n.

Finden sich in der zu importierenden Datei nicht zu jeder Spalte der MySQL-Tabelle entsprechende Felder in den neuen Datensätzen, dann können Sie die Reihenfolge und Zuordnung in dem Feld Spaltennamen festlegen. Trennen Sie dazu die MySQL-Tabellenspalten durch Kommas voneinander, wie zum Beispiel id, title, pages.

Sollte Ihnen beim Import der Daten von MySQL eine Fehlermeldung geliefert werden, dann wechseln Sie versuchsweise die LOAD-Methode von DATA LOCAL auf DATA. Oftmals lassen sich auftretende Probleme damit schon lösen.


SQL-Anweisungen ausführen

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Außerordentlich hilfreich ist die Möglichkeit, direkt SQL-Anweisungen mit Hilfe von PhpMyAdmin auszuführen. Gerade wenn es darum geht, herauszufinden, warum eine bestimmte Anweisung nicht korrekt funktioniert, oder um bestimmte Informationen »mal eben so« aus den Tabellen auszulesen.

Wenn Sie sich in der Tabellenansicht befinden, können Sie weiter unten auf der Seite ein großes Text- und eine kleines Auswahlfeld entdecken. In das Textfeld können Sie eine beliebige SQL-Anweisung eingeben. Das daneben befindliche Auswahlfeld zeigt die Felder der gerade ausgewählten Tabellen an. Mit einem Klick auf OK wird die eingegebene Anweisung ausgeführt und das Ergebnis ausgegeben. Statt der Anweisung können Sie in dem Feld darunter auch eine SQL-Kommandodatei auswählen.

Alternativ können Sie auch auf das kleine Icon mit der Aufschrift SQL klicken. Es öffnet sich daraufhin ein neues Fenster, in dem Sie sowohl SQL-Befehle direkt eintippen, eine Kommandodatei ausführen oder sich die bisherigen SQL-Kommandos anzeigen lassen können. Sollten Sie im Hauptfenster eine bestimmte Tabelle ausgewählt haben, dann sind die entsprechenden Spalten dieser Tabelle ebenfalls in dem Befehlsfenster verfügbar.

Das Ergebnis der Befehle wird im Hauptfenster ausgegeben. Darüber hinaus bietet Ihnen dieses Fenster unter Dateiimport auch die Möglichkeit, eine beliebige CSV-Datei zu importieren.

Ist es Ihnen hingegen lieber, eine SQL-Anweisung anstatt einzutippen mittels Point and Click zusammenzustellen, wählen Sie auf der linken Seite einfach eine beliebige Datenbank aus und klicken Sie anschließend auf den Reiter Abfrageeditor. Dieser bietet Ihnen nun die Möglichkeit, die gewünschten Felder für die Abfrage auszuwählen, Kriterien und Verknüpfungen festzulegen und diese Abfrage anschließend auszuführen. Fast genauso einfach wie mit Microsoft Access.


Benutzer anlegen und verwalten

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Auch die Benutzeradministration kann mit Hilfe der Konsole zu einem echten Stressfaktor mutieren. Einmal vertippt, und ein Benutzer bekommt Rechte, die er gar nicht haben soll. Auch hier hilft PhpMyAdmin mit einer sehr übersichtlichen und Administrator-freundlichen Verwaltung aus.

Klicken Sie auf der Eingangsseite von PhpMyAdmin auf den Eintrag Rechte. Anschließend erhalten Sie eine Übersicht aller Benutzer und deren Rechte. Zu der Eingangsseite gelangen Sie im Übrigen auch über das Haus-Icon auf der linken Seite unter dem PhpMyAdmin-Logo. Nach einem Klick auf den Eintrag Neuen Benutzer hinzufügen erhalten Sie eine entsprechende Maske, um neue Rechte zu vergeben. Die Felder Benutzername und Kennwort erklären sich von selbst. Im Feld Host können Sie hingegen festlegen, ob der Benutzer sich nur von einem bestimmten oder von allen Rechnern im Netzwerk aus anmelden darf. Unterhalb dieser Felder lässt sich nun bestimmen, welche Rechte der Benutzer erhalten soll. Beachten Sie dabei, dass GRANT dem Benutzer erlaubt, anderen Benutzern die gleichen Rechte zu gewähren, die auch er selbst besitzt. Nach einem abschlie-ßenden Klick auf OK wird der Benutzer angelegt.


Fazit

MySQL-Datenbanken mit PhpMyAdmin verwalten

Nehmen Sie sich ruhig ein wenig Zeit, um sich in das Tool PhpMyAdmin einzuarbeiten. Sobald Sie einen guten Einblick erlangt haben, werden Sie das Programm bei der täglichen Arbeit mit MySQL-Datenbanken nicht mehr missen wollen. Nicht umsonst ist das Programm so beliebt. Selbst die verfügbaren Desktop-Pendants wie beispielsweise der MySQL-Query-Browser sind nicht annähernd so intuitiv zu bedienen wie PhpMyAdmin.

Achten Sie darüber hinaus auch darauf, regelmäßig die neuesten Versionen von PhpMyAdmin auf Ihrem Server zu installieren. Diese enthalten oftmals neue nützliche Funktionen oder aber Fehler wurden beseitigt sowie etwaige Sicherheitslücken geschlossen. Nehmen Sie nach Möglichkeit jedoch nur PhpMyAdmin-Versionen, die in der Versionsnummer ein pl enthalten.