Marktanalyse HDTV
Wenn es nicht kaputt ist, muss man es auch nicht – upgraden.

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Europa beginnt sich auf High-Definition TV einzustellen, aber Barry Fox glaubt, dass der Rummel verfrüht ist.

Marktanalyse HDTV

Besser spät als nie – die Europäische Elektronikindustrie hat sich schließlich auf ein Schema geeinigt, bei der es um die Etikettierung “HD-Ready”(ausgelegt für High-Definition) für Fernsehbildschirme geht. Damit sollen Kunden geschützt werden, die einen großen neuen Bildschirm kaufen und glauben, dass er für High-Definition TV (HDTV) ausgelegt ist, wenn dem in Wahrheit gar nicht so ist.

Was ist HD-Ready?

Um die Bezeichnung HD-Ready zu erhalten, muss ein Bildschirm in der Lage sein 720 Zeilen zu verarbeiten bei 1280 Pixel pro Zeile, progressiv gescannt (‘720p’) oder 1.080 Zeilen mit 1.920 Pixel interlaced (‘1080i). In den USA kann das Bildseitenverhältnis entweder 4:3 oder 16:9 sein aber in Europa muss es ein Breitwandbildschirm mit 16:9 sein.
Der Bildschirm muss digitale Eingänge haben, die HDCP (high-bandwith digital content protection) unterstützen, ein Kodierungssystem, das absichert, dass digitale Signale von einem HD-Empfänger oder Blue-Laser-Player nur auf dem Bildschirm abgespielt aber nicht digital kopiert werden können.

Bis vor kurzem hatten kaum irgendwelche Bildschirme einen digitalen HDCP Eingang. Viele Plasmabildschirme, vor allem im unteren Preissegment haben eine Auflösung, die weit unterhalb von HD-Ready liegt. Es gibt schon so viele Menschen, die von ihren Bildschirmen enttäuscht sind und es werden noch mehr werden, bis die Etikettierung HD-Ready sich langsam durchsetzen wird.

Die ersten Probleme werden Ende diesen Jahres oder Anfang 2006 auftreten, wenn Sky seinen versprochenen HDTV Dienst auf den Markt bringt. Ein neuer Empfänger ist nötig und dieser kann nur an einen Bildschirm mit digitalen HDCP Eingängen angeschlossen werden. Die Zuschauer werden die HDTV Sendungen wahrscheinlich nur mit einer Sky+ Box aufzeichnen können.

Ist also die Einführung von HDTV in Europa verfrüht ?

Auch wenn ich dafür Kritik ernte – ich befürchte dem ist so. HDTV ist eine Riesenverschwendung an Sendefrequenzen. Bei der jetzigen Mpeg2 Kompression braucht ein HDTV-Kanal fast 20Mbit/s und belegt einen ganzen Sendekanal. Die R&D Labors von BBC haben kürzlich belegt, dass eine neue Kompression mit mpeg4 H. 264 oder Microsofts VC9, die Bitrate, die für die jetzigen HDTVs benötigt wird, entweder halbieren kann oder wesentlich die Qualität auf 1.080 mal 1.920 Pixel progressiv gescannt (‘1080p’) verbessern kann.
Die Konversionsschaltungen, die ganz normale 625-Zeilen PAL-Signal beinahe auf progressive HDTV Signale skalieren, sind jetzt so gut, dass für die meisten Bildschirme zu Hause das HDTV des Guten zu viel ist.

Panasonic hat allen Grund, HDTV voranzutreiben, weil sie hinter dem Blu-Ray High-density Optical Disc System stehen. Allerdings haben sie eben erst ganz stolz den neuen DVD-S97 DVD-Player eingeführt. Für 300 Pfund konvertiert er das Video von einer normalen PAL-DVD auf 750p oder 1080i und das Ergebnis ist überwältigend, hochauflösende Bilder, die für HD-Bildschirme perfekt sind.

Bizarre Problemlösungen

Vor kurzem fand eine Konferenz über Piraterie statt, auf der mich Ben Keens von Screen Digest auf die praktischen Probleme hinwies, die sich durch kopiergeschütze Filme auf Blue Laser CDs mit digitaler Kodierung ergeben werden, wenn so viele Bildschirme keine digitalen Eingänge haben: Es gibt den ernstgemeinten Vorschlag, dass HDTV-Player absichtlich die Qualität des analogen Ausgangs verschlechtern sollen. Das schafft die bizarre Situation, dass neue High-definition Player verkauft werden mit dem Versprechen der besten Bildqualität in der Welt – aber so eingestellt, sind dass sie Videos noch schlechter aussehen lassen, als die bestehenden Abspielgeräte.

Bei einem Event in London, das kürzlich von Texas Instruments veranstaltet wurde, um für DLP Micromirror Projektoren , DLP Rear-projection-Sets von Loewe, Sagem, Samsung, SIM2, Thomson und Toshiba zu werben, wurde HDTV-Demo Material geprüft. In einem anderen Raum projizierte Optoma hochkonvertierte PAL DVDs auf eine 210 cm hohe weiße Wand.

Ich fragte die TI-Mitarbeiter, ob sie wirklich ehrlich die Meinung vertreten, dass die meisten Zuschauer zu Hause einen Unterschied zwischen echtem HDTV und hochkonvertiertem PAL sehen können, auch auf einer 210 cm hohen Wand – und – es gereicht ihnen zur Ehre – sie gaben zu, dass dem nicht so ist.

Sony beweist das Gegenteil

Der gleiche Sachverhalt wurde auf eine ganz andere Weise neulich bei einer Veranstaltung von Sony’s Broadcast Division bewiesen. Das Ziel bestand darin, die Nachricht zu verbreiten, dass Europa HDTV braucht und der Slogan war ‘High Definition – die Vision für Europa’.
Mehrere hundert Fernsehleute, Händler, Fachleute und die Presse hatten sich zusammengefunden, um zu hören, dass Sonys Vorstoß den Rest der Welt im Schlepptau hat.

Joe Flaherty, Vizepräsident für Technologie bei CBS Broadcasting kündigte an: ?SD (Standard Definition) ist weltweit dem Untergang geweiht?, und zeigt HDTV Clips auf einem riesigen Projektionsbildschirm, um seine Aussage zu untermauern. Ein weitschweifiger Mann aus Belgien zeigte HDTV Clips, einschließlich Robbie Williams auf einem riesigen Bildschirm. Von dort wo ich saß, weit im hinteren Teil des Raumes, sahen die Bilder toll aus. Ein Freund, der ziemlich weit vorn saß, meinte, sie sehen weich aus. Aber beide Sprecher schienen zufrieden zu sein, obwohl sie auf der Bühne standen und damit dem Bildschirm noch viel näher waren.
Meine Neugier war geweckt und so fragte ich Sony bezüglich der Clips und den Projektor aus. Hinsichtlich der Clips erhielt ich sofort eine Antwort. Joe Flaherties Clips wurden mittels HDTV abgespielt auf einer high-definition Sony HDCAM SR VTR und die belgischen Clips waren HDTV von einer Sony HDCAM VTR. Aber was den Projektor anbelangte, so brauchte es Wochen hartnäckigen Quengelns, bis ich die Antwort aus den PR-Leuten von Sony herausquetschen konnte. Als ich die Antwort bekam, war mir klar warum.
Sony hatte einen DLP-Projektor gemietet mit einer Auflösung von 1.024 x 768. Das ist XGA 4:3 mit 786.432 Pixeln, weit unter den Megapixel, die für HDTV benötigt werden und nur wenige Leute schienen den Unterschied bemerkt zu haben.

So hat Sony einen Tag und ein kleines Vermögen verbraucht, um zu beweisen, dass man mit der neuesten Konvertierungselektronik und gutem Quellenmaterial kein HDTV braucht, um die meisten Leute die meiste Zeit zufrieden zu stellen.