IT-Businesstrends
IT-Branche im Fusionsfieber, aber mit neuen Vorzeichen

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Fusionen sind das große Ding, aber es sind die branchenübergreifenden Kombinationen, die von Bedeutung sind.

IT-Businesstrends

Sun als Paradebeispiel

Vor drei Jahren habe ich an dieser Stelle vorgeschlagen, dass Sun Microsystems sein Solaris Betriebssystem für AMD-Prozessoren optimieren sollte, dabei auf die Entwicklung von Spark verzichten, und für Solaris flexiblere Lizenzen einräumen solle. Wie das mit Voraussagen ist (insbesondere mit den meinen), ein Körnchen Wahrheit liegt schon drin (d.h. viel hat sich davon nicht bewahrheitet). Die Sun-AMD Verbindung ist heute der Stoff für eine Romanze, Sun hat Solaris 86 wiederaufleben lassen und mit den Ambitionen für Spark ging es bergab. Was meine Feststellung anbelangt, dass sich der Rest der Welt kopfüber auf Itanium stürzen würde, kann man mir zugute halten, dass ich zumindest gesagt habe, dass Intel einen Plan B in Form eines Opteron-ähnlichen Chips hatte. Nun komme ich nicht daher, um mich mit meinen Voraussagen zu brüsten, sondern um in eine andere Richtung zu weisen, die Sun vielleicht als Nächstes einschlagen könnte – Telekoms.

Der Unix-Riese hat kürzlich lautstark sein neues Konzept vorgestellt. Datencenter-Dienste sollen gehostet werden, aber Verarbeitung und Speicherung vermietet. Es ist ein interessanter Plan mit festen Gebühren von einem Dollar pro CPU-Stunde und einem Dollar pro Gigabyte Festplatte im Monat. Für mich ist es schwer vorstellbar, dass diese Netzwerkvermietung für andere Nutzer als im akademischen und Forschungsbereich attraktiv sein soll. Dennoch ist Sun’s Methode interessant, denn sie unterstreicht, wie IT sich von kapitalträchtigen In-House Aktivitäten zu einem Unternehmensbereich wandelt, das Dienstleistungen mit geringem Kapitaleinsatz anbietet und nach dem Motto verfährt ?Pay-as you go?. Damit ein derartiger Übergang stattfinden kann, müsste der Anbieter in der Lage sein, Rechnungslegung und Bandbreitenverwaltung zu beherrschen. Darüber hinaus müssten viele Kunden erreicht werden können. Und das bedeutet, die beste Firma, mit der ein IT-Anbieter eine Partnerschaft eingehen könnte, wäre ein Telekomunternehmen.

Fusionstrends ausserhalb der IT

Deshalb glaube ich, dass in Kürze Telekoms und Netzwerkunternehmen mit IT-Firmen fusionieren werden. Zumindest, dass sie sehr enge Partnerschaften eingehen werden. Der katastrophale Versuch IBM mit RoIm in den 80er Jahren zu kombinieren, hat viele davon abgeschreckt, diese Bestrebungen nachzuahmen, aber es könnte eine Idee sein, die durchaus einen zweiten Blick wert ist. Auch wenn es nicht speziell Telekomunternehmen und IT-Firmen sind,: Procter & Gamble haben Gillette gekauft, SBC AT&T, Qwest hat ein Auge auf MCI geworfen und Symantec hat Veritas gekauft. All diese Aktivitäten lassen leicht erkennen – und dies, ohne zu weit schauen zu müssen – dass selbst große Marken nicht mehr länger heilig sind. Noch interessanter ist jedoch die Möglichkeit, dass es aufgrund neuer Anforderungen notwendig wird, völlig ungleichartige Partnerschaften zu schaffen. Wer hätte vor 10 Jahren daran gedacht, dass die Verknüpfung von IT und Unternehmensberatung dazu führen würde, dass IBM PwC Consulting besitzt? Oder dass etwas, was als angemessene Unternehmensführung bezeichnet wird, für eine Speicher Firma den Anstoß geben wird, sich in die Server Virtualisation einzukaufen? Oder dass Microsoft zusammen mit NBC einen Radiodienst entwickeln wird? Selbst das Beispiel von AOL-Time Warner reichte nicht aus, den amerikanischen Kommunikationsriesen Comcast davon abzuschrecken, um die Kontrolle von Disney zu ringen, um Kabel mit Inhalt kombinieren zu können.

Einige Kombinationen werden uns überraschen und zu ganz offensichtlich sehr unterschiedlichen Partnerschaften führen. Wie wäre es mit einer Kombination aus BT, Cisco und BSkyB? Oder Microsoft, Pixar und Bloomberg? Oder Fujitsu Siemens, Deutsche Telekom und Die Welt ? Nur die Grenzen, die von den Regulierungsbehörden gesteckt werden, die Fantasie und hoffentlich ein gut Teil gesunder Menschenverstand werden die Bildung von neuen hybriden Organisationen verhindern können. Wie auch immer das neue Angesicht der IT-Industrie aussehen mag oder wohin sie sich auch entwickelt, jeder sollte auf eine abenteuerliche Reise gefasst sein.