Weblogs als Marketingtool
Blogs aus der Industrie bieten nur unklare Enthüllungen

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Die Online Tagebücher von IT-Chefs enthalten einige interne Informationen, aber auch eine Menge von leerem PR-Geschwafel, meint Martin Veitch.

Weblogs als Marketingtool

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Wie eine ganze Reihe anderer Menschen, die ein gewisses Alter erreicht haben, ließ ich das Blogging-Phänomen zuerst an mir vorbeiziehen. Mir schien, dass die meisten Leute, die die Zeit und die Eitelkeit hatten, ein Tagebuch zu führen, einfach Langweiler wären. Und wenn sie diese Tagebücher der Welt um sie herum öffneten, waren sie auch scharf auf Aufmerksamkeit. Dann begannen berühmte Leute zu bloggen – aber es waren Personen wie Moby, RuPaul und Jeff Bridges – also vergiss es?

Die Informationstechnologie hat schon immer Pedanten, Verschwörer und Unzufriedene angelockt und deshalb ging man sogar den Technologie Blogs ziemlich aus dem Wege.
Dann aber machten plötzlich mächtige Geschäftsleute mit, die normalerweise nicht wollen, dass man alles über ihr Leben weiß. Und das war interessant: Es bot sich die Gelegenheit, einen ungefilterten Einblick in das Denken führender Anbieter zu bekommen.

Das ist es wohl, was das Web bringen soll – Transparenz.


Jonathan Schwarz enthüllt

Weblogs als Marketingtool

Das erste Blog, das meine Aufmerksamkeit auf sich zog, war von Jonathan Schwartz, leitender Geschäftsführer bei Sun.
Sun war schon immer ein Rammbock und Rebell und deshalb war der von Schwartz geschriebene Blog der erste, den man lesen musste, wenn man sich für IT Unternehmen interessierte.
Es ist häufig faszinierendes Zeug, allerdings fiel mir auf, dass man sich hier am falschen Ort befindet, wenn man nach Transparenz in Bezug auf Suns Zukunft sucht.

So verwickelt sich Schwartz beispielsweise in einige schreckliche Knoten bezüglich der Zukunft von HP und Itanium
Nachdem er in einer Telefonkonferenz die Idee verlauten ließ, dass Solaris in Intels Itanium und IBMs Power Architecture integriert werden könnte, schreibt er in seinem Blog vom 5. September letzten Jahres: “Und wie Sie wissen, prüfen wir weiterhin Möglichkeiten, Solaris auf Itanium zu liefern.&ldquo

Dann am 16. November liest man Folgendes: “Nächste Woche werden wir eine öffentliche Erklärung hinsichtlich unserer geänderten Pläne zum Itanium abgeben. Bleiben Sie dran.”

Und seit dem ließ er uns an drei neuen Einsichten teilhaben:
Nichts, Nix und noch mal Nichts. Das letzte, was ich von Sun hörte, war, dass keinerlei Pläne existieren, Itanium zu unterstützen.
Schwartz hat seinen Blog auch als Peitsche verwendet, um die Linux- und Unix-Rivalen zu schlagen.
Am 3. Dezember sieht er “unbestreitbare Beweise, dass HP-UX auf dem Wege in HPs Sammlung von toten Architekturen ist. Dies rührt von der Entscheidung her, einige Tru64 UniX Kapazitäten nicht auf HP&apossUnix zu transferieren.

Zwei Wochen später fragt er einen Leiter der Technologieabteilung “Ist HP-UX nicht auch bald am Ende?”
Worauf die korrekte Antwort wäre: Nein.

Schwartz hat auch IBM angegriffen, weil sie Solaris nicht unterstützen und Red Hat wegen des Forking von Linux.
Ist das nun wirklich ein Blog und einfach eine andere Art, Furcht Unsicherheit und Zweifel (FUD) zu verbreiten?

Schwartz ist häufig aufmerksam und kritisch bezüglich der Fehler, die Sun in der Vergangenheit gemacht hat. Aber zu einem großen Teil lesen sich seine Kommentare wie die Marketingmaschinerie in Tagebuchform.

In ähnlicher Weise hat nun auch Rich Marcello von HP sein eigenes Blog, das sehr nach Selbstverteidigung aussieht, um sich gegen das Blog von Schwartz zu wehren.

Die Blogs von anderen IT-Anbietern sind werthaltiger – die Macromedia Blogs für Flashentwickler zum Beispiel.
Aber der Fall von Schwartz zeigt, dass ein Blog nicht unbedingt die realen Denkprozesse Ihrer IT-Partner widerspiegeln muss.

Wie Michale Heraghty im MediaJunk Blog bemerkt, scheint eine
Wendung aus Andy Warhols altem geflügelten Wort auch für die Blogs einen Wahrheitsgehalt zu haben: “In der Zukunft wird jeder einmal für 15 Minuten berühmt sein”.

Beginnt man erst einmal für mehr Menschen zu schreiben, kommt es wahrscheinlich nicht mehr von Herzen.

Autor: fritz
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