Wireless Networks
Im drahtlosen Heim-Netz regiert das Chaos

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Da immer mehr private Wi-Fi-LANs entstehen, wird die Übersättigung der Kanäle zu einem echten Problem.

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Wie viele Nachbarn haben Sie im Umkreis von 30 Metern um Ihren Schreibtisch? Wie viele von denen haben einen PC? Und wie viele werden sich in den nächsten 12 Monaten für ein drahtloses Netzwerk entscheiden? Sind diese Fragen für Sie von irgendwelchem Interesse?

Das sollten Sie, denn die Zahlen sind furchterregend. Mein Freund John lebt in einer Wohnung oben auf dem Archway-Hügel im Norden von London. Von dort aus kann er auf eine wirklich riesige Zahl von Immobilien überblicken, und er kann mit seinem Wireless LAN alles erreichen, was er sieht.

Als Freund von technischen Experimenten hat er sein 802.11 Signal bis zur gesetzlichen Grenze verstärkt; er geht davon aus, dass er von Pubs, Bars und Restaurants, die bis zu 1,5 km entfernt sind, auf sein Netzwerk zuhause zugreifen kann, und genau das macht er. Um genau zu sein: Er hat es bisher gemacht.

Heutzutage wird dies immer schwieriger. Er zeigte mir die Leistungsdaten von Netstumbler vom Dezember 04. Sein eigener Access Point war das stärkste Signal, aber er konnte auch noch so um die 30 andere Access Points aufgelistet sehen. Und diese haben trotz seiner Superantenne sein Signal unterdrückt, einfach durch ihre Anzahl.

Die meisten von uns wohnen nicht auf einem Hügel, aber wenn wir in einem typischen städtischen oder vorstädtischen Wohnviertel leben, befinden wir uns wahrscheinlich innerhalb des drahtlosen Kommunikationsbereichs von mindestens einem Dutzend Gebäuden. In meiner Straße ist jedes Haus ca. sechs m breit und die meisten haben zwei Wohnungen mit drei oder sogar fünf Zimmern.

Ein Wi-Fi Access Point im Fenster meines Obergeschosses kann ein Signal auf die Straße senden, wobei er zwei Häuser auf jeder Seite erreicht, zuzüglich noch acht Gebäude über die Straße und fünf auf der Rückseite meines Hauses.

Es gibt also grob gesagt 30 Wohnungen in diesem Zugangsbereich und nur 6 von uns haben ihren eigenen Access Point. Das ist doppelt so viel, wie wir tolerieren können, denn 802.11b und 802.11g haben nur drei Kanäle, die sich nicht überlappen.

In der Theorie sind 13 Kanäle verfügbar. Wenn man in einem übersättigten Bereich etwas herumexperimentiert, wird man schnell feststellen, dass die Kanäle 1, 6 und 13 (oder der Kanal 11 in den USA) sich nicht gegenseitig stören. Kanal 3 stört Kanäle 1 und 6 und Kanal 9 stört 6 und 13. Aber trotzdem funktioniert es weiter, weil die Software jeden beliebigen Transmitter anpeilen kann.

Funktioniert es aber auch richtig ? Nicht im Geringsten! Ich wurde auf das Problem aufmerksam, als ich feststellte , dass ich den voreingestellten Kanal 6 mit drei Nachbarn teilte. Mein 802.11g High-Speed-Netzwerk lief mit durchschnittlich 10 Kbits/Sek. anstelle von 20 Mbits/Sek. Aber nicht nur das – es lief stolpernd und holpernd, mit Ausfällen und eigentlich tat es so, als wäre es gar nicht da.

Den Beweis erhielt ich, als ich auf Kanal 1 umschaltete und zwei Tage lang alles wunderbar lief. Dann taten es mir zwei meiner Nachbarn nach, weil zwei weitere Kanal 6 Netze in Betrieb gesetzt wurden: Chaos.

Ein gemeinschaftliches Netzwerk

Es ist an der Zeit, es mit einem gemeinsamen nachbarschaftlichen Netzwerk zu versuchen. Dies erlöst uns nicht nur von dem Problem der Frequenzbandübersättigung, sondern es wird mein eigenes drahtloses Netzwerk in Bereiche der Stadt ausweiten, in die ich jetzt noch nicht gelangen kann.

Dieses Konzept eines Netzwerks wird am besten von Locustworld dargestellt und man kann kostenlos damit experimentieren, indem man ein bootfähiges Image auf einen zweiten PC lädt. Um das ernsthaft in Angriff zu nehmen, kauft man einen kleinen mini-ITX PC und (hier wirds kritisch!) nimmt Kontakt zu seinen drahtlosen Nachbarn auf.

Mit ein bisschen Glück werde ich es wohl schaffen, wenigstens einen meiner technisch versierteren Nachbarn sofort anzumelden und damit ein 2-Knoten-Netzwerk aufzubauen.
Jeder von uns wird (sicheren) Zugriff auf unser eigenes Netzwerk zu Hause haben, von jedem Knoten aus. Dann gehen wir zu den anderen Nachbarn und erweitern dieses Netz die Straße hoch und runter sowie zu den rückwärtigen Häusern und so weiter.

Der Gedanke ist: Wenn wir alle das gleiche drahtlose Netzwerk haben, verschwindet die Übersättigung. Die Software von Locustworld sichert ab, dass niemand versehentlich das Playgirl des Monats auf meinem Farbdrucker ausdruckt oder meine Rechnungen liest.

Außerdem wird bei dem Netzwerk Breitband verwendet, das heißt, wenn irgendjemand eine besonders hohe Geschwindigkeit für einen Download benötigt, dann ist diese auch verfügbar. Und das Beste ist, dass mein eigenes Netzwerk das Pub, das Schnellrestaurant und die Bücherei erreichen könnte.

Ja, ich gebe es zu, ich bin ziemlich versessen darauf, es zu auszuprobieren. Ich denke, dass meine Nachbarn erst mal argwöhnisch sein werden, insbesondere die, die keine Ahnung haben, was ein drahtloses Netzwerk ist oder warum irgendjemand so was haben will. Und es werden Fragen kommen: wer bezahlt das und wie viel. Es müsste eine Art Genossenschaft gebildet werden.

Aber eins ist klar: So wie jetzt können wir nicht weitermachen. Ach wenn wir zu 802.11a überwechseln, was über mehr Kanäle verfügt – oder 802.11h, welches die rechtmäßige Form von 11a ist – allerdings habe ich es in der realen Welt noch nicht zu Gesicht bekommen – braucht es nur ein paar noch gewitztere Neuerungen, wie der Wifi-Fernseher von LG Electronics (drei Stunden Batterieleben – ist das clever ?) und der Störpegel und die Nutzung der Bandbreite bringen die ganze Sache zum Stehen.

Das Menetekel ist schon da. Zwei Tage nachdem wir auf 8 lokale Wifi-Knoten gekommen sind, wurden zwei von ihnen abgeschaltet. Ich wette, dass die Besitzer sie zum Händler zurückgebracht haben, weil sie angeblich kaputt wären.

Nächstes Jahr um diese Zeit wird der örtliche PC-Shop Ärger mit den Netzwerk-Herstellern bekommen, weil zu viele drahtlose Geräte zurückgegeben werden. Der Verkauf von Geräten für Powerline-Netzwerke wird in die Höhe schießen. Wir müssen wirklich etwas tun, bevor es so schlimm kommt.