Business Intelligence
Wird in der IT Styling wichtiger als die Substanz?

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Zu viele Anbieter setzen bei der Vermarktung ihrer Produkte auf Glamouröses statt auf die wirkliche Leistungsfähigkeit, meint Madeline Bennett. Das gilt für Software mit hübschen Benutzeroberflächen ebenso wie für tolle Hardware mit wenig Leistung.

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Als eifriger Fußballfan denke ich oft daran, dass Styling offenbar wichtiger ist als Substanz, wenn ich mir ein Spiel ansehe – obwohl man auch meinen könnte, dass in den letzten Jahren beides gefehlt hat. Es gibt Vereine, die gutgestylten Fußball spielen, aber keine hart erkämpften Siege abliefern, und es gibt Fans, die sich bei einem 2:1-Sieg über das lausige Spiel und die schwache Verteidigung ereifern und die sich vor Begeisterung über die Pässe bei einem Unentschieden gar nicht mehr einkriegen können.

Am Ende der Saison sind es aber eher die Teams, die auf Substanz und harte Arbeit gesetzt haben, die oben in der Tabelle stehen, und nicht diejenigen, deren Spieler auf dem Platz und im Interview besonders elegant gewirkt haben.

Mehr Styling als Leistung – nicht nur bei Apple
Auch in der Technologiewelt bekommt man oft Styling geboten, wenn eigentlich dringend Substanz benötigt würde. Ohne irgend jemand besonders hervorheben zu wollen, fällt einem wegen der Ankündigung neuer Mini-Geräte dabei zuerst Apple ein.

Der Mac Mini ist wirklich wunderhübsch und wird zu einem attraktiven Preis angeboten. Aber niedrigere Preise bedeuten tendenziell geringere Leistung, und das Mini-Angebot könnte weniger attraktiv sein, wenn man sich als Käufer vor Augen hält, was an Kosten noch so dazu kommt etwa für den unbedingt erforderlichen Spitzen-Flachbildschirm und für Funk-Tastatur- und -Maus.

Apple neigt dazu, sich zuerst auf Design und beeindruckende Funktionen zu verlassen und erst dann an die praktische Arbeit zu denken. Ich habe oft Büros voller iMacs und iBooks besucht, die mit Leder-Sitzsäcken, Wasserspielen und Chill-Out-Zonen ausgestattet waren. Ich habe allerdings meine Zweifel, ob sich hier mehr Produktivität und Kreativität findet lässt als in einem Großraumbüro voller grauer Standard-PCs mit aneinandergereihten Schreibtischen und einem einsamen Wasserspender (wenn man Glück hat).

Business Intelligence: Viele Anwendungen sind nur hübschere Tabellenkalkulationen
Eine andere Gruppe von Anbietern, die man bezichtigen könnte, sich vor allem um Styling zu kümmern, sind die Anbieter von Business Intelligence (BI), eine Bande, die kürzlich weitere Versuche unternommen hat, zwischen Business-Analysten und Controller und ihren alten Lieblingsfreund, die Tabellenkalkulation, einen Keil zu treiben – mindestens sollte man die Tabellenkalkulation nicht ohne BI-Anwendungen einsetzen.

Das erweist sich aber als schwierige Aufgabe. Wenn Projekte mit neuen Technologien unternommen werden, passiert es oft, dass die Mitarbeiter zu den neu angeschafften Systemen Distanz halten und sich lieber auf bewährte Arbeitsmethoden verlassen. Neue Studien zeigen, dass das vor allem gilt, wenn es um den Einsatz der Tabellenkalkulation geht, wobei mehr als neun von 10 Angestellten weiterhin diese Anwendung für Finanzberichte nutzen.

Das führt dazu, dass die BI-Leute geschäftig versucht haben, die Beliebtheit des Tabellenkalkulationssystems zu unterminieren.

Erst versuchten sie, Firmen und Anwender davon zu überzeugen, dass es zusätzliche Wunderwaffen gebe, die in den BI-Angeboten steckten – die Verarbeitung von Daten in großen Massen, Umsatzprognosen und Marketingaussichten für Jahre im voraus, und so weiter und so fort. Dann führten sie Fusions- und Übernahmekreuzzüge und versprachen integrierte BI-Lösungen aus einer Hand.

Der neueste Trick schein zu sein, dass eine bessere Integration in Microsoft Excel angeboten wird, während Microsoft selbst sich weiter in den Markt für Unternehmensanwendungen hineinbewegt.

Diese Anbieter könnten feststellen, dass sie erfolgreicher in den Unternehmenssektor und auf die Desktops der Mitarbeiter kämen, wenn sie sich auf die Substanz ihrer Angebote konzentrierten und den Firmen bewiesen, dass diese Produkte wirklich den vorhandenen in der Leistung überlegen sind und dass es sich nicht nur um eine attraktivere Methode handelt, um das selbe Endergebnis zu erreichen.