Die Zukunft der Telefonie?
Interview: Skype schreibt das Telefon ab

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Niklas Zennström, Hauptgeschäftsführer von Skype spricht mit vnunet.com über die Pläne mit VoIP.

Die Zukunft der Telefonie?

Seit ihrer Gründung im Jahre 2003 hat Firma Skype, mit Hauptsitz in London, mehr als 54 Millionen Downloads für ihre VoIP Software registriert.

Diese Anwendung wurde dadurch bekannt, dass sie Nutzern innerhalb des Skype-Netzwerks kostenlose Sprachtelephonie bietet. Darüber hinaus offeriert die Firma gnadenlos aggressive Gebühren für Gespräche vom Computer oder von Handhelds aus zu Telefonnummern in der ganzen Welt.

Die Dienstleistung umfasst auch Anwesenheitsinformationen (Presence awareness), Instant Messaging und File Transfer. Vnu.net.com sprach mit dem 38jährigen Hauptgeschäftsführer und Mitgründer Niklas Zennström.

Warum glaubten Sie 2003, dass Skype und die Idee, die dem Unternehmen zugrunde liegt, zu einer entwicklungsfähigen Firma führen wird ?

Als die Leute immer mehr Breitband-Verbindungen als Einwahl-Verbindungen einrichten ließen, haben wir festgestellt, dass das Client/Server Model für das Internet nicht mehr funktionierte. Wenn man ein Distributed Network erstellen kann, wäre es doch wesentlich effizienter, wenn man alle Arten von Daten zwischen den Endnutzern transportieren könnte. Und so hatten unser Mitbegründer Janus Friis und ich die Vision einer sich selbst organisierenden Peer-to-Peer Technologie.

Zu dem Zeitpunkt wunderten wir uns, dass VoIP nicht weiter verbreitet war. Aber die existierenden VoIP-Technologien hatten eine Menge Probleme und es war schwierig, sie zum Funktionieren zu bringen, wenn das überhaupt gelang.

Die Peer-to-Peer Technologie konnte dieses Problem lösen.
Es war ganz offensichtlich eine riesige Chance, denn je mehr Breitband-Verbindungen eingerichtet werden, umso natürlicher würde es, eine Anwendung zu nutzen, die das Telefon ersetzt.
Das wäre wesentlich kostengünstiger und ein Problem weniger.

Die etablierten Telefongesellschaften bilden eine Lobby, um die VoIP-Provider den gleichen Vorschriften zu unterwerfen wie Gesellschaften mit konventionellen Telefonleitungen. Macht Ihnen das Sorge?

Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass man die gleiche Art von Vorschriften einhalten muss wie die Gesellschaften mit Leitungen. Ich glaube nicht, dass dies passieren wird, aber
bei Notrufen und dem Abhören wird man sich anpassen müssen.

Die Regulierungsbehörden betrachten unterschiedliche Klassen von VoIP-Providern, so z.B. AT&T Call Vantage, Verizon und Vonage. Diese bieten einen direkten Telefondienst an, wo man sein Telefon einstöpselt und einen traditionellen Telefondienst über das Internet bekommt. Das ist ein Ersatz für das Festnetz. Skype ist ein individueller Service: Man kann ihn dort verwenden, wo man gerade ist. Wenn ich nach Beijing reise, nehme ich mein Laptop mit und schließe es dort an.

Wollen Sie jemals einen Service einrichten, der ein Ersatz für das Festnetz ist, anstelle eines Dienstes auf PC-Basis ?

Derartige Pläne haben wir nicht. Das Telefon ist über hundert Jahre alt. Der Grund, weshalb wir neue Technologien verwenden, ist, dass wir auch neue Arten von Dienstleistungen anbieten und nicht alte replizieren und imitieren. Wir verwenden diese Technologien, um neue Dienstleistungen zu schaffen, die sich durch eine zunehmende Benutzerfreundlichkeit auszeichnen.

Betrachten Sie VoIP-Provider wie Vonage als Konkurrenten?

Nicht wirklich. Wir gehen davon aus, dass Skype ein persönlicher Kommunikationsdienst ist, den der Nutzer zusätzlich zu seiner Telefonleitung verwenden kann. Was Vonage macht, ist traditionelle Telephonie.

Wir bieten einen persönlichen mobilen Kommunikationsdienst, der IP-Voice-Kommunikation, Instant Messaging und File Transfer umfasst. Sprachkommunikation ist ein Teil unseres Angebots, aber nicht alles.

Über 90 Prozent der Anwender nutzen Skype für IP-Kommunikation. Vonage-Nutzer verwenden den Dienst für traditionelle Telefonkommunikation, zu 100 Prozent. Es ist ein völlig anderes Anwendungsprofil.

Allerdings haben Sie eine Partnerschaft mit Siemens, um Handsets auf Skype-Basis anzubieten. Für den Endnutzer sieht dies sehr nach dem Vonage-Angebot aus. Warum ist Skype dennoch anders?

Der große Vorteil von Skype ist, dass es von Ihrem Gerät oder Netzwerk, unabhängig ist. Die Menschen werden unterschiedliche Arten von Geräten verwenden, um in das Skype-Netzwerk zu gelangen. Siemens bietet ein schnurloses Telefon an, das Skype verwendet, so dass man Skype mit dem Telefon nutzen kann. Wenn man ein Smartphone verwenden will, kann man dies tun. Unterschiedliche Nutzer werden unterschiedliche Plattformen verwenden.

Der große Unterschied zu dem Call Vantage Dienst von AT&T ist die Mobilität. Man kann einen Computer zu Hause haben mit einem Siemens Handset. Aber wenn man auch ein PDA hat und gerade in Amsterdam unterwegs ist, wird der Skype-Service den PDA in Amsterdam anklingeln.

Was können wir von Skype in Zukunft erwarten?

Sie werden Skype an mobilen Geräten sehen, so dass man es von jeder Art drahtlosem Netz aus verwenden kann. Wenn drahtloses Breitband-Internet allgegenwärtig ist, können Sie dies für die Sprachkommunikation verwenden, wo immer Sie auch sind. Dafür verwenden Sie ganz einfach irgendein mobiles Gerät: ein PDA, Smartphone, Laptop oder etwas anderes.

In den nächsten Jahren werden wir neue Partnerschaften mit Telefongesellschaften und Hardware-Herstellern ankündigen.
Wir wollen auch Dienstleistungen mit einem Wertzuwachs einführen, wie Voicemail und SkypeIN Service, wo Skype Anrufe aus dem Telefonnetz entgegen nehmen kann.