Teleworking
Vielleicht sind die Mitarbeiter zuhause zufriedener

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In Deutschland ist Telearbeit fast nicht existent. In Großbritannien zeigen erste Zeichen, dass die Unternehmen es auf politischen Druck hin nun doch versuchen. Ob dies tatsächlich funktioniert, muss sich noch zeigen.

Teleworking

In der Vergangenheit hat nur British Telecom (BT) versucht, die Telearbeit zu ihrem Nutzen anzuwenden. Jetzt haben Sun und Brother einen ähnlichen Weg eingeschlagen. Das ist eine interessante Entwicklung, insbesondere deshalb, weil der Vorstoß der britischen Handels-Ministerin Patricia Hewitt, die “Work-Life-Balance” zu unterstützen, in den Augen ihrer Verfechter wohl mehr Gerede als Taten enthielt.

Doch auch Unternehmen lassen sich von Politikergerede einlullen. Sun rührt sehr massiv die grüne Trommel und hat für diese Sache niemanden Geringeres als Tony Blairs Umweltguru Jonathan Porrit verpflichtet.

Sun’s Chef für Regierungsangelegenheiten, Richard Barrington,k teilte mit, dass die Teleworker des Unternehmens der Firma ein Viertel der Bürofläche in vier Jahren eingespart haben und dazu noch 2,7 Millionen Pfund an Energiekosten. Auch sparen diese Arbeitskräfte pro Woche 2 Stunden Arbeitsweg, wovon sie der Firma eine Stunde als Arbeitszeit zurückgeben.

Sun befürwortet öffentliche Verkehrsmittel, so lange seine Mitarbeiter sich hinsetzen und wegnicken können. Das Unternehmen glaubt, dass der Übergang zur Telearbeit seine Mitarbeiter zufriedener und damit produktiver gemacht hat.

Brother, der Hersteller von Tintenstrahl- und Laserdruckern, die aber auch Scanner, Faxmaschinen und Kopierer sind, unterstützt sehr stark den Gedanken, dass seine Zukunft in Europa mit einem Aufschwung der Heimarbeit einhergehen wird. Die Firma behauptet, dass Home-Office-Geräte miniaturisiert werden und ein für die Verbraucher geeignetes Aussehen haben sollen. Brother meint, dass sie durch die Verlagerung der komplizierten Druckköpfe auf das Untergestell des Druckers dieser Forderung nachgekommen sind und damit Lärm, Energieverbrauch und, Ausfallzeiten reduziert haben.

Duncan Browne von den IDC-Marktforschern ist gleichermaßen optimistisch. Regierungsbeamte, so meint er, sind reif für einen verspäteten Einstieg in die Heimarbeit. Allgemeiner gesprochen, sollten innerhalb der nächsten zwei Jahre in 50 Prozent der britischen Haushalte PCs vorhanden sein und sich Breitband-Anschlüsse ausweiten; bei der nötigen Technik für Fernarbeitsplätze sind in Deutschland sogar bessere Voraussetzungen gegeben als bei den Briten – nur die Bereitschaft, sich darauf einzulassen, fehlt noch. Doch die Menge von Breitband-Anschlüssen sowie die gestiegene Anzahl von Multifunktions-Peripherie könnte Grundlage für eine bessere Zukunft der Heimarbeitsplätze werden.

Browne fügt hinzu, dass Mitarbeiter, die einen Tag pro Woche oder mehr von zu Hause aus arbeiten und diejenigen, die über einen Fernarbeitsplatz nachdenken, Peripheriegeräte benötigen, die so gut sind wie die im Büro. Und dieser Bedarf – er nennt ihn “corporate office equivalence” – trifft auf Heimarbeiter auch dann zu, wenn sie keinen Platz für ein Arbeitszimmer haben.

Offiziell gab es im Jahre 2001 in Großbritannien 2,2 Millionen Telearbeiter, die einen oder mehrere Tage der Woche zu Hause gearbeitet haben – einschließlich der Selbständigen. Zahlenb für Deutschland liegen noch nicht vor. 2005 – so meint Browne – liegt die Nachfrage nach flexiblen Arbeitsvereinbarungen europaweit massiv über den Voraussetzungen, die die Arbeitgeber bis dato geschaffen haben.

Der Vertriebschef von Brother, Phil Jones, weist darauf hin, dass auf jedes Prozent, das Arbeitgeber ihren Angestellten auf Wünsche nach flexibler Arbeit entgegenkommen, Zehn- oder sogar Hunderttausende von Angestellten Teleworker werden.

Befragungen haben ergeben, dass die Menschen vor allem deshalb zu Hause arbeiten wollen, weil sie dort weniger gestört werden und besser denken können. Als Folge davon ändert sich das Zuhause.

Eine EU-Vorschrift für Telearbeit ist in Arbeit. Es gibt Wi-Fi-Netze und den Ausblick auf Fernsteuer-Produkte, die eigentlich alles regeln können. Schön und gut. Aber bedenken Sie: Wenn Unternehmen großteils in Privaträumen stattfinden, müssen 60 Prozent der Angestellten ihre IT-Probleme selbst beheben. Gemeinsame Sicherheitsvorkehrungen sind dann kaum noch umsetzbar – aber wozu auch, wenn in den Umfragen ohnehin nur 29 Prozent angaben, sich auf die IT-Abteilung verlassen zu können?

Heimarbeit hat ihre eigene Logik. Untersucht man Sun’s Angaben über den Produktivitätszuwachs auf ihre Voraussetzungen, kann man sagen: Nur wenn Unternehmen für echte Produktivität zu Hause sorgen, werden die Angestellten dort auch zufrieden sein und gute Arbeit liefern.