Kompliziert aber lohnend
Windows Media Center

Software

Gordon Laing nutzt die Gelegenheit, Media Center auf seinem eigenen PC zu installieren, muss aber feststellen, dass das keine leichte Aufgabe ist.

Kompliziert aber lohnend

Ich habe die letzten beiden Wochen damit gekämpft, Windows XP Media Center 2005 auf meinem eigenen PC zu installieren. Um fair zu sein, muss man sagen, dass Microsoft nie behauptet hat, dass das einfach ist tatsächlich war nie beabsichtigt, dass Endnutzer Media Center installieren. Da es eine ziemlich knifflige Angelegenheit ist, hatte Microsoft eigentlich beabsichtigt, dass es nur bei brandneuen Systemen vom Hersteller vorinstalliert sein sollte.

Die Herausforderung

Die erweiterte Lizenzierung von Media Center 2005 durch Microsoft erlaubte es Systemherstellern allerdings, die OEM-Installations-Software theoretisch direkt an Endnutzer zu verkaufen, und ich konnte nicht wiederstehen. Das war ein rotes Tuch für den Stier in mir, der schon immer auf die raffinierte Benutzeroberfläche und den kostenlosen Zwei-Wochen- Electronic-Programming-Guide (EPG) scharf, aber nicht willens war, sich extra dafür einen neuen PC zuzulegen. Sieht man von der Lust an der Herausforderung ab, gibt es dann noch weitere zwingende Gründe, Media Center auf dem eigenen PC zu installieren anstatt konkurrierende Programme zu installieren, die für Endnutzer-Installationen entworfen wurden?

Der Electronic-Programming-Guide

Für Anfänger kann der Wert des EPG des Media Center nicht überschätzt werden. Die meisten Pakete erfordern ein Abonnement oder setzen einen komplexen Prozess voraus, bei dem kostenlose Programmdaten, die im Internet verfügbar sind, gesammelt und umformatiert werden. Andere Produkte nutzen den Sieben-Tage-EPG, den Freeview für terrestrische digitale TV-Übertragungen bietet; es kann aber langwierig sein, das zusammenzutragen. Media Center dagegen bietet freien Zugang zu einem Zwei-Wochen-EPG, der automatisch jeden Tag aus dem Internet heruntergeladen wird. Man drück einfach auf die Schaltfläche Guide, und schon taucht er ohne Verzögerung, Konfigurationsarbeit oder Abonnementgebühren auf. Für mich ist allein das schon Grund genug, sich Media Center zuzulegen.

Zwei für den Preis von Einem

Media Center 2005 kann Zwillings-TV-Tuner nutzen, was ebenfalls nützlich ist. Ich möchte selten Sendungen aufnehmen, die zur selben Zeit laufen, aber ich habe gerne vor und nach der Sendung ein paar Minuten Polster. Wenn man Sendungen auf unterschiedlichen Kanälen aufnimmt, die direkt auf einander folgen, gibt es damit Probleme. Hat man zwei Tuner, kann die Aufnahme der zweiten Sendung beginnen, während die der ersten noch läuft. Hat man das einmal ausprobiert, fragt man sich, wie man je mit einem einzigen Tuner ausgekommen ist.
Ich mache kein Geheimnis daraus, dass ich Media Center mag, aber ich bin nicht bereit, deswegen einen neuen PC zu kaufen. Ich habe einen perfekt funktionierenden PC, den ich dafür verwenden kann, und daher war ich versucht, eine manuelle Installation zu wagen. Trotz aller Warnungen hatte ich jedoch keine Vorstellung, wie kompliziert das werden würde.

Startprobleme

Die Erstinstallation von Media Center stellt überhaupt kein Problem dar. Das OEM-Paket besteht aus zwei CDs (für etwa 100 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer) und enthält eine neue Version von Windows XP, die eine Neuinstallation benötigt so wird das System saubergemacht. Die XP-Version, mit der MCE geliefert wird, ist eigentlich XP Professional, bei dem einige Funktionen deaktiviert sind. Ein beharrliches Problem ist sein Unvermögen, eine Verbindung zu Netzwerk-Domains herzustellen, obwohl diese Option bei der Erstinstallation vorhanden ist. Das ist die einzige Chance, eine Verbindung zu einer Domain herzustellen, ohne das OS neu zu installieren; aber zumindest ist das möglich, wenn man Media Center auf dem eigenen Rechner installiert.
Abgesehen von einer leichten Panik, die entsteht, wenn man nach einer nichtexistenten CD mit Windows XP Service Pack 2 gefragt wird (wird gelöst, indem man einfach CD 1 nochmal einlegt), unterscheidet sich der erste Teil der Installation von Media Center nicht von einer Standard-XP-Installation. Schwierig wird es, wenn man versucht, es zur Zusammenarbeit mit TV-Tuner, Grafikkarte und DVD-Software zu bewegen.

Auf den Treiber kommt es an

Microsoft hat keinen Versuch unternommen, zu verbergen, dass Media Center zickig dabei ist, womit es zusammenarbeitet und wobei nicht. Nachdem ich mehrere Stunden verschwendet hatte, gab ich den Versuch auf, vorhandene Einzelteile zur Zusammenarbeit zu bewegen, und ersetzte sie durch Teile, bei denen ich absolut sicher war, dass sie funktionieren. Leider benötigt man nicht nur die richtige Hardware; eventuell braucht man auch spezielle Treiber für Media Center, die Endnutzern nicht immer zur Verfügung stehen.
Zum Glück gibt es Ausnahmen, und ich empfehle, sie zu nutzen. Die neuesten TV-Tuner von Hauppauge scheinen mit den mitgelieferten Treibern gut mit MCE zusammenzuarbeiten, und GDI bietet sogar WHQL-zertifizierte Media-Center-Software für die Black-Gold-Tuner über die Website der Firma an. Man braucht eine neue Grafikkarte mit den richtigen Treibern, aber die Standard-XP-Software von Nvidia sollte funktionieren, und ATI bietet spezielle Media-Center-Treiber über die eigene Website an.
Selbst wenn Grafikkarte und TV-Tuner stimmen, ist man noch nicht auf der sicheren Seite. Media Center nimmt Video als MPEG 2 auf, ein Format, in dem man DVD-Filme und Live-Digital-TV-Übertragungen ansieht. Man braucht DVD-Decoder-Software, um sich das anzusehen, aber nicht in einer beliebigen Version man sollte den DVD-Decoder von Nvidia oder PowerDVD 6 von Cyberlink verwenden.

Die Gesamtkosten

Erfüllt man alle diese Bedingungen, sollte MediaCenter reibungslos funktionieren. Selbst wenn man Grafikkarte, TV-Tuner und DVD-Software neu kaufen muss, zusammen mit der Media-Center-Software und der Fernsteuerung von Microsoft, könnte man den PC theoretisch für weniger als 375 Euro upgraden. Vielleicht besitzt man einige der benötigten Einzelteile bereits. Das Geheimnis bei der Installation von Media Center ist, dass man nicht versuchen sollte, sich an Inkompatibilitäten vorbeizumogeln man muss dem Programm genau geben, was es haben will. Letztendlich ist Windows XP Media Center Edition nicht dazu gedacht, von Endnutzern installiert zu werden, und ich vermute, dass das Programm im Handel niemals wirklich einzeln zu erhalten sein wird. Weiß man aber, welche Einzelteile man benutzen muss und wo man sie bekommt, kann man das Programm wirklich auf dem eigenen Rechner installieren. Nicht für Leute mit schwachen Nerven, aber jetzt, wo es läuft, würde ich schon sagen, dass es die Mühe wert war.