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Technische Innovation oder Modeerscheinung?

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So intelligent oder nützlich unsere Technologien auch sein mögen, irgendwann werden sie alle ausgedient haben, meint Guy Kewney.

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Es ist schwer, bei einem Gerät zwischen einer genialen Erfindung und einem Modegag zu unterscheiden. Ich kann mich erinnern, als ich beim Hula-Hoop-Reifen viel darauf gewettet hätte, dass es sich um eine sinnvolle Erfindung handele. Jeder Mensch braucht körperliches Training, also erfüllte der Reifen einen sinnvollen Zweck. Es erforderte Geschicklichkeit, und ich glaubte, es würde eine weit verbreitete Sportart werden. Und Spaß machte es auch noch. Ich sah deshalb eigentlich keinen Grund, warum die Leute je wieder aufhören sollten, ihren Hula-Hoop-Reifen zu schwingen.

Und doch taten sie es. Und genauso wahrscheinlich ist es, dass der iPod eines Tages ausgedient haben wird. Auf der einen Seite hat er zwar bereits gezeigt, dass er das Zeug hat zu Beständigkeit, denn als Nachfolger des Ghettoblasters oder Transistor-Radios scheint er die Popularität tragbarer Musikgeräte zu untermauern. Doch ist er wirklich nur eine neue Art Transistor-Radio, bei dem die persönliche Auswahl der Stücke etwas leichter ist, als den Sender anzurufen und sich ein besonderes Stück zu wünschen? Oder ist er wirklich etwas Neues? Die Frage ist eng verknüpft mit einer anderen, nämlich der Frage nach Bandbreite des Geräts.

Eines Tages wir auch der iPod ausgedient haben.

Nehmen wir an, Sie sind ans Haus gebunden. Dort haben Sie die Möglichkeit, jegliche Musik, die Sie besitzen, zu jeder beliebigen Zeit anzuhören. Dazu ist lediglich ein Netzwerk ? am besten drahtlos – erforderlich, das Ihre Festplatte mit den Kopfhörern verbindet, und ein Befehls- und Kontrollsystem.

Das ist es letztlich, was der iPod bietet, bis zu dem Moment, wo Sie Ihr Haus verlassen und ein Ihnen bisher unbekanntes Musikstück brauchen. Sie gehen also in einen Laden, kaufen die CD und spielen sie auf. Oder Sie verschaffen sich mehr Bandbreite: Mit einer 3G-Datenkarte schaffen Sie es locker, Musik schneller runterzuladen, als Sie sie abspielen können. Es sei denn, Sie entfernen sich zu weit vom Signal.

Nehmen wir jetzt weiter an, diese Bandbreite sei überall verfügbar. Nicht nur in Städten oder in Bodennähe, sondern absolut überall. Das wäre doch das Ende des iPod, oder nicht? Warum sollte ich dann ein Gerät mit mir herumtragen, auf dem ich alles speichere, wenn ich mir die Musik von zu Hause, von Sony oder irgendeiner anderen Quelle jederzeit remote downloaden kann? Dann hat eben jeder sein Headset auf dem Kopf und nutzt das universelle Wireless-Netz, das dann in der Lage sein muss, auf alles Verfügbare zuzugreifen: GSM, Wi-Fi, Ultrabreitband, FM-Radio, lokale GPS-Satelliten, Bluetooth, Dect.

Das scheint heute alles kein Problem mehr zu sein. Schließlich war es mit den ersten Mobiltelefonen auch so, dass ein britisches Exemplar in Amerika oder Japan nicht funktionierte, aber heute weiß jeder Bescheid, wenn von einem Tri-Band-Handy die Rede ist.

Wir brauchen also nur noch zu sagen: “Lauter”, “Leiser”, “Stop”, “Los”, “Spiel dies oder jenes”. Wir arbeiten mit einer Steuerkonsole, die in der Lage ist, Musik zu spielen.

Schauen wir uns das Telefon an. Ein Telefon ist, in seiner Grundfunktionalität, auch nichts anderes als ein iPod. Daten werden gespeichert, es gibt verschiedene Wireless-Verbindungen, der Sound geht raus und kommt rein. Doch die Befehlskonsole ist völlig anders. Wir benutzen unser Telefon, um Leute zu finden. Okay, vielleicht könnte man ja sagen, Leute oder Songs zu finden ist nichts grundsätzlich anderes. Songs bewegen sich jedoch nicht so lebhaft wie Leute von einem Ort zum anderen, und man muss wissen, wo die Leute sind, um sie zu finden, ihren Namen zu kennen genügt nicht. Außerdem müssen gesprochene Nachrichten aufgenommen werden können, um dem anderen mitzuteilen, wo er mich gerade finden kann.

Das “Let It Be” der Beatles wäre nicht plötzlich das “Let It Be” von Beethoven, aber eine Person kann plötzlich statt eines Guy Kewney vom PC Magazine der Guy Kewney von PCW sein. Ein Telefon braucht ein Adressbuch, ein iPod nicht. Die Tools zum Finden und Abspielen von Musik sind nicht dieselben wie die für das Finden einer Adresse.

In Zukunft werden wir es mit einem elektronischen Einheitsgerät zu tun haben.

Eine Telefontastatur lässt sich zum Schreiben von Text verwenden, aber das erfordert Übung. Doch selbst wenn es ein gesondertes Texteingabesystem mit allen erforderlichen Wireless-Modulen gäbe, wäre die notwendige Steuer- und Eingabeschnittstelle wieder eine andere.

Betrachten wir die Videotechnologie. Eignet sich der iPod dafür? In mancherlei Hinsicht, ja: vorwärts, zurück, suchen, Wiedergabe, lauter, leiser. Aber das Display müsste wieder völlig anders sein, und das Gerät müsste eine Batterie haben, die in der Lage ist, ein oder zwei Filme zu überdauern.

Und was ist der Unterschied zwischen einer Kamera und einem Telefon oder Nachrichtensendegerät? Als Erstes die Bandbreite, dann die Qualität der Linse, schließlich die Bedienoberfläche. Die Belichtungszeit wäre für den iPod kein Thema.

Und was wird aus den Druckmedien? Das Papier unterscheidet sich immer noch ganz elementar von jedem anderen Medium: Es macht nicht nur das Lesen einfacher ? mit einer besseren grafischen Auflösung als bei jeder heute verfügbaren anderen Anzeige ?, sondern ist durch sein geringes Gewicht auch leichter in jede beliebige Position zu bringen.

Aber selbst in diesem Bereich sehen wir enorme technologische Veränderungen in den nächsten Jahren auf uns zukommen. China etwa will sämtliche Schulbücher durch elektronische Bücher ersetzen. Bis zum Jahr 2007 heißt es, wird ein eBook etwa so viel wiegen wie die Financial Times und dabei bessere Einstellungen für Kontrast und besondere Details bieten. Und es wird ein multiples Wireless-Element beherbergen.

Wir schauen einer Zukunft entgegen, in der wir es mehr oder weniger mit einem elektronischen Einheitsgerät zu tun haben: Es wird ein oder zwei benutzerorientierte Geräte geben (Sprechgerät, Anzeige in Ton oder Bild), bei denen der Unterschied lediglich in der Bedienoberfläche und der Leistungsabgabe liegt.

Welches dieser Geräte hat also das Zeug dazu, ein “Dauer-Feature” unserer Gesellschaft zu werden, und welche werden das Schicksal mit dem Hula-Hoop-Reifen teilen? Der PC? Der iPod? Die Kamera? Ein spezialisiertes IM-Gerät? Oder werden alle diese nur unterschiedliche Bedienungsgeräte ein und desselben Kernmoduls sein? Dann bliebe vor der Party nur zu klären, welches Steuer-Set man mitnimmt.