Netzwerk-Management
Private Wireless-Netze bringen Chaos

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Immer mehr Menschen nutzen zu Hause WiFi, und so wird Kanalverstopfung zu einem großen Problem, findet Guy Kewney.

Überbevölkerung in der Wireless-Welt

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Wie viele Nachbarn gibt es im Umkreis von 30 Metern von Ihrem Schreibtisch? Wie viele von ihnen haben einen PC? Und wie viele werden sich in den nächsten 12 Monaten ein Wireless-Netzwerk zulegen? Und machen Sie sich darüber Gedanken?

Sie sollten darüber nachdenken: Die Zahlen sind furchterregend. Mein Freund Jon lebt in einem Apartment auf einem Hügel im Norden Londons. Von dort aus kann er viele Gebäude sehen und er kann per Wireless-LAN an alle Häuser senden, die er sieht. Da er ein technischer Tüftler ist, hat er an seinem 801.11-Signal bis an die legalen Grenzen gebastelt. Er behauptet, er könne sein Netzwerk zu Hause Bars und Restaurants empfangen, die über einen Kilometer entfernt sind und er schafft das auch. Besser gesagt, er schaffte es bisher.

Inzwischen ist das nämlich schwierig geworden. Im Dezember letzten Jahres zeigte er mir den Output von Netstumbler (ww.netstumbler.com). Sein eigener Zugangspunkt war das stärkste Signal; er konnte aber auch rund 30 weitere Zugangspunkte aufgelistet sehen. Und meistens wurde sein Signal trotz seiner Super-Antenne einfach durch die reine Überzahl ertränkt.

Die meisten von uns leben nicht oben auf einem Hügel, sondern in einer typischen städtischen oder vorstädtischen Umgebung, wo wir innerhalb der Wireless-Reichweite von mindestens einem Dutzend Gebäude sind. In meiner Straße ist jedes Haus sechs Meter breit; in den meisten befinden sich zwei Wohnungen mit drei oder sogar fünf Zimmern. Ein WiFi-Zugangspunkt im Fenster des oberen Stockwerks kann ein Signal auf die Straße pumpen und auf jeder Seite ein Haus erreichen, und dazu etwa acht Gebäude auf der anderen Seite der Straße und fünf, die hinter dem Haus liegen.

Damit sind etwa 30 Wohnungen in Reichweite, und im Moment haben nur sechs von uns einen eigenen Zugangspunkt. Das ist doppelt soviel wie erträglich ist, da 802.11b und 802.11g nur drei Kanäle haben, die sich nicht überschneiden.

In der Theorie gibt es natürlich 13 Kanäle. Wenn man in verstopften Gebieten herumspielt, stellt man schnell fest, dass die Kanäle 1, 6 und 13 (oder Kanal 11 in den USA) sich nicht stören. Kanal 3 stört 1 und 6, Kanal 9 6 und 13. Das hält es nicht vom Funktionieren ab die Software kann jeden gewünschten Sender aufnehmen.
Funktioniert das aber ordentlich? Kein Stück. Ich wurde auf das Problem aufmerksam, als ich herausfand, dass ich mir den Standard-Kanal 6 mit drei Nachbarn teilte. Mein Hochgeschwindigkeits-802.11g-Netzwerk lief mit einem Durchschnitt von 10Kbits/sec statt 20Mbits/sec. Nicht nur das, es hatte auch einen Schluckauf, blieb stehen, fiel aus und tat generell so, als sei es abwesend. Ich erhielt den beweis, als ich auf Kanal 1 wechselte und alles wieder für zwei Tage in Ordnung war. Dann taten zwei meiner Nachbarn dasselbe, da zwei neue Kanal-6-Netzwerke gestartet waren. Chaos.


Alternativlösungen sind gefragt

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Es wird Zeit, ein Nachbarschaftsnetz auszuprobieren. Das würde nicht nur das Problem der Verstopfung lösen, sondern mein eigenes Wireless-Netzwerk in Teile der Stadt ausweiten, die ich nicht erreichen kann. Dieses Konzept lässt sich am besten mit Locustworld illustrieren, und man kann kostenlos damit herumexperimentieren, wenn man ein bootfähiges Disk-Image auf einen überzähligen PC herunterlädt.

Will man ernsthaft damit arbeiten, sollte man einen Mini-ITX-PC kaufen und (hier wird es kompliziert) sich den Wireless-Nachbarn vorstellen. Mit etwas Glück hoffe ich, dass sich mindestens einer meiner technikbegeisterten Nachbarn sofort anmeldet, so dass wie ein netz mit zwei Noden bauen können. Jeder von uns wird über das Netz (sicheren) Zugang zum eigenen privaten Netzwerk haben, und zwar von beiden Noden aus. Dann machen wir weiter und erweitern das Netzwerk die Straße hinauf und herunter, dann auf die Rückseite der Häuser und in die nächste Straße und so weiter und so fort.

Das Konzept ist, dass wir alle dasselbe Wireless-Netzwerk haben und dann die Verstopfung verschwindet. Die Locustworld-Software stellt sicher, dass niemand zufällig Miss Februar auf meinem Farbdrucker ausdruckt oder meine Rechnungsdateien liest; und das Netzwerk verteilt das Breitband, so dass jeder, der eine besonders hohe Download-Geschwindigkeit benötigt, die erforderliche Kapazität bekommt. Das Beste daran ist aber, dass mein eigenes Netzwerk zum Pub, zur Frittenbude und zur Bücherei reichen sollte.


Abhilfe setzt Kooperation voraus

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Ja, ich gebe ehrlich zu, dass mich der Versuch nervös macht. Ich erwarte, dass meine Nachbarn misstrauisch sind, vor allem diejenigen, die keine Ahnung haben, was ein Wireless-Netzwerk ist oder weshalb man eins haben sollte. Und es wird fragen geben, wer bezahlt und wie viel man muss eine Art Kooperative gründen.

Eins ist aber klar so geht es nicht weiter. Selbst wenn man zu 802.11a wechselt, das mehr Kanäle bietet oder zu 802.11h, einer legalen Form von 11a, die ich in der echten Welt noch nicht gesehen habe -, sind nur ein paar weitere ?clevere? Innovationen nötig wie etwa LG das WiFi-Fernsehen von LG Electronics( drei Stunden Batterie-Lebenszeit ist clever?), und das Niveau von Störungen und Bandbreitenutzung werden das ganze Ding zum Scheitern bringen.
Die Schrift steht auf der Wand. Zwei Tage, nachdem wir acht lokale Wifi-Noden hatten, wurden zwei von ihnen ausgeschaltet. Ich bin mir sicher, dass die Käufer sie in den Laden zurückbrachten und erklärten, sie seien kaputt. Nächstes Jahr um diese Zeit wird der örtliche PC-Laden von den Netzwerkanbietern gefeuert, da er zu viele Wireless-Geräte zurückschickt, und der Umsatz von kabelgestützen Netzwerkgeräten wird boomen. Wir müssen etwas unternehmen, bevor es so schlimm wird.