Photoshop vs. Gimp
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Die zweite Version der Open-Source-Bildbearbeitung Gimp wurde deutlich verbessert. Grund genug, sie gegen den Marktführer Photoshop in puncto Web-Aufgaben antreten zu lassen.

Die Kontrahenten

Photoshop vs. Gimp

Gimp gegen Photoshop, das klingt wie Ali gegen Frazier, Kommerz gegen Open Source. Ganz so martialisch soll es in diesem Test nicht zugehen. Zuerst einmal stellt sich die Frage, ob der Vergleich zwischen Gimp und Photoshop überhaupt statthaft ist. Tor Lillqvist, unter anderem verantwortlich für die Windows-Portierung von The Gimp, sagt »it (Gimp) is not a Photoshop killer«. Damit hat er Recht. Auch die neue Gimp-Version bietet noch keine vollständige CMYK-Unterstützung. Der Einsatz von The Gimp in der Druckvorstufe oder auch in einer größeren Werbeagentur ist nicht realistisch.

Im Webbereich, aber auch bei der Bearbeitung von digitalen Fotos und für Multimedia und 3D sieht die Sache anders aus. Hier ist The Gimp ein Vorzeigeprojekt und wird auch von Linux-Distributionen ins Werberennen geschickt. Grund genug, einen Vergleich mit dem bei Webdesignern weit verbreiteten Photoshop anzustellen. Dabei darf nicht in Vergessenheit geraten, dass The Gimp vom bewundernswerten Enthusiasmus weniger Entwickler lebt, wohingegen Photoshop ein großes kommerzielles Projekt von einem der größten Software-Anbieter der Welt ist. Für den diesen Vergleich soll allerdings nicht ausschlaggebend sein, woher die Programme kommen, sondern welches das bessere Werkzeug für Webprofis ist.


Umsteiger und Neueinsteiger

Photoshop vs. Gimp

Bei der Beurteilung von Bildbearbeitungsprogrammen ist die Bedienung neben dem Funktionsumfang wohl das wichtigste Kriterium. Für den Grafiker in der Praxis ist sie meist sogar das Entscheidende. Gleichzeitig ist die Bedienbarkeit allerdings schwer messbar. Vor allem für The Gimp ergibt sich hier ein Problem: Wer bisher schon mit Photoshop gearbeitet hat, ist damit meist zufrieden gewesen und hat bei einem Wechsel Umstiegsschwierigkeiten. Neueinsteiger sind dagegen wesentlich unvoreingenommener.


Abwanderung wegen Aktivierung?

Photoshop vs. Gimp

Der größte Vorteil von The Gimp ist der Preis. Es ist ein interessantes Phänomen, dass selbst Hobby-Bildbearbeiter trotzdem am Marktführer Photoshop mit seinem guten Image hängen. Dies hat Photoshop zu einem der beliebtesten Produkte für Raubkopierer gemacht. Adobe brachte mit Photoshop Elements eine abgespeckte Einsteiger-Variante für knapp 100 Euro auf den Markt, was das Raubkopiererproblem auch nicht löste. Die neue Software-Aktivierung soll dem einen Riegel vorschieben. Dies wird auf jeden Fall Auswirkungen haben und sicher einige Anwender dazu bringen, Photoshop den Rücken zu kehren.


Photoshop CS

Photoshop vs. Gimp

Die Neuerungen in Photoshop CS sind weniger an der Oberfläche, sondern eher unter der Haube zu erkennen. Die wichtigste Änderung an der Oberfläche ist der neu gestaltete Dateibrowser. Vor allem in Sachen Performance hat dieses Tool deutlich zugelegt.

In der Werkzeugpalette ist das Farbe-ersetzen-Werkzeug hinzugekommen. Standardeinsatzgebiet ist das Entfernen von durch den Blitz hervorgerufenen roten Augen. Die Idee dazu stammt aus Photoshop Elements. Profis rümpfen darüber eher die Nase, für Digitalfotografen ist das Werkzeug aber recht praktisch. Auch andere neue Funktionen sind stark auf Nutzer von Digitalkameras ausgelegt. Hierzu zählen die Integration des RAW-Formats für die meisten Kameramodelle und die Tiefen/Lichter-Funktionalität.

Der Webbereich ist in Photoshop CS hauptsächlich in einem eigenen Programm gesammelt: Image Ready CS. Zwei Programme? Dies hat historische Gründe. Adobe hat Image Ready erst hinzugekauft und dann immer mehr an Photoshops Oberfläche angepasst. Der Austausch von Dateien klappt auf Knopfdruck, in Version CS endlich auch mit akzeptabler Performance. Nur bleibt trotzdem die Frage, warum es denn eine eigenständige Bildbearbeitung für das Web sein muss? Dazu kommt, dass die Oberfläche eben doch nicht ganz gleich ist. Beispielsweise befinden sich manche Werkzeuge in der Werkzeugleiste an einer anderen Position. Hier verliert Photoshop einige Punkte, denn die Arbeit mit zwei Programmen ist nicht die Optimallösung.

Funktional gibt es dagegen an Image Ready wenig zu meckern. Anwender können von der Animation bis zu Rollover-Effekten und Imagemaps alles über Paletten realisieren. Das Design der Web-Paletten ist in Version CS deutlich übersichtlicher geworden. Der produzierte HTML-Code ist recht sauber, die Anpassung erfolgt über die Ausgabe-Einstellungen. The Gimp bietet hierzu keine adäquate Alternative, die die Kombination mehrerer dieser Funktionen erlaubt.

Fazit. Photoshop ist in der Version CS noch eine Spur besser geworden. Die Funktionalität ist vorbildlich. Bei der Bedienung müssen Einsteiger zwar mit einer längeren Einarbeitungszeit rechnen, die Arbeitsproduktivität ist allerdings sehr hoch.


The Gimp 2

Photoshop vs. Gimp

Die Erwartungen an die Version 2 wurden nicht enttäuscht: Die Oberfläche von Gimp sieht nun aufgeräumter aus. Die Paletten lassen sich flexibel verbinden. Gewöhnungsbedürftig bleibt, dass Bild, Paletten und Werkzeugleiste eigene Fenster sind. Ein einheitliches Programmfenster ist wünschenswert.

Eine der wichtigsten Verbesserungen für Webdesigner ist sicherlich das überarbeitete Pfadwerkzeug. Endlich sind die Pfade in Gimp genauso flexibel wie in Photoshop. Leider fehlen praktische Formen zum Beispiel für ein im Web häufig eingesetztes Register.

Hier sind im Detail interessante Funktionen hinzugekommen. So zeigen die Gradationskurven (hier Kurven genannt) das Histogramm des Bildes im Hintergrund. Eine praktische Funktion, die auch Photoshop gut stehen würde. The Gimp bietet alle wichtigen Bildbearbeitungsfunktionen. Designer müssen nur auf einfache Hilfen wie die Photoshop-Effekte verzichten.

GIF-Animationen und Imagemaps unterstützt The Gimp. Die Animation wird aus den Ebenen eines Bildes erzeugt. Zusätzlich gibt es Filter zur Optimierung. Imagemaps werden ebenfalls über einen Filter realisiert, der sogar die Integration von Javascript-Ereignissen erlaubt. Allerdings erreicht dies nicht den Automatisierungsgrad, den Photoshop in Image Ready bietet.

Eine besondere Stärke von The Gimp ist die einfache und mächtige Integration von Skripts. Über Script Fu können Anwender jeden Arbeitsschritt automatisieren. Photoshop bietet hier mit Aktionen und Stapelverarbeitung eine Variante per Paletten. In The Gimp können Nutzer allerdings tiefer, das heißt auf Pixelebene gehen, ohne sich gleich mitten in die Filterprogrammierung zu stürzen. Photoshop Scripting ist hier der Gegenentwurf von Adobe. Anwender programmieren mit Javascript oder Applescript und haben eine eigene API zur Verfügung.

Fazit. Bei der Bedienung scheiden sich an Gimp die Geister. Für Einsteiger ist die Anfangshürde nicht höher als bei Photoshop, Umsteiger gerade von Photoshop sind oft schnell frustriert. Im Funktionsumfang liegt Gimp deutlich hinter Photoshop zurück, allerdings handelt es sich dabei nicht um die für gute Bildbearbeitung entscheidenden Funktionen, sondern eher um nützliche Helfer.


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Photoshop CS Photoshop gewinnt den Vergleichstest vornehmlich aus drei Gründen: Der Grafikbolide bietet mehr Funktionen für schnelle Lösungen, mehr webspezifische Funktionalität und liefert schnellere Ergebnisse. Dennoch hat The Gimp sich mehr verdient als einen Preistipp. Wer in das Umfeld Bildbearbeitung neu einsteigt oder einfach eine Alternative zum teuren Photoshop sucht, findet mit The Gimp eine mittlerweile sehr ausgereifte Lösung.