Paint Shop Pro 9
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Die neue Version von Paint Shop Pro verspricht eine bessere Korrektur digitaler Bilder und neue Effekte für das Web. Der Workshop zeigt einige Neuerungen im Praxiseinsatz.

Corel übernimmt Jasc

Paint Shop Pro 9

Paint Shop Pro hat sich über die Jahre viele Freunde geschaffen. Vor allem Schnelligkeit und gute Benutzbarkeit gehörten schon immer zu den Stärken der Software. Seit Version 7 hat Paint Shop außerdem funktional deutlich zugelegt. Einige eingefleischte Fans sind davon zwar nicht immer begeistert, dafür konnte Paint Shop Pro viele neue Kunden gewinnen.

Interessant ist, dass Jasc, die Mutterfirma von Paint Shop, mittlerweile von Corel übernommen wurde. Corel, selbst gerade von einem Venture-Capital-Unternehmen geschluckt, sagt, dass die Produktlinie Paint Shop erhalten bleibt. Dazu gehören neben Paint Shop Pro auch Paint Shop Photo Album und Paint Shop Studio, eine Mischung aus Photo Album und einem abgespeckten Paint Shop Pro. Man darf gespannt sein, ob und wie sich der Zusammenschluss auf die Paint-Shop-Produktlinie, aber auch auf die Corel-Produkte auswirken wird.

Die neue Version 9, die zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Workshops gerade frisch auf Deutsch erschienen ist, verspricht vor allem für Digitalfotografen und Maler neue Funktionalität. Dieser Workshop verwendet einige der Neuerungen im Zusammenspiel mit älteren Funktionen, um digitale Bilder zu korrigieren und wichtige Webelemente zu erzeugen. Die für den Workshop gestalteten Beispielbilder finden Sie auf der Heft-CD. Sie sind aufs Ausprobieren beschränkt und dürfen nicht weitergehend genutzt werden. Auf Nachfrage sind sie über den Autor erhältlich.


Digicam: Rauschen unterdrücken

Paint Shop Pro 9

Digitalkameras sind eine unglaublich praktische Erfindung: ein schneller Schnappschuss, der dann direkt auf der eigenen Website oder im eigenen Blog landet. Damit das Foto nicht verkümmert, muss es noch ein wenig aufgebessert werden. Paint Shop Pro war schon immer bekannt dafür, eine Menge an automatischen Korrekturmöglichkeiten zu bieten: Farbbalance, Helligkeit und Kontrast sowie Farbton und Sättigung sind die wichtigsten. Dazu kommen Filter für die Korrektur von Bildfehlern.

In Paint Shop Pro 9 kommt eine praktische und von den Einstellungsmöglichkeiten her sehr professionelle Möglichkeit hinzu: die Rauschunterdrückung speziell für Bilder aus Digitalkameras. Bildrauschen bezeichnet die Ansammlung an kleinen Körnchen auf einem Bild ? das Bild wirkt körnig. Dasselbe Symptom kann natürlich auch bei gescannten Bildern auftreten.

Ein typisches Beispiel finden Sie auf der Heft-CD unter dem Namen zirkus.jpg. Das Bild wurde in einem Zirkus während der Vorstellung aufgenommen und ist ein Motiv, wie man es in jedem Bild-Blog unterbringen kann. Da am Aufnahmeort kein Blitz erlaubt ist, musste die Lichtempfindlichkeit der Kamera stark erhöht werden. Die passende Einstellung, die viele Kameras bieten, ist die ISO-Geschwindigkeit. Dieser Wert wird aus der klassischen Fotografie abgeleitet. Dort besitzt ein Film die Lichtempfindlichkeit in genormten Schritten, zum Beispiel ISO 50 (kaum lichtempfindlich) oder ISO 400 (stark lichtempfindlich).

Eine Digitalkamera simuliert diese Werte. Bei der Zirkus-Aufnahme kam eine ISO-Einstellung von 1600 zum Einsatz. Dies sehen Sie in Paint Shop Pro auch an den EXIF-Informationen. Diese sind im Menü Bild, Bildinformationen, zu öffnen auch mit dem Tastenkürzel [Umschalt I], im Register EXIF-Informationen zu finden. Die gewünschte Information gehört zu den Aufnahmebedingungen.


Korrekturbereiche bestimmen

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Um das Rauschen zu beseitigen, verwenden Sie den passenden Korrekturfilter Bildrauschen entfernen. Sie finden ihn als Symbol in der Symbolleiste oder über den Menübefehl Anpassen, Fotokorrektur, Bildrauschen digitaler Kameras entfernen.

Das Entscheidende ist, dass er das Rauschen beseitigt, die Grundstrukturen des Bildes aber erhält. Sie können im Filter recht genau steuern, was korrigiert werden soll und was nicht. Der Filter sucht sich zuerst drei Regionen als Muster: Lichter (helle Töne), Mitteltöne und Tiefen (dunkle Töne). Sie können allerdings auch beliebige eigene Muster wählen. Dazu steht rechts unten ein Vorschaubild zur Verfügung. Außerdem haben Sie die Möglichkeit, zu steuern, wie stark korrigiert wird. Im Einzelnen können Sie sogar die Korrekturstärke für unterschiedliche Größen der Rauschartefakte einstellen.


Bildregionen ausschließen

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Unter Bild schützen wählen Sie Farbregionen, die von der Korrektur ausgeschlossen werden sollen. Dieses Verhalten benötigen Sie beispielsweise, wenn Ihre Kamera nur in bestimmten Farbregionen Rauschen erzeugt, andere aber auslässt. Besonders bei billigeren Kameras sind das beispielsweise blaue Flächen wie Himmel. Sie können dann alle Farbbereiche außer Blau vor der Bearbeitung schützen.

Bei der Verwendung der Rauschkorrektur sollten Sie ein wenig aufpassen. Vor allem bei gröberen Artefakten ist der Automatismus zur Beseitigung von JPEG-Artefakten besser geeignet. Regelmäßige Moiré-Muster beseitigt ein weiterer Korrekturfilter.


Fort mit dem Farbstich

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Neu und noch erwähnenswert ist der Filter Farbabweichung. Er entfernt Stiche und falsche Farben aus Bildbereichen. Sie wählen im Dialogfeld verschiedene Bereiche, die dann korrigiert werden. Ein häufiges Anwendungsgebiet sind Nachtaufnahmen, in denen künstliche Lichter einen Farbstich erhalten (Bildbeispiel landschaft.jpg).

Weitere typische Fotoprobleme lösen die Filter Hintergrundbeleuchtung und Aufhellblitz. Ersterer dunkelt zu helle Bildbereiche ab. Dies können Stellen mit Sonneneinstrahlung beispielsweise aus dem Gegenlicht sein. Aber auch der Einsatz von schlechtem Blitzlicht kann den Filter notwendig machen. Aufhellblitz hellt zu dunkle Bereiche auf und wirkt ebenfalls gegen extreme Blitz-Bilder.

In der Praxis gefallen die beiden Funktionen jedoch nicht allzu sehr, da sie bei vielen Fotos recht undifferenziert wirken. Schraubt man die Stärke hoch, wird der Effekt zu stark, mit geringer Stärke ist nur wenig zu sehen.


Automatische Korrekturen

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Die Rauschunterdrückung arbeitet bereits recht gezielt. Das Problem mit anderen automatischen Korrekturfiltern liegt darin, dass sie sehr viel im Hintergrund erledigen, worüber der Designer wenig Kontrolle hat. Die Option Fotokorrektur in einem Schritt zeigt komprimiert, wie gut oder schlecht automatisierte Korrektur sein kann. Ausgangsbeispiel ist das Bild zirkus2.jpg. Dieses Bild lebt von seiner stimmungsvollen Farbkomposition. Eine automatische Korrektur macht die Farben deutlich realistischer, dabei geht allerdings auch etwas der mysteriöse Charakter des Bildes verloren. Gerade bei Paint Shop Pro ist hier Vorsicht geboten, denn das Programm bietet wirklich eine Vielzahl an Auto-Korrektur-Möglichkeiten, die alle per se gut sind, aber auch an der richtigen Stelle eingesetzt werden sollten.


RAW-Format: rohe Daten

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Die meisten Digitalkameras bieten die Aufnahme von Bildern als JPG und als RAW-Daten an. RAW-Daten sind die unbehandelten und unkomprimierten Bilddaten. Einziges Problem dabei: Verschiedene Kameras verwenden geringfügig unterschiedliche Formate. Zwar gibt es schon Bemühungen zur Vereinheitlichung, beispielsweise von Adobe, aber bisher muss die Bildbearbeitung für den Import sorgen.

Paint Shop Pro kommt schon mit RAW-Daten von einigen Kameras zurecht und erlaubt auch eigene Einstellungen und Korrekturen direkt in einem speziellen Öffnen-Dialog. Sie können die Bilder zum Beispiel gleich nachschärfen. Hier ist es natürlich praktisch, immer ähnliche Einstellungen für ähnliche Zwecke zu verwenden. In der Praxis müssen Sie sich gut auf Ihre Kamera einstellen.


Tolle Designs malen

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Malen gehört nicht zu den Stärken von Paint Shop Pro, allerdings auch nicht unbedingt zu den Anforderungen eines Webdesigners. Manchmal kann allerdings ein kleiner optischer Pep in Bildern oder Designs nicht schaden. Hierfür hat Paint Shop Pro 9 kräftig nachgelegt. Die Gestaltung eines außergewöhnlichen Banners soll das illustrieren:

Basis sind die drei Bilder aus dem Zirkus-Umfeld (zirkus1.jpg, zirkus2.jpg und artist.jpg). Erstellen Sie eine neue Datei mit den Maßen eines horizontalen Werbebanners. Paint Shop Pro hilft Ihnen angenehmerweise dabei, indem es in den Voreinstellungen schon die richtigen Pixelmaße 486 x 60 bereithält. Ziehen Sie alle drei Zirkus-Bilder in das neue Bild und ordnen Sie sie nebeneinander an. Sie bilden den Hintergrund des Banners. Die Übergänge können Sie mit Ebenenmasken weicher gestalten.

Nun geht es an die Beschriftung. Hierzu verwenden Sie einen Kunstpinsel. Diese Form der Pinsel ist neu in Paint Shop Pro 9. Sie haben eine breite Palette zur Auswahl: Vom Ölpinsel bis zum Palettenmesser ist alles dabei. Verwenden Sie für das Beispiel den Pastell-Pinsel. Wenn Sie den Pinsel zum ersten Mal ansetzen, erscheint eine neue Ebene in der Ebenenpalette. Es handelt sich um eine Maleffekt-Ebene.

Diese Ebenensorte gibt es ebenfalls erst in Paint Shop Pro 9. Sie bietet standardmäßig einen Leinwanduntergrund für die Kunstpinsel. Wenn Sie doppelt auf die Ebene klicken, können Sie die Einstellungen ändern.


Maleffekt-Ebenen

Paint Shop Pro 9

Der Hauptunterschied der Maleffekt-Ebene zu normalen Malebenen ist die Textur für den Ebenenuntergrund (Leinwandtextur). Sie können diese Textur bei jedem Pinselstrich wechseln. Als Beispiel malen Sie den Schriftzug »Zirkus« und verwenden für die einzelnen Buchstaben unterschiedliche Texturen. Sie können natürlich alternativ auch andere Schrift und andere Bilder einsetzen.

Besonders faszinierend bei den Maleffektebenen ist, dass Sie auf den Ebenen im nassen und im trockenen Zustand malen können. Nass bedeutet, dass sich die Farben realistisch mischen. Zwischen beiden Zuständen wechseln Sie, wenn Sie mit der rechten Maustaste auf die Ebene klicken. Trockene Malebene trocknet das Bestehende an, Nasse Malebene lässt die Farben mit neuen Pinselstrichen verlaufen. Einem ähnlichen Prinzip folgt die Palette Mischfunktion. Hier können Sie verschiedene Farben frei zusammenmischen. Das Prinzip ist ähnlich wie im Wasserfarbkasten. Gut, ein etwas flapsiges Bild. Die Namen wie Farbtube et cetera deuten eher auf das Mischen von Ölfarben hin.

Fakt ist aber, dass Sie die Farben beliebig verschmieren und mischen können. Einzelne Farben lassen sich dann per Pipette verwenden. Dazu haben Sie noch die Möglichkeit, die Mischfunktion jederzeit zu leeren, das Ergebnis zu speichern und einzelne Schritte rückgängig zu machen. Eine durchaus interessante Innovation, die in der Praxis allerdings sicherlich nicht dauernd im Einsatz sein wird.


Formen und Effekte fürs Web

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Sowohl in der Korrektur als auch im kreativen Bereich hat sich also einiges getan. Von den weiteren Neuerungen ist vor allem die Überarbeitung der Formwerkzeuge für Webdesigner interessant. Rechteck und Ellipse sind nun in verschiedenen Werkzeugen aufgehoben. Dazu gibt es symmetrische Figuren und vorgefertigte Formen. Abgerundete Ecken, die Grundlage vieler Button-Formen, sind nun flexibel und in x- und y-Richtung variierbar möglich. Ein zweiter Modus erzeugt Quadrate. Die Einstellungen können Sie dank der Vektorebenen auch nachträglich ändern. Das ist zwar nicht ganz so komfortabel wie im Vektorgrafik-Programm, erweist sich aber vor allem bei der Schaltflächengestaltung als sehr nützlich.

Als weitere interessante Neuerungen sind einige Filter und Effekte zu nennen. Der Filter Verschiebungsabbildung (Menü Effekte, Verzerrungseffekte) kann dazu verwendet werden, aus Schaltflächen dreidimensionale Gebilde zu erzeugen. Der Filter Strahlenförmige Unschärfe (Menü Anpassen, Bildunschärfe) ist ein bereits aus anderen Grafikprogrammen bekannter radialer Weichzeichner. Hier gibt es zusätzlich einen Weichzeichner, der Bewegung simuliert.

Zu guter Letzt bleibt noch ein Blick auf Neuerungen, die nicht direkt Funktionalität enthalten, sondern vor allem die Arbeit mit Paint Shop Pro verbessern. Besonders praktisch ist die neue History-Palette. Sie merkt sich alle Arbeitsschritte. Sie können beliebige Einzelschritte rückgängig machen und haben so die volle Kontrolle. Dies ist eine der Funktionen, mit denen Jasc gegenüber direkten Konkurrenten aufschließt.


Fazit

Paint Shop Pro 9

Keine der Verbesserungen in Paint Shop Pro 9 ist absolut bahnbrechend. Die Verlauf-Palette ist jedoch praktisch, die verschiedenen Korrekturfilter für digitale Bilder sind vorbildlich und auch die übrigen Verbesserungen können sich sehen lassen. Und nicht zuletzt überzeugt bei Paint Shop Pro natürlich noch der Preis von knapp unter 100 Euro für eine Vollversion.

Die Beispielbilder aus dem Workshop finden Sie auf der Heft-CD und unter
listings.internet-pro.de
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