Mein Haus, mein Auto und meine Schulden
Rettet Spam!

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Hinter Spam-Mails verbergen sich Kleinodien, Reichtümer des menschlichen Erfindungsgeistes! Werner Tiki Küstenmacher, unser Mann fürs Grobe, hat für uns ausprobiert, was andere verschmähen.

Mein Haus, mein Auto und meine Schulden

Wenn Sie wüssten, wie viele Mädchen aus aller Welt auf mich fliegen! Ständig bekomme ich E-Mails von den Damen. Ich komme mir vor wie Leonardo di Caprio in »Catch me if you can«: Blutjunge Russinnen sind scharf auf mich, liebestolle Teenies aus Fernost verraten mir ihre intimsten Geheimnisse, dralle Schönheiten reiferen Alters räkeln sich für mich in Latex-Outfits. Als höflicher Mensch sehe ich mir ihre liebevoll gestalteten Homepages an und drücke bei eigenartigen Systemmeldungen willig auf »Ja!«. Meine Freunde behaupten, diese Damen wären schuld an meinen gestiegenen Telefonkosten. Purer Neid sie haben nicht die treuen Augen meiner neuen Freundinnen gesehen!

Spam macht reich!
Arm dran, wer noch bei seiner Bank um Kredite bettelt! Ich bin überwältigt, mit welcher Freundlichkeit mir meine neuen E-Mail-Freunde großzügigste Summen zu traumhaften Konditionen bereitstellen. Nachdem ich ihnen ein paar tausend Euro Bearbeitungsgebühr gezahlt hatte, erwarte ich nun in den nächsten Tagen den Eingang stolzer Summen, über die ich himmlisch frei werde verfügen können. So eine Überweisung aus dem Ausland dauert schon mal etwas länger. Vielleicht hält meine deutsche Bank das Geld auch böswillig zurück.

Spam erweitert den Horizont!
Kaum eine Erfindung hat dermaßen zur Bereicherung meiner Schriftsprache beigetragen wie die Spamfilter.
Die Betreffzeilen glänzen mit Innovationen der Rechtschreibung (Seks, girlz, CZHHU8&4KK), typographischen Sensationen (V*I*A*G*R*A, get l-oa/ns for f.r\e\e) und hochkreativen Aufmerksamkeitserzeugungsbotschaften (Hi!, Re: Do you remember last night?, Technical support warning!!!). Der Höhepunkt der Wortneuschöpfungen aber sind die Bezeichnungen für das männliche Fortpflanzungsorgan. Wer hätte noch vor Jahren etwas mit »enormous schlong«, »penile wonder member« oder »giant hrxxzwqzz« anfangen können?


Spam macht schön!
Wobei wir bei der eindrucksvollsten kulturellen Veränderung wären, die uns kraft der Elektropost erreicht hat. Gerade dachte ich, dass ich abgenommen, meinen Bizeps ausreichend gestählt und den Waschbrettbauch in Idealform trainiert hätte, da versteifen sich diese »schlong«-Mails ausgerechnet auf das letzte Tabu meines Körpers. »Size matters!« heißt die Botschaft, die mich via Outlook erreicht. Willig bestellte ich die chemischen, gymnastischen und plastischen Hilfsmittel zur maximalen Vergrößerung. Seitdem kann ich kaum noch laufen und suche nach einer Frau, die sich bei meinem Anblick nicht totlacht. Aber ich fühle mich unvorstellbar stark.

Spam verbindet Völker!
95 Prozent aller Werbefundsachen stammen aus den USA, der unbestrittenen Weltführungsmacht. Zu Unrecht wird diese Nation als moralinsaurer Hort der Prüderie verspottet. In ihren digitalen Wurfsendungen legen die Nachfahren der frommen Pilgerväter eine Libertinage an den Tag, die dem alten Casanova die Schamesröte ins gepuderte Gesicht getrieben hätte. Von wegen »stupid white men« die Intelligenz nordamerikanischer Männerhirne erdenkt bislang für undenkbar gehaltene Erotik-Phantasien und bildet sie auch gleich noch in JPEG-Dateien ab. America, land of the free, so free warste noch nie!